"Grüner Knopf": Neues Siegel für nachhaltige Kleidung

"Grüner Knopf": Neues Siegel für nachhaltige Kleidung

  • Neues staatliches Siegel für Kleidungsstandards
  • Soll soziale und ökologische Verantwortung kennzeichnen
  • Kritik sowohl von Textilbranche als auch von Verbrauchern

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat am Montag (09.09.2019) in Berlin die ersten Bekleidungsfirmen vorgestellt, an die das neue staatliche Siegel "Grüner Knopf" vergeben wird. Zum Start beteiligen laut Müller sich 27 Unternehmen. Weitere 26 Unternehmen seien derzeit im Prüfprozess. Die Firmen halten sich laut Ministerium bei der Herstellung ihrer Textilien an strenge soziale und ökologische Standards.

Hintergrund des neuen Siegels ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem vor sechs Jahren mehr als 1.100 Menschen ums Leben gekommen waren.

Was ist der "Grüne Knopf"?

Der "Grüne Knopf" ist ein staatliches Siegel für Textilprodukte vom Bundesentwicklungsministerium. Er soll laut Ministerium sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien kennzeichnen, die von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen in Umlauf gebracht werden.

Das Siegel wird als Stoff-Etikett am Produkt selbst angebracht. Es startet zunächst mit einer Einführungsphase, die bis Ende Juni 2021 angelegt ist. Bis dahin sollen Prüfverfahren getestet und möglicherweise verbessert werden.

Bio und fair - welches Siegel steht wofür?

Mit dem "Grünen Knopf" kommt ein weiteres Textilsiegel auf den Markt. Aber davon gibt es bereits viele. Hier eine Auswahl der gängigen Siegel und Tipps für nachhaltige Kleidung.

Textilsiegel GOTS

Das GOTS-Siegel ("Global Organic Textile Standards") für Kleidung prüft sowohl die Unbedenklichkeit des Stoffes als auch die sozialen Kriterien bei der Herstellung. Zusätze wie toxische Schwermetalle, Formaldehyd oder giftige Farbstoffe sind verboten. Abwässer müssen umweltschonend entsorgt werden. Gleichzeitig verbietet das Siegel Zwangs- und Kinderarbeit und verpflichtet die Hersteller zu Mindestlöhnen.

Das GOTS-Siegel ("Global Organic Textile Standards") für Kleidung prüft sowohl die Unbedenklichkeit des Stoffes als auch die sozialen Kriterien bei der Herstellung. Zusätze wie toxische Schwermetalle, Formaldehyd oder giftige Farbstoffe sind verboten. Abwässer müssen umweltschonend entsorgt werden. Gleichzeitig verbietet das Siegel Zwangs- und Kinderarbeit und verpflichtet die Hersteller zu Mindestlöhnen.

Das Fairtrade-Label ist vor allem aus dem Lebensmittelbereich bekannt. Im Textilbereich wurde es zunächst nur für faire Arbeitsbedingungen im Anbau und bei der Verarbeitung von Baumwolle vergeben. Seit 2016 wird mit dem Label "Fairtrade Textile Production" auch die gesamte Lieferkette berücksichtigt.

Das Öko-Tex 100-Siegel wird von der Internationalen Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie vergeben. Geprüft wird hier allerdings nur auf Schadstoffrückstände in den Textilien. Das Siegel sagt damit nichts über die Herstellungsbedingungen aus.

Das EU Eco-Label kennzeichnet Produkte, die "geringere Umweltauswirkungen haben als Vergleichbare". Neben Reinigungsprodukten, Elektrogeräten oder Lacken können auch Textilien dieses Siegel tragen. Es soll bezeugen, dass bei der Herstellung die Verschmutzung von Flüssen und Seen "gemindert" wird. Produzenten müssen dafür lediglich Unterlagen einreichen, die bezeugen, dass die gebotenen Grenzwerte eingehalten wurden.

Strenge Regeln gelten für das Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN). Es dürfen ausschließlich Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet werden. Bei der Verarbeitung dürfen keine giftigen Chemikalien eingesetzt werden. Auch für Knöpfe oder Reißverschlüsse gelten strenge Auflagen. Geprüft wird jährlich, Hersteller verpflichten sich zudem zur Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen.

Die Fair Wear Foundation will menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie garantieren. Die FWF überprüft die Einhaltung ihrer Bedingungen vor Ort und gilt als unabhängige Nonprofit-Organisation, die mit 80 Herstellern zusammenarbeitet. Die Mitglieder verpflichten sich die hohen Sozialstandards einzuhalten.

