NRW-Pilotprojekt: Mädchen in die Werkstatt, Jungs in die Pflege

NRW-Pilotprojekt: Mädchen in die Werkstatt, Jungs in die Pflege

  • Pilotprojekt gegen geschlechtsspezifische Berufe
  • Schulen und Unternehmen entwickeln gemeinsame Angebote
  • Bisheriger "Girls Day" war weitestgehend erfolglos

Noch immer gibt es Berufe, die typisch männlich oder weiblich sind - etwa KFZ-Mechatroniker, Müllmann oder Krankenschwester. Das will die Landesregierung jetzt mit sogenannten "Girls & Boys Academies" ändern.

Warum gibt es das Pilotprojekt?

Die Zahlen sind eindeutig: 13.104 junge Männer machen in NRW eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker, aber nur 481 junge Frauen. Umgekehrt werden 16.209 Frauen zu Gesundheits- und Krankenpflegerinnen ausgebildet, aber nur 4.000 Männer.

Christopher Gruhn von der Personalabteilung eines Gelsenkirchener Autozulieferers glaubt, dass viele Jungen und Mädchen bei der Berufswahl immer noch aufgrund typischer Geschlechterrollen entscheiden. Das führe dazu, dass sie oft nicht in einem Job arbeiten, der ihren wirklichen Talenten entspricht.

"Bei uns bewerben sich vorwiegend Männer, aber wir wollen alle ansprechen, egal ob Männer oder Frauen, die werden wir brauchen, wir haben einen Fachkräftemangel", sagt Gruhn.

Wie funktionieren die Girls & Boys Academies?  

Die Girls and Boys Academies starten in fünf Modellstädten: Düsseldorf, Gelsenkirchen, Blomberg, Hamm und Gummersbach. Dabei entwickeln Unternehmen gemeinsam mit Partnerschulen ein außerschulisches Angebot, bei dem die Schüler dann ein Jahr lang einen für ihr Geschlecht untypischen Beruf kennen lernen.

Jungen lernen zum Beispiel ein Jahr lang die Arbeit in einer Kita kennen, Mädchen den Job eines Mechatronikers. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat, mit dem sie sich auch auf einen Job bewerben können.

Was erhoffen sich die teilnehmenden Städte von der Idee?

Die Idee ist nicht neu, schon seit Jahren gibt es den "Girls Day", bei dem junge Frauen technische und naturwissenschaftliche Berufe kennen lernen können. "Das hat nicht den Erfolg gebracht", sagt Thomas Geisel, Oberbürgermeister von Düsseldorf, einer der fünf Städte, die an dem Pilotprojekt teilnehmen.

Mit den "Girls and Boys Academies" soll das besser laufen, weil die Jugendlichen über den Zeitraum von einem Jahr einen Job kennen lernen können. Nach und nach sollen übrigens weitere Städte hinzu kommen, Ziel sei es, "Girls and Boys Acadmies" überall anzubieten.

Stand: 02.08.2019, 17:37

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