Mit Maske, ohne Gesang: Gottesdienste in NRW wieder mit Besuchern

Fotos an den Kirchenbänken der St. Liudger-Gemeinde in Münster.

Mit Maske, ohne Gesang: Gottesdienste in NRW wieder mit Besuchern

Von Peter Neuhaus

  • Schutzmaßnahmen und begrenzte Teilnehmerzahlen
  • Erzbistümer rechnen mit wenig Andrang
  • Probleme in Moscheen im Ramadan

Die Predigt vor einer Webcam statt vor der Gemeinde, Gottesdienste in Autokinos, Ramadan ohne gemeinsames Fastenbrechen –  die Corona-Krise hat auch beim Thema Religion einiges durcheinander gebracht. Seit Freitag (01.05.2020) sind die Regeln für Gläubige in NRW leicht gelockert, unter Auflagen sind religiöse Versammlungen wieder erlaubt. Wie reagieren die Religionsgemeinschaften? Ein Überblick.

In der Basilika von Kevelaer ist die Wallfahrtssaison am Freitag mit einem Eröffnungsgottesdienst gefeiert worden. Normalerweise passen etwa 1.000 Leute in die Kirche am Niederrhein, die Abstandsregel erlaubt nur 150 auf markierten Sitzplätzen. Ein kleiner Pilgerschritt Richtung Normalität.

Gemeinsames Singen als Risikofaktor

Die Evangelische Kirche von Westfalen spricht ebenfalls von kleinen Schritten. Es werden Gottesdienste mit Masken und Abstand, dafür ohne Gesang, denn beim gemeinsamen Singen ist das Infektionsrisiko besonders hoch.

Die Schutzmaßnahmen sind abgestimmt mit dem Robert Koch-Institut. "Diese Maßnahmen müssen wir jetzt einhalten, damit unsere Gottesdienste nicht zu neuen Infektionsherden werden", sagt Präses Annette Kurschus. Eine Möglichkeit wären auch Gottesdienste im Freien.

Kein Besucheransturm erwartet

Die Katholischen Erzbistümer Köln, Essen und Münster erwarten, dass sich der Andrang ohnehin in Grenzen halten wird. Eine Regel: Die Weihwasserbecken müssen wegen der Ansteckungsgefahr leer bleiben. Bis zu 150 Personen können wieder an einer Morgenmesse im Sankt-Paulus-Dom in Münster teilnehmen.

Am Sonntag ist der erste öffentliche Gottesdienst im Aachener Dom geplant – mit maximal 120 Menschen. Im Kölner Dom sind 122 Gottesdienste-Besucher erlaubt. Für den ersten Gottesdienst sind die Plätze aber schon vergeben.

Muslime: Zusammenkünfte erst wieder nach Ramadan

Ein Mann und eine Frau sitzen beim Abendessen und unterhalten sich mit Freunden per Videochat.

Im Ramadan Distanz halten

Noch mehr Zurückhaltung bei den Muslimen. Der 1. Mai fiel diesmal auf einen Freitag, für Muslime der Tag des Gebets. "Ausgerechnet", sagt Omar Kuntich vom Bündnis Marokkanischer Gemeinden in Deutschland, zu der in NRW etwa 45 Gemeinden gehören. Er findet es schwierig, Grenzen zu ziehen, etwa bei der Frage, wie viele Menschen in die Moscheen gelassen werden könnten.

Kuntich rechnet damit, dass viele Moscheen erst nach dem Ramadan, also erst nach dem 23. Mai, wieder Zusammenkünfte organisieren werden, weil dann nicht mehr so viel los ist wie im Fastenmonat. Auch der Zentralrat der Muslime rät zunächst zur Zurückhaltung. Der Ditib-Verband will in seinen Moscheen vorerst keine Freitagsgebete abhalten.

Jüdische Gottesdienste brauchen zehn Teilnehmer

Die Jüdische Gemeinde in Köln hat am Freitag ihre ersten Gottesdienste mit Besuchern gefeiert. Im Landesverband Westfalen-Lippe geht es erst eine Woche später los, zunächst in drei Gemeinden. Einzelne Gemeinden haben aber schlicht zu wenig Platz, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

Das Problem: Reguläre jüdische Gottesdienste dürfen erst stattfinden, wenn mindestens zehn Teilnehmer anwesend sind.

Stand: 02.05.2020, 22:00

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