Die Grüne Woche ist politisch wie nie

Eine Frau sitzt bei einer Demo gegen die Agrarindustrie auf einem Traktor, der Eingang zum Berliner Messegelände, eine Hand hält ein Holzbrett, auf dem Schinken und Käse liegen.

Die Grüne Woche ist politisch wie nie

Von Jörn Kießler

  • In Berlin beginnt am Freitag die Grüne Woche
  • Klimadebatte im Mittelpunkt der Messe
  • Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind im Trend

Bei der Grünen Woche in Berlin geht es nicht mehr nur ums Essen und Trinken. Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen im Vordergrund – und sorgen für viel Konfliktpotenzial.

Was sind die wichtigsten Themen auf der Grünen Woche in diesem Jahr?

Früher ging es bei der Grünen Woche fast nur ums Genießen. Deutschlands Regionen präsentierten ihre Spezialitäten, und Politiker ließen sich dabei filmen, wie sie Leckereien verköstigten. In diesem Jahr findet sich zwischen Köstlichkeiten aus dem Bayerischen Wald und Wein aus Rheinland-Pfalz erstmals auch ein Stand der Klima-Aktivisten von "Fridays for Future".

"Nie zuvor stand die Grüne Woche so stark im Zeichen der Klimadebatte", sagt Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin. Die Messe ist zwar schon länger ein politischer Schauplatz. Dieses Mal aber ist sie politisch wie nie. Landwirte, Verbraucher, Umweltverbände und Politik diskutieren über Nachhaltigkeit, Ressourcen-Schonung und umweltfreundliche Produktionsverfahren.

Welche Positionen werden auf der Grünen Woche diskutiert?

Wie viel Konfliktpotenzial die Themen bergen, wird schon zum Start der Messe deutlich. Am Freitag (17.01.2020) wollen Landwirte aus ganz Deutschland in mehreren Städten auf die Straße gehen, um für "faire Lebensmittelpreise" und gegen die Düngevorschriften zu demonstrieren.

"Die Auflagen, die wir erfüllen sollen, werden immer mehr", sagt Erich Gussen, Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands (RLV). "Die Preise, die wir für unsere Produkte bekommen, stehen dazu aber nicht in Relation."

Deshalb wollen die Landwirte aus NRW die Grüne Woche nutzen, um über ihre Arbeit und Situation aufzuklären. "Uns wäre es am liebsten, wenn die Verbraucher bereit wären, mehr für unsere Produkte zu zahlen", sagt Gussen.

Bereitschaft zum Kauf von Bio-Produkten

Sind die Verbraucher denn bereit? Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) kommt zu einem differenzierten Urteil. "Wenn der Preisunterschied – zum Beispiel bei Möhren oder Milch – zwischen dem herkömmlich und dem nachhaltig hergestellten Produkt nur gering ist, entscheiden sich viele Käufer für Letzteres", sagt BVE-Sprecherin Monika Larch.

Sobald die Preisdifferenz jedoch auseinander gehe, wie etwa bei Schweine- und Rindfleisch, schwinde auch die Bereitschaft, mehr für ein Bio-Produkt zu zahlen. "Bei dem einen, weil es ihm es nicht wert ist, beim anderen, weil er es finanziell nicht leisten kann", sagt Larch.

Umweltverbände sehen das Problem in der EU-Agrarpolitik, die nicht ökologisches Wirtschaften belohnt, sondern große Betriebe subventioniert. Am Samstag (18.01.2020) demonstrieren deshalb mehrere Umweltverbände in Berlin. "Wir fordern mehr Gelder für Betriebe, die umweltfreundlich und nachhaltig produzieren", sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND NRW.

Welche neuen Ernährungs-Trends gibt es?

Nicht nur in der politischen Diskussion schlagen sich die Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit und Ressourcen-Schonung nieder. Auch viele Produkte, die auf der Grünen Woche vorgestellt werden, folgen diesem Trend. Eine Auswahl:

Proteinpulver aus Grillen und Limonade aus Abfällen

Der Trend zur Nachhaltigkeit hat auch die Lebensmittelherstellung erreicht. Auf der Grünen Woche stellen mehrere Start-ups ressourcenschonende Produkte vor.

Eine Orangenschale liegt neben einem Glas mit orangefarbender Limonade

Wieso nicht ein Getränk aus dem Teil einer Frucht machen, das meist im Mülleimer landet? Das dachte sich ein Start-up aus Lemgo in Ostwestfalen-Lippe und entwickelte eine Limonade aus Orangen- und Zitronen-Schalen. Genutzt werden dafür die ausgepressten Fruchtschalen aus Saftbars.

Wieso nicht ein Getränk aus dem Teil einer Frucht machen, das meist im Mülleimer landet? Das dachte sich ein Start-up aus Lemgo in Ostwestfalen-Lippe und entwickelte eine Limonade aus Orangen- und Zitronen-Schalen. Genutzt werden dafür die ausgepressten Fruchtschalen aus Saftbars.

Ebenfalls ein "Abfallprodukt" nutzten zwei Studentinnen der Universität Hohenheim in Baden-Württemberg. Aus überreifen Bananen, die im Supermarkt nicht mehr verkauft werden, stellen sie Frühstücks-Cerealien her. Sie gewannen mit der Idee sogar einen europäischen Wettbewerb gegen Lebensmittelverschwendung.

Die Idee, zwei Food-Trends miteinander zu verbinden, hatten gleich zwei Start-ups aus NRW. Mit ihrem Proteinpulver aus Insekten sprechen die jungen Firmen aus Köln und dem Kreis Heinsberg nicht nur Menschen an, die Nachhaltig leben wollen. Auch für Fitness-Sportler sind die Produkte interessant.

Ebenfalls an aktive und vor allem kalorienbewusste Menschen wendet sich ein Start-up aus München. Es hat eine Trinkflasche entwickelt, an der ein Ring angebracht werden kann, der mittels Duftaromen Geschmack ins Wasser bringt - ganz ohne Kalorien, dafür aber mit regelmäßig anfallendem Müll.

Stand: 17.01.2020, 06:30

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