Attacken auf Lehrer sind keine Ausnahme

Ein Schüler zeigt einer Lehrerin den Mittelfinger

Attacken auf Lehrer sind keine Ausnahme

  • Fassungslosigkeit über mutmaßliche Mordpläne
  • VBE-Studie über Gewalt an NRW-Schulen
  • Lehrer fordern mehr Unterstützung

Aus Wut über schlechte Noten sollen Schüler in Dortmund einen Lehrer in einen Hinterhalt gelockt haben, um ihn zu ermorden. Der letztlich gescheiterte Anschlag, den die Staatsanwaltschaft Dortmund am Dienstag (14.05.2019) öffentlich gemacht hatte, sorgt für fassungslose Reaktionen. Doch auch wenn es sich um einen beispiellosen Einzelfall handelt - Gewalt gegen Lehrer stellt offenbar an vielen NRW-Schulen ein Problem dar.

Das zumindest legen die Ergebnisse einer Umfrage nahe, die der Lehrerverband VBE im Mai 2018 vorgestellt hatte. Darin hatten 35 Prozent der befragten Schulleiter in NRW berichtet, dass es an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren körperliche Gewalt gegen Lehrer gegeben habe. In keinem anderen Bundesland waren die Zahlen so hoch.

Von verbaler Gewalt - Drohungen, Mobbing, Beleidigungen - berichteten 55 Prozent aller Schulleiter. Die meisten Vorfälle gab es demnach an Haupt-, Real- und Gesamtschulen.

Realschullehrer über aggressive Schüler: „Die Distanz fehlt“

WDR 2 06.11.2018 03:59 Min. WDR 2

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Chaos im Klassenzimmer, hilflose Lehrerin - Symbolbild

Schüler außer Kontrolle?

Auch wenn solche Prozentzahlen zunächst alarmieren - sie sagen nichts über die Schwere der Angriffe oder die tatsächlichen Fallzahlen aus. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren nach Auskunft des NRW-Schulministeriums jeweils rund 200 Fälle von Körperverletzung gegen Lehrkräfte zur Anzeige gebracht. Erfasst wurden auch Fälle, bei denen Eltern handgreiflich geworden waren.

Für den VBE zeigt die Untersuchung allerdings klar, dass Gewaltakte gegen Lehrer keine Einzelfälle sind. Viele Vorfälle würden unter den Teppich gekehrt, weil die Schulleitungen um den guten Ruf ihrer Anstalt besorgt seien. Auch Betroffene schwiