Was bedeuten die schärferen Gülle-Regeln für NRW?

Was bedeuten die schärferen Gülle-Regeln für NRW?

Von Andreas Poulakos

  • Schärfere Düngeregeln für Bauern
  • Nitratgrenzwerte vielerorts überschritten
  • Fragen und Antworten

Die Bundesregierung hat sich am Donnerstag (13.06.2019) auf eine gemeinsame Linie geeinigt, um die Nitratbelastung des Grundwassers zu senken. Die Düngeregeln in besonders stark belasteten Regionen werden verschärft.

In "roten Gebieten", in denen die Nitratbelastung den EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter übersteigt, sollen Bauern künftig 20 Prozent weniger Gülle auf den Feldern verteilen.

Welche Teile von NRW sind betroffen?

Eine erhöhte Nitratbelastung des Grundwassers besteht vor allem in den nördlichen und westlichen Landesteilen: Schwerpunkte sind zum Beispiel das Münsterland und das Rheinland, dort insbesondere der Niederrhein im Grenzgebiet zu den Niederlanden.

Dem WDR liegen diese aktuellen Daten zur Nitratbelastung vor:

Nitrat-Messungen im Grundwasser 2018

Erhöhte Werte finden sich überall, wo intensiver Ackerbau betrieben wird - besonders in Regionen, in denen es zusätzlich viele Viehmastbetriebe gibt. Urbane Regionen sind seltener betroffen.

Warum ist Nitrat im Grundwasser gefährlich?

Nitrat verwandelt sich im Körper zu Stoffen, die als krebserregend gelten. Mit der Gülle können außerdem Krankheitskeime auf den Feldern landen. Für die Trinkwasserversorgung ist Nitrat ein Problem, weil es aufwendig aus dem geförderten Grundwasser herausgefiltert werden muss.

Der Stoff versickert zudem nur langsam und braucht gewöhnlich Jahrzehnte, bevor er die Grundwasserschichten erreicht. Selbst wenn die Grenzwerte ab sofort eingehalten werden, dürfte das Problem die Wasserversorger noch viele Jahre begleiten.

Was sagen die Landwirte in NRW dazu?

Demonstranten mit ihren Plakaten

Bauern protestieren in Münster

Im Vorfeld der Entscheidung gab es von Bauern heftige Proteste. Vor allem in Westfalen-Lippe fürchten Landwirte, dass die Reduzierung von Düngemitteln weniger Erträge zur Folge haben könnte. Für die Viehhalter bedeuten die schärferen Düngeregeln, dass sie für die Fäkalien aus den Mastbetrieben nun weniger Abnehmer aus der Region finden, was für sie mit höheren Kosten verbunden ist.

Umweltschützer in NRW klagen schon jetzt über den schwunghaften "Gülle-Tourismus", bei dem große Mengen des Düngers in weniger belastete Regionen gebracht werden - zum Beispiel das Sauerland und die Eifel.

Gibt es weitere Kritikpunkte?

Greenpeace bezeichnete die Einigung am Freitag (14.06.2019) als "faulen Kompromiss". Sie reiche nicht aus, um Grundwasser und Gewässer vor zu viel Nitrat zu schützen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) befürchtet, dass durch zahlreiche Ausnahmen neue Schlupflöcher eröffnet werden, mit denen die Düngeregeln umgangen werden können.

Stand: 14.06.2019, 12:28

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