Kritik am langsamen Gigabit-Ausbau

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Kritik am langsamen Gigabit-Ausbau

  • Nur jede dritte Stadt im Bund verfügt über Gigabit-Geschwindigkeit
  • Flächendeckend bis 2025 versprochen
  • In NRW ist Gigabit nur in wenigen Regionen verfügbar

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund kritisiert das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI): Nur jede dritte Stadt oder Kommune in Deutschland verfüge über gigabit-fähige Breitbandanschlüsse für das Internet. Die Bundesregierung hatte eine flächendeckende Versorgung bis 2025 versprochen.

Warnung vor Schwächung der Wirtschaft

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, warnt im Gespräch mit der "Funke-Mediengruppe" vor einer Schwächung der Wirtschaft in Deutschland. Langwierige Genehmigungs- und Bauverfahren würden den Termin gefährden. Mehr als zwei Jahre würden manche Projekte vom Förderantrag bis zur Fertigstellung benötigen.

Bereits im Juli hatte das BMVI den sogenannten Breitbandatlas für das Jahr 2018 aktualisiert. In dem Atlas gibt es einen Überblick über die Haushalte, die theoretisch über einen Gigabit-Anschluss verfügen. In NRW waren das bis Ende 2018 nur 14,2 Prozent. Wie viele dieser Haushalte aber tatsächlich einen Gigabit-Anschluss bei ihrem Anbieter aktiviert haben, ist daraus nicht ersichtlich.

Internet-Geschwindigkeiten in NRW
Internetgeschwindigkeit≥ 1 Mbit/s≥ 2 Mbit/s≥ 6 Mbit/s≥ 16 Mbit/s≥ 30 Mbit/s≥ 50 Mbit/s≥ 200 Mbit/s≥ 400 Mbit/s≥ 1000 Mbit/s
Verfügbarkeit in Haushalten100%100%99,90%95,80%93,10%91,30%75,30%71,30%14,20%

Gigabit-Verfügbarkeit in NRW

Auf Breitbandaltas-Karte sind nur wenige Flecken zu sehen, in denen zumindest bei der Hälfte der Haushalte theoretisch ein Gigabit oder mehr pro Sekunde aus der Leitung kommen kann. Darunter sind vor allem Großstädte wie Köln, Düsseldorf und Bochum. In ländlichen Regionen sind kaum Haushalte an Gigabit-Netze angeschlossen.

Eine Karte zeigt die Gigabit-Verfügbarkeit in NRW. Besonders hervorgehoben sind Köln, Düsseldorf und Bochum.

Die Karte zeigt die Gigabit-Verfügbarkeit in NRW. Nur in Köln, Düsseldorf und Bochum könnten mehr als 50 Prozent der Haushalte das superschnelle Internet aktivieren.

Zahlen aus dem vergangenen Jahr zeigen: Die Fördergelder des Bundes für den Breitbandausbau werden kaum abgerufen. 486 Millionen standen für NRW zur Verfügung - nur 1,7 Millionen wurden beantragt. Nach Angaben des Digitalisierungsministeriums sind aber inzwischen bei den meisten Schulen und Gewerbegebieten die nötigen Planungs-, Bewilligungs- und Bauprozesse für den Anschluss an das Gigabitnetz auf dem Weg.

Pinkwart: Alle Schulen und Gewerbegebiete bis 2022 an Gigabitnetzen

"Wir sind auf dem Weg, um bis 2022 alle Schulen und Gewerbegebiete an Gigabitnetze anzuschließen", sagte Digitalisierungsminister Andreas Pinkwart (FDP) im Juni. "Unsere Maßnahmen zur Aktivierung und Unterstützung der Kommunen greifen." Einen Schub nach vorne hätten die neu eingerichteten Gigabit-Geschäftsstellen bei den Bezirksregierungen gebracht, die die Schulen unterstützten, sowie ein entsprechendes Kompetenzzentrum für die Gewerbegebiete.

Digitalisierung und schnelles Internet

WDR 5 Westblick - aktuell 10.04.2019 03:25 Min. Verfügbar bis 09.04.2020 WDR 5 Von WDR 5 Westblick

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Stand: 18.08.2019, 12:12

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