Grüne wollen die Hauptschulen abschaffen

Sylvia Löhrmann und Marina Weisband (l.) beim Parteitag der NRW-Grünen in Neuss

Grüne wollen die Hauptschulen abschaffen

  • Grüne: Hauptschulen bieten kaum Karrierechancen
  • Gymnasien sollen auch schwächere Schüler unterrichten 
  • Viel Geld für Glasfasernetzausbau

Die nordrhein-westfälischen Grünen halten die Hauptschulen nicht mehr für zukunftsfähig, weil sie Schülern kaum Karrierechancen ermöglichten. "Der Prozess, dass die Hauptschule von Eltern nicht mehr akzeptiert wird, weil klar ist, das gibt nicht die Bildungschancen, die sie sich für ihre Kinder vorstellen, diesen Prozess gibt es schon lange", erklärte Grünen-Bildungspolitikerin Sigrid Beer am Samstag (15.06.2019). Darum wollen die Grünen die Hauptschulen auslaufen lassen.

Grüne setzen auf Gesamtschulen und Gymnasien

Delegierte beim Parteitag der NRW-Grünen in Neuss

Grüne Delegierte tagen in Neuss

Stattdessen wollen die Grünen verstärkt auf Gymnasien und Gesamtschulen setzen. Neu ist dabei, dass alle Schüler, die einmal an einem Gymnasium angenommen wurden, im Normalfall auch bei schlechten Leistungen nicht von der Schule fliegen dürften. Sie sollten so lange das Gymnasium besuchen, bis sie zum Beispiel nach der zehnten Klasse den Realschulabschluss erreicht haben.

"Wir wollen, dass die Schulen, die die Kinder aufnehmen, auch für sie verantwortlich sind und auch zum ersten Bildungsabschluss führen", so Beer. 

Neues Schulmodell: Primusschulen

Daneben wollen die Grünen verstärkt auf Primusschulen setzen. Im Rahmen eines Modellversuchs wurden Schüler an mehreren Schulen von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet. Erfolgreich, sagen zumindest die Grünen, darum solle die Primusschule möglichst bald zur Regelschule werden.

Flächendeckendes Glasfaserinternet

Die Digitalisierung spielte auf dem Parteitag ebenfalls eine große Rolle. Bund und Land müssten in den nächsten zehn Jahren in flächendeckenden Glasfaserausbau und schnelles Internet an "jeder Milchkanne" investieren. Dafür wolle man hohe Summen in die Hand nehmen, so die NRW-Parteivorsitzende Mona Neubaur. "Es ist eine riesen Chance und eine Notwendigkeit, wenn man mithalten will in den wirtschaftlichen Entwicklungen."

Baerbock bremst die Euphorie der Delegierten

In den zwei Tagen des Parteitags merkte man deutlich: Die Grünen versprechen sich viel von der Zukunft. Regierungsbeteiligungen in den Kommunen, den Ländern und im Bund halten viele für realistisch.

Um die Euphorie zu bremsen mahnte die Bundesvorsitzende Annalena Baerbock am Freitag die Delegierten, nach den jüngsten Wahlerfolgen nicht die Bodenhaftung zu verlieren. "Ich glaube, was wir richtig falsch machen können, wenn wir nach dem Feiern nur noch um uns selbst kreisen. Natürlich können wir jetzt diskutieren, was ginge alles, und was könnte alles und was wäre alles. Aber das ist genau die falsche Frage!"

Stand: 15.06.2019, 14:52

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