Kölner Todesfälle: Gefahr durch Apotheken-Mischungen?

Apotheken-Zeichen

Kölner Todesfälle: Gefahr durch Apotheken-Mischungen?

Nach zwei Todesfällen in Köln haben die Ermittler in einem Glukosebehälter Gift entdeckt. Eine Mordkommission ermittelt. Die Polizei warnt vor der Einnahme des Glukose-Mittels einer Apotheke in Köln-Longerich. Viele Fragen sind noch offen.

Eine junge Frau und ihr Kind, das Ärzte noch per Kaiserschnitt retten wollten, sind nach der Einnahme eines Glukosemittels gestorben, das in der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich hergestellt worden war. Die Frau starb laut Obduktion an multiplem Organversagen. Die Glukoselösung war nach Angaben der Polizei für einen standardmäßigen Test bei Schwangerschaftsdiabetes verkauft worden. Woher kam die toxische Substanz? Und wie sicher sind Abmischungen in Apotheken?

Welche standardmäßigen Tests für Schwangerschaftsdiabetes gibt es?

Nach Angaben auf der Internetseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft läuft der derzeit vorgeschriebene Screeningtest so ab, dass die Schwangere eine Zuckerlösung mit 50 Gramm Glukose trinkt. Eine Stunde später werde der Blutzuckerwert gemessen - liege dieser über 135 mg/dl, bestehe der Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes.

Wie kam der giftige Stoff in Umlauf?

Wie der Giftstoff in das Glukosepräparat gekommen ist, sei noch unklar, heißt es am Dienstag (24.09.2019) von der Polizei. Auch sei noch nicht sicher, ob die toxische Substanz in der Apotheke oder noch beim Hersteller in die Glukose gelangt ist.

Sind selbstgemischte Rezepturen in Apotheken unsicher?

Der Apothekerverband sieht keinen Grund, selbsthergestellte Arzneien aus Apotheken generell in Misskredit zu ziehen. Der Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Mathias Arnold sagte der dpa, der aktuelle Vorfall sei "fatal". Und weiter: "Es tut uns unheimlich leid für die betroffenen Menschen, aber wir müssen die Fakten genau aufklären." Jeden Tag stellten Apotheken große Zahlen von Rezepturen her. "Kriminelle Energie und menschliches Versagen kommt in allen Hochrisikoprozessen vor."

Bei der Herstellung von Individualrezepturen haben Apotheken nach Angaben Arnolds eine umfangreiche Dokumentationspflicht. Jede Apotheke müsse die Identität der Wirkstoffe prüfen. Für jede Rezeptur müsse eine Plausibilitätskontrolle gemacht und ein Protokoll erstellt werden. Die Anforderungen für die Herstellung von Rezepturen seien "sehr deutlich nach oben gegangen".

Stand: 24.09.2019, 13:47

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