Was kann man gegen die Überdüngung mit Gülle tun?

Ein Landwirt düngt mit einem Traktor ein Feld.

Was kann man gegen die Überdüngung mit Gülle tun?

  • Gülle-Tourismus nach und in NRW sorgt für Unmut
  • Düngeverordnung soll verschärft werden
  • Frauenhofer Institut forscht an Gülle-Aufspaltung

Gülle-Tourismus in NRW: Weil unter anderem im Münsterland, in Niedersachsen und Gebieten der Niederlande die Nitrat-Grenzwerte in Wasser und Boden überschritten wurden, versuchen Landwirte die dafür verantwortliche Gülle loszuwerden. Mit Tanklastzügen transportieren sie das Düngemittel ins Sauerland, wo die Grenzwerte noch nicht erreicht wurden.

Ab kommendem Jahr könnte sich das Problem weiter verschärfen. Nach der EU-Düngeverordnung sollen die Bauern dann 30 Prozent weniger Gülle ausbringen.

Welche Gefahr geht von der Gülle aus?

In Gülle stecken Stickstoff und Phosphat. Beides sind Nährstoffe, die Pflanzen beim Wachsen helfen. Werden die Nährstoffe von den Pflanzen aber nicht aufgenommen, gelangen sie als Nitrat ins Grundwasser.

Da hohe Nitrat-Konzentrationen gesundheitsschädlich sein können, muss belastetes Grundwasser gefiltert werden, um Trinkwasser zu erhalten. Die Kosten dafür zahlt der Verbraucher. Die Preise für Trinkwasser könnten Schätzungen zufolge bis zu 45 Prozent steigen. Auch auf Umwelt und Klima wirkt sich Nitrat negativ aus.

Wo ist die Gülle-Belastung besonders hoch?

Als belastet gelten vor allem der Niederrhein, das Münsterland und Teile von Ostwestfalen. Da, wo viel Vieh gehalten oder viel Gülle für den Gemüseanbau eingesetzt wird.

Doch reicht das neue Gesetz aus? Nein, sagt Uli Paetzel von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. "Wir brauchen eine andere Landwirtschaft". Man müsse weg von Massentierhaltung hin zu einer ökologisch verantwortlichen Landwirtschaft.

Keine Vorschläge vom Bauernverband

Für den Westfälischen Landesbauernverband (WLV) ist das Polemik: Das Thema eigne sich nicht, um für eine Form von Landwirtschaft Stimmung zu machen, so Sprecher Hans-Heinrich Berghorn. Eigene Vorschläge macht er aber nicht: Bauern, Kommunen und Wasserversorger müssten selbst jeweils lokale Lösungen erarbeiten.

Der Kreis Viersen hat zum Beispiel einen Fünf-Punkte-Plan beschlossen. Dazu gehören eine stärkere Kontrolle der Landwirte und eine Einschränkung der Gülle-Importe.

Gülle in ihre Bestandteile zerlegen

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart versuchen das Problem wissenschaftlich zu lösen. Sie haben ein Verfahren entwickelt, mit dem die Gülle noch in den Mastbetrieben in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt werden kann.

Die in der Gülle enthaltenenen Elemente Phosphor und Stickstoff werden in der Pilotanlage der Wissenschaftler in Form von Salzen gewonnen. Übrig bleiben die festen, organischen Bestandteile der Gülle, aus denen Biokohle gemacht wird, und eine Art kaliumreiches Wasser, das bedenkenlos zum Wässern der Äcker genutzt werden kann

In einer früheren Version dieses Textes stand, dass es die Möglichkeit gebe, die Gülle loszuwerden, indem man sie in Biogas umwandelt. Das stimmt jedoch nicht, da das Substrat, dass dabei entsteht, immer noch Nitrat enthält. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Stand: 07.03.2019, 18:39

Kommentare zum Thema

8 Kommentare

  • 8 Dierk 09.03.2019, 15:04 Uhr

    Ich arbeite bei einem Lohnbetrieb und wir haben einige Landwirte die 50 und mehr Kubikmeter pro Hektar ausbringen lassen. Einige lassen anschließend nach dem Pflügen nochmals Gülle ausbringen um anschließend Mais zu pflanzen. Bis eine Maispflanze diese Gülle aufnehmen kann, ist mindestens ein Drittel im Boden versickert und geht als Nitrat ins Grundwasser. Dafür braucht man keine Untersuchungen um letztendlich Zeit zu gewinnen, damit Gesetze und Strafen möglichst weit hinaus zu Schieben. Das kann jeder Leihe erkennen, das in Deutschland zu viel Gülle gefahren wird. Besonders mit LKW wird die Gülle quer durch Deutschland gefahren. Selbstkontrolle der Landwirte ist völliger Quatsch. Welcher Landwirt zeigt sich selbst an. Da müssen regelmäßig Kontrollen von außen durchgeführt werden und ggf. mit Bodenproben. Auch die Strafen müssen durchgesetzt werden. Die Gülleverordnung und die Gesetze die wir haben sind eigentlich Außreichend.

  • 7 Antonietta 09.03.2019, 07:22 Uhr

    Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

  • 6 Jürgen 08.03.2019, 20:20 Uhr

    Immer hat die Landwirtschaft schuld aber von 100 ten tonnen sch..... von denn Leuten da redet keiner !!!

  • 5 Wahrheitsucher 08.03.2019, 17:21 Uhr

    Die Menge der Gülle wäre deutlich geringer, wenn der Gülletransfer durch die Niederlande verboten würde. Dann könnte die Gülle der Tierzuchtbetriebe aus Deutschland genug Platz auf den Flächen finden. Aber wir schauen gern auf's Schafott und lassen uns auslachen.

