Grippeschutzimpfung: Was man jetzt dazu wissen sollte

Grippeschutzimpfung: Was man jetzt dazu wissen sollte

Von Frank Menke/Ingo Neumayer

Hausärzte und RKI empfehlen, sich neben Corona auch gegen die Grippe impfen zu lassen. Wie sinnvoll ist das? Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie hier.

Sollte man sich in diesem Herbst neben der Corona-Impfung auch noch eine Grippe-Impfung abholen? Der Deutsche Hausärzteverband empfiehlt das, genauso wie das Robert Koch-Institut, das Gesundheitsministerium und die Ständige Impfkommission.

Müssen wir in diesem Jahr mit einer Grippewelle rechnen, nachdem diese wegen der Corona-Schutzmaßnahmen in der vergangenen Saison quasi ausgefallen ist?

Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein.

Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein

"Wahrscheinlich ja, das sehen wir jetzt schon. Weil dort, wo Masken- und Abstandsregeln fallen, sich die Grippe-Infektionsraten auf das normale Niveau hochschrauben. Das ist ein guter Indikator für eine kommende Grippewelle", sagte Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht ein erhöhes Risiko für dieses Jahr. Insbesondere Vorerkrankte, Ältere und Schwangere seien betroffen. "Bitte lassen Sie sich impfen. Das ist kein harmloses Fieber", sagte er am Mittwoch.

Wer sollte sich auf jeden Fall gegen die Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Grippe-Impfung insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Vorerkrankten, Schwangeren und medizinischem Personal. Für gesunde Menschen unter 60 Jahren und Kinder gibt es keine ausdrückliche Empfehlung, die Stiko rät aber auch nicht davon ab. Aktuelle liege die Impfquote bei den Menschen, für die sie empfohlen werde, bei 40 Prozent, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens. Wünschenswert wäre hier ein Quote von 70 Prozent.

Es sollten sich auch all diejenigen impfen lassen, die in ständigem Austausch mit anderen Menschen stehen, zum Beispiel Lehrer oder Berufsgruppen mit Kundenkontakt.

Sind Befürchtungen berechtigt, dass der diesjährige Grippe-Impfstoff weniger wirksam ist, weil Informationen zu aktuellen Virusstämmen fehlen könnten?

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens hält solche Sorgen für unbegründet. Auf der ganzen Welt untersuchten Labore das gesamte Jahr Influenza-Viren. Das sei die Grundlage für die Zusammensetzung der Impfstoffe.

Auch der Chef des Hausärzteverbandes Nordrhein, Funken, hält diese Angst für "spekulativ". Der Grippe-Impfstoff werde immer mit der höchsten Wahrscheinlichkeit der kommenden Virusvariante hergestellt: "Der aktuelle Wirkstoff wird genauso wirksam sein wie in früheren Jahren."

Sind gleichzeitige Impfungen gegen Grippe und Corona möglich?

Ja. Die Stiko verweist auf die Möglichkeit, sich beim selben Termin gegen Grippe und Corona impfen zu lassen, etwa jeweils in den einen und den anderen Arm. Der 14-tägige Abstand zwischen einer Corona-Impfung und anderen Impfungen, den die Stiko früher empfohlen habe, gelte nicht mehr, sagte der Stiko-Vorsitzende Mertens.

Der US-Konzern Moderna entwickelt eine Impfung, die eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 mit einer Impfung gegen die saisonale Grippe kombiniert. Wann könnte es die geben?

Offenbar nicht in allzu ferner Zukunft. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein zeigt sich optimistisch: "Dieser Impfstoff ist in der Erprobung und die vorliegenden Tests waren sehr vielversprechend. Das heißt, es gab keine auffälligen Reaktionen. Es geht ja darum, dass ein stabiles Impfmedium gefunden wird - und das ist Moderna anscheinend gelungen."

Stand: 06.10.2021, 11:48

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