Greta Thunberg im exklusiven WDR Interview zur Doku "I am Greta"

5 Minuten ... mit Greta Thunberg Aktuelle Stunde 16.10.2020 UT Verfügbar bis 23.10.2020 WDR Von Astrid Houben

Greta Thunberg im exklusiven WDR Interview zur Doku "I am Greta"

Der Macher der Dokumentation "I am Greta", Nathan Grossman, hat Greta Thunberg bei ihrem Kampf gegen die Klimakrise begleitet. Im exklusiven WDR-Interview erzählt die Schwedin, warum der Hype um ihre Person ihr manchmal zu viel wird.

WDR: Der Dokumentarfilm "Ich bin Greta" kommt heute raus, er will den Menschen hinter dem Phänomen zeigen, schafft er das?

Greta Thunberg: Ja – denn der Macher des Films kennt mich mittlerweile einfach sehr gut. Weil wir so viel Zeit miteinander verbracht haben, konnte er ein korrektes Bild von mir rüberbringen.

WDR: Sie beschreiben sich selbst immer als eher schüchternen Menschen. Opfern Sie ihre Privatsphäre für das höhere Ziel, das Klima zu schützen?

Greta Thunberg: Ich denke, das, was die Filmemacher erreichen wollten, ist den Zuschauern den absurden Promikult vor Augen zu führen, den es heutzutage gibt. Und zu zeigen, wie seltsam es ist, dass die Leute sich so sehr auf mich fokussieren, statt auf das Klima. Die Leute sollen verstehen, wie schräg das ist. Gleichzeitig soll der Film zeigen, wie absurd es ist, dass so viel Verantwortung auf Kinder verlagert wird, auf Menschen wie mich, auf Aktivisten – statt dass alle selber etwas tun.

WDR: Millionen folgen Ihnen, aber Sie müssten eigentlich noch viel mehr Menschen gewinnen. Wie wollen Sie jemanden überzeugen, der ein dickes Auto fährt, einfach weil es Spaß macht?

Greta Thunberg: Ich versuche nicht, Menschen zu überzeugen, ihren CO2- Abdruck zu reduzieren. Ich versuche nur, ein kleiner Teil einer Veränderung zu sein, die die Denkweise der Menschen ändert. Und die sie über die Klimakrise aufklärt, um ein Bewusstsein zu schaffen. Das ist alles, was ich versuche. Ich sage niemandem, was er tun soll.

WDR: Ich habe das Gefühl, dass die Menschen, den Politikern und Wissenschaftlern in der Corona Krise eher gefolgt sind, als sie das in der Klimakrise tun– was denken Sie?

Greta Thunberg: Die Klimakrise wurde nicht einmal wirklich als Krise behandelt. Das hat dazu geführt, dass den Wissenschaftlern nicht zugehört, keine Maßnahmen getroffen wurden. Ich erwarte, dass die Mächtigen in der Welt die Wissenschaft ernst nehmen und aufhören so zu tun, als könnten wir die Krise bewältigen, ohne sie als Krise zu behandeln.

WDR: Wie schauen Sie auf das, was die EU gerade im Hinblick auf den Klimaschutz diskutiert?

Greta Thunberg: Wir müssen jetzt sofort CO2-Budgets implementieren, die sich mit unseren Emissionen jetzt befassen. Denn unser Kohlenstoff-Budget wird jetzt gerade verbraucht, nicht erst in 10 Jahren. Wir müssen unseren Fokus verlagern und erkennen, dass es keine magische Zahl, kein magisches Datum für die Reduktion gibt: Wir müssen die Klimakrise endlich als die Krise betrachten, die sie ist.

Das Interview führte Susanne Wieseler.

Stand: 16.10.2020, 18:58

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