Seit Montag (09.09.2019) ist mit dem "Grünen Knopf" ein staatliches Textilsiegel hinzugekommen. Vergeben wird es an Hersteller, die eine Reihe sozialer und ökologischer Mindeststandards einhalten, etwa Mindestlöhne und ein Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie Vorgaben zum Chemikalieneinsatz und zur Luftverschmutzung. Kritisiert wird am "Grünen Knopf", dass es zwar staatlich kontrolliert wird, aber für die Hersteller freiwillig ist und daher nur eine kleine Orientierungshilfe für Verbraucher liefert.

Wer sich nachhaltig kleiden möchte, sollte mit wenigen Stücken auskommen und diese möglichst lange tragen. Dazu zählt, dass man sorgsam mit Pullovern und Hosen umgeht und diese auch einmal repariert. Gut für die Umwelt ist es auch, wenn nicht mehr getragene Kleidung weitergegeben wird oder man im Second-Hand-Laden kauft.

Daneben gibt es Marken, die Mode aus alternativen Materialien wie Holz, Algen oder Ananasblättern als Lederalternative anbieten. Ebenso wird Plastik recycelt, um daraus Kleidung herzustellen.

Welche Anforderungen stecken hinter dem Siegel?

Wer den "Grünen Knopf" für sein Textilprodukt haben will, muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Die ökologischen Standards umfassen etwa das Verbot von Weichmachern und anderen Chemikalien sowie Grenzwerte für Abwässer, die bei der Produktion anfallen.

Die Herstellerfirmen müssen nachweisen, dass sie menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung übernehmen. Laut Ministerium wird das Siegel in Zukunft auf weitere Arbeitsschritte ausgeweitet: "Letztlich soll der Grüne Knopf Mensch und Umwelt in der gesamten Lieferkette schützen - vom Baumwollfeld bis zum Bügel."

Wie sinnvoll ist der "Grüne Knopf"?

Die deutsche Textilbranche hält den "Grünen Knopf" für überflüssig und die Kriterien für kaum kontrollierbar. Anderen geht das Vorhaben nicht weit genug. Kritisiert wird unter anderem, dass in der Startphase nur die Arbeitsbedingungen beim Nähen, Färben und Bleichen in den Blick genommen werden.

Der Verein Femnet, der sich für Rechte von Frauen in der Bekleidungsindustrie einsetzt, kritisiert die freiwilligen Maßnahmen, bei denen sich auch nur ein Teil der Branche beteilige, und fordert ein Gesetz.

Textilsiegel "Grüner Knopf" ist nur "die Notbremse"

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.09.2019 05:38 Min. Verfügbar bis 08.09.2020 WDR 5

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Isabell Ullrich von der Christlichen Initiative Romero stört, dass nur außerhalb der EU kontrolliert wird: "Wir haben in Studien herausgefunden, dass gerade in Bulgarien oder Rumänien, die die meiste Kleidung in Europa herstellen, die Bedingungen teilweise genauso haarsträubend sind wie in Fernost." Deshalb sei es keine Verbesserung für den Verbraucher in Sachen Durchblick bei den Siegeln, sondern eher eine Irreführung.

Grüner Knopf - staatliches Textilsiegel ohne Mehrwert ? - Teil 1

WDR 2 Servicezeit 09.09.2019 03:33 Min. Verfügbar bis 08.09.2020 WDR 2

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Grüner Knopf - staatliches Textilsiegel ohne Mehrwert ? - Teil 2

WDR 2 Servicezeit 09.09.2019 03:30 Min. Verfügbar bis 08.09.2020 WDR 2

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Stand: 09.09.2019, 13:11

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 NoName 10.09.2019, 12:48 Uhr

    Beim Bundesminsterium ist zu finden, wer das Siegel bekommen hat... http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2019/september/190909_pm_048_Minister-Gerd-Mueller-stellt-staatliches-Textilsiegel-Gruener-Knopf-vor/

  • 4 SWB 09.09.2019, 20:18 Uhr

    Überall steht was von grünen Knopf und das es firmen gibt sie diesen haben Aber nirgends steht welche Firmen dass es sind suche schon ne ganze stunde

  • 3 Andrea 09.09.2019, 19:19 Uhr

    Ein roter Punkt auf die Nase, mehr Heiterkeit wäre angesagt. Ist kaufe meine Klamotten doch danach ob sie mir gefallen oder passen. Die sollen doch erst mal Lebensmittel mit einem grünen Punkt kennzeichnen, dann passen die Klamotten auch besser.

  • 2 gast 09.09.2019, 16:24 Uhr

    Ein Mehrwert ist, dass der Grüne Knopf die unternehmerischen Sorgfaltspflichten erfasst.

  • 1 Gast 09.09.2019, 13:58 Uhr

    Die bisherigen Label, insbesondere GOTS, IVN, FWF und Fair, zeichnen sich durch sehr gute Kriterien aus. Welchen Mehrwert nun der Grüne Knopf bieten soll, bleibt fraglich. In jedem Fall kostet er Steuergeld durch den Behördenapparat im Bundesministerium.

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