  • 4 GRENOL.de 08.03.2019, 17:14 Uhr

    Es gibt seit vielen Jahren das HTC-Verfahren, das nunmehr zur Betriebsreife entwickelt ist, was dieses Problem problemlos lösen könnte! Es will nur keiner, weil es zu gut ist: Es zerlegt die Gülle in Kohlenstoff und Nährstoffe, die die Landwirtschaft dann nicht mehr zukaufen müsste. Die etablierten Strukturen, die jetzt am Verkauf von Nährstoffen verdienen, haben aber nicht das geringste Interesse an diesem Verkauf etwas zu ändern und die Politik lässt die Bauern weiter in die Nährstofffalle tappen, bis dass die bäuerlicheTierproduktion in D ausgestorben ist. Wenn die Bauern diese Verantwortung, aus ihren eigenen Abfällen ihren eigenen Dünger zu machen, nicht langsam selbst in die Hand nehmen, sind sie für ihre Probleme dann tatsächlich auch selbst verantwortlich. Bisher haben sie sich immer auf die Politik oder den Verband verlassen, aber von dort ist offensichtlich keine Hilfe mehr zu erwarten. Nur die Landwirtschaft kann eine echte Kohlenstoffsenke zum Wohle aller schaffen!

  • 3 Karl-Heinz Lenz 08.03.2019, 14:37 Uhr

    Ich finde es auch schlimm, dass bei ihren Berichten die inzwischen verbotenen und uralten Güllewagen gezeigt werden. Macht wohl irgendwie mehr her. Heute wir Gülle ganz anders und sehr gezielt ausgebracht. Auch die Geruchsbelästigung ist fast verschwunden. Und warum bringen sie keine Beispiele von Trinkwasserbrunnen, die zu hohe Nitratwerte haben. Sie werden auch keine finden. Die in Untersuchungen angegebenen Werte stammen aus sehr flachen Brunnen von so um die 8 Meter Tiefe. In unserem sehr fruchtbaren Land findet sich in dieser Tiefe immer Nitrat - ganz natürlich.

  • 2 Karl-Heinz Lenz 08.03.2019, 14:23 Uhr

    Seit 1980 hat sich der Düngereinsatz halbiert. Auch die Gülle wird weniger, weil der Rinder- und Schweinebestand sich stark reduziert. Der Nitratwert beim Trinkwasser ist kaum messbar und seit Jahrzehnten nicht gestiegen.

  • 1 Thomas 08.03.2019, 13:08 Uhr

    Es wird bereits viel weniger gedüngt als früher und mit der neuen Düngeverordnung wird es noch weniger werden. Also macht es keinen Sinn noch weiter zu verschärfen. Der EU werden aus grün-ideologischen Beweggründen bewusst schlechte Werte gemeldet weil man eine andere Landwirtschaft will. Die theoretisch ermittelte Wert von bis zu 45% höheren Kosten für Trinkwasser hält einem objektiven Faktencheck nicht stand. Wird gern zitiert, aber faktisch hat es noch KEINE Erhöhung gegeben die über die normale Inflationsrate hinausgeht. Niedersachsen ist auf den Nitratkarten immer rot dargestellt (= Nitrat > 50 mg/l) und die tatsächlichen Nitratwerte des geförderten Trinkw. betragen im Durchschnitt 5,2 mg/l und das UNGEFILTERT !!!! bei Grenzwert von 50 mg/l ist das Top Es wird auch behauptet die Flüsse wären belastet, aber lt. offiziellen Nitratbericht der Bundesregierung halten ALLE Gewässer den EU-Grenzwert 50 mg ein und die Tendenz ist bei weit über 90% sinkend. Kann jeder nachlesen

    Antworten (2)
    • Paul 08.03.2019, 13:37 Uhr

      Ihre Angaben bezügl. reduzierter ausgebrachten Güllemengen kann ich nicht bestätigen. Hier im Münsterland wird kontinuierlich ein Gülle-Pendelverkehr aufrecht erhalten, sowohl am Tag, wie auch in der Nacht -und zusätzlich bei nahezu jeder Witterung, auch bei gefrorenen Böden! Kaum vorstellbar, dass irgend eine Kontrollinstanz greift. Wenn man sich das Fassungsvermögen der drei-bis vierachsigen Anhänger von 25- 40.000 l vergegenwärtigt, dürfte klar sein, dass man sich quasi keinerlei Beschränkungen auferlegt. Insofern wäre die Abkehr von der großindustriellen, intensiv betriebenen Landwirtschaft der notwendige Ansatz; gleichzeitig sind hoher Kontrolldruck und strengere Grenzwerte erforderlich. Mann kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass im Schutze der Dunkelheit sämtlichen Hinterlassenschaften aufgebracht werden sollen; Gleiches gilt übrigens für den nach wie vor unerträglichen Pestizid-/Insektizideinsatz. Landmaschinen mit haushohen Rädern sind Symbol für diese Landwirtschaft.

    • Michael 08.03.2019, 14:54 Uhr

      Man merkt, dass "Paul" nicht allzu viel Ahnung von Landwirtschaft hat. Die Größe der Güllewagen hat genauso wenig was mit der ausgebrachten N-Menge pro ha zu tun wie die Größe der Räder. In den allerwenigsten Fällen bringt der Viehhaltende Landwirt heute noch seine Gülle selber aus, sondern lässt sie von einem spezialisierten Unternehmer ausbringen und die müssen halt die Kosten gering halten und das geht nur indem man die Möglichkeiten der STVO auch ausschöpft. Auch gibt es keine Pestizide, sondern nur Insektizide, Herbizide, Fungizide und Molluskizide. Es geht hier halt gar nicht darum wieviel Gülle in einem Betrieb absolut anfällt, sondern darum ob dieser Betrieb auch selber genug Fläche hat, um diese Gülle auszubringen.

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