Der lahme Esel Breitbandausbau

Leerrohre für das spätere Verlegen von Glasfaserkabeln für den Breitband-Internetausbau

Der lahme Esel Breitbandausbau

Von Nina Magoley

  • Lahmer Breitbandausbau in NRW ist ein Dauerthema seit Jahren
  • Ganze Landstriche sind praktisch ohne Internet
  • Dabei stellt Land Geld zur Verfügung

Wenn am Mittwochmorgen (29.07.2020) in Borchen-Etteln die Sektkorken knallen, können die Bewohner stolz auf sich sein: Ab heute klappt es mit dem schnellen Internet in dem kleinen Dorf bei Paderborn.

Wie so viele andere Landstriche in NRW war die Gegend bisher einer der weißen Flecken auf der Karte des Breitbandausbaus. Sprich: Die Internetverbindung in die Welt war schlecht, vom modernem Surfen keine Spur. Doch dann nahmen die Borchen-Ettelner die Schaufeln selber in die Hand, schmissen den Bagger an - und verlegten die nötigen 30 Kilometer Glasfaser selber.

Düstere Karte zum Breitbandausbau in NRW

Auch andere Kommunen griffen bereits zur Selbsthilfe. Denn lahmes bis gar kein Internet ist für ganze Regionen in NRW immer noch der tägliche Wahnsinn. Der "GigabitAtlas.NRW" zeigt das in drastischer Weise: Bis auf wenige Flecken, darunter die Bereiche um Köln, Düsseldorf und Bochum, ist fast ganz NRW grau gefärbt. Grau bedeutet, dass maximal 20 Prozent der Haushalte mit Breitband über 1.000 Mbit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt sind. In großen Teilen Süd- und Ostwestfalens beispielsweise, aber auch in Euskirchen, Duisburg, Krefeld oder Münster sind es gleich null. Gerade mal 18 Prozent der Fläche NRWs verfügt über mehr als 1.000 Mbit/s.

Schlechtes Internet: Großes Problem für Unternehmen

Die Höhe der Mbit/s ist entscheidend für die Geschwindigkeit, mit der Daten hoch- und heruntergeladen werden können. Eine Datei von 250 MB Größe beispielsweise braucht bei 1 Mbit/s 34 Minuten für den Download, bei 100 Mbit/s sind es dagegen nur 20 Sekunden. Um größere Dateien zu mailen, Videos oder Bilder in sozialen Netzwerken zu posten oder Filme online zu streamen, braucht man eine Bandbreite von mindestens 50 Mbit/s.

Hängen mehrere intensive Nutzer an einem Netz - wie in einem Mehrfamilienhaushalt oder in einer größeren Firma - sind mindestens 100 Mbit/s nötig. Der Städte- und Gemeindebund NRW hat schon mehrfach davor gewarnt, dass die schlechte Internetanbindung für Wirtschaftsunternehmen in NRW zu einem schwächenden Faktor werde.

Dabei stellt die Bundesregierung im Rahmen des Weiße-Flecken-Programms viele Milliarden Euro zur Verfügung, die von Kommunen beantragt werden können. Das Land NRW stockt diese Mittel noch mal auf - 1,5 Milliarden Euro bis 2023. Doch viele Kommunen zögern offenbar, hier zuzugreifen.

Stand: 29.07.2020, 13:50

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