Glyphosat - Alternativlos oder gefährlich?

Nahaufnahme Traktor sprüht Glyphosat auf einem Feld.

Glyphosat - Alternativlos oder gefährlich?

Krebsgefahr durch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat: Darüber wird gestritten - derzeit auch wieder vor Gericht in den USA. Wie sollen Bauern und Verbraucher umgehen mit Glyphosat?

Erich Gussen will weiter Glyphosat versprühen. Der Landwirt aus Jülich schätzt den Nutzen höher ein als mögliche Risiken. Es sei klar geregelt, wie viel Glyphosat er einsetzen darf - und wie er sich schützen muss: "Da hat man Schutzkleidung an. Und heute gibt es sogar Systeme, dass man gar nicht mehr mit Händen drankommt, den Kanister nicht anpacken muss, sondern das direkt injiziert wird."

Roundup-Flaschen in einem Regalfach.

Roundup wurde der Verkaufsschlager von Monsanto

Das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup wird für Bayer immer stärker zur Belastungsprobe. Nachdem eine Jury in den USA am Dienstag entschieden hatte, dass das umstrittene Herbizid zur Krebserkrankung eines Klägers beitrug, brach die Aktie des Leverkusener Chemiekonzerns am Mittwoch (20.03.2019) massiv ein. Und in Deutschland wird wieder kontrovers über Glyphosat diskutiert.

Verbraucherzentrale: Gefahr eher für Anwender

Der Ökotoxikologe Philip Heldt von der Verbraucherzentrale sieht eine Gefahr am ehesten für den Anwender, vor allem für den Laien, der wie der Kläger in den USA das Glyphosat privat genutzt hat. Für den Konsumenten sei die Gefahr geringer.

Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW

Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW

Zwar könne Glyphosat in vielen Lebensmitteln nachgewiesen werden - aber nur in sehr niedrigen Mengen. Heldt: "Wichtig ist aber zu wissen, dass die Mengen so gering sind, dass sie weit unter den erlaubten Grenzwerten sind, so dass da für die Gesundheit der Bevölkerung nichts direkt zu befürchten ist." Zumindest für den Laien sollte Glyphosat verboten werden, fordert die Verbraucherzentrale. Auch wenn die Alternativen mühsam sind.

Bayer unterliegt erneut in Glyphosat-Prozess in den USA

WDR aktuell - Der Tag 20.03.2019 10:10 Min. WDR 3

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Bauernverband: Keine gleichwertige Alternative

Ein Traktor sprüht Glyphosat auf ein Feld.

Ein Traktor sprüht Glyphosat auf ein Feld

Verena Kämmerling, Referentin für Pflanzenbau beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, hingegen sagt: "Es gibt derzeit auf dem Markt keine gleichwertige Alternative." Glyphosat habe viele positive Eigenschaften: "Es ist effizient, hat einen hohen Wirkungsgrad und ist zudem noch sehr günstig, seitdem der Patentschutz ausgelaufen ist. Unkräuter, die man sonst nur durch radikales Pflügen beseitigen kann, werden durch Glyphosat zuverlässig abgetötet."

"Bei fachgerechtem Einsatz bleiben so gut wie keine Rückstände im Ackerboden zurück, welche die Ernte verunreinigen. Im Moment ist Glyphosat für bestimmte Ackerbausysteme unverzichtbar. Perspektivisch dürfte aber die mechanische Unkrautbeseitigung wieder eine größere Rolle spielen."

Umweltschützer gegen Pestizide

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hingegen fordert von der Politik einen Glyphosat-Ausstiegsplan bis 2021 - unabhängig vom Bayer-Rechtsstreit in den USA.

Stand: 20.03.2019, 18:51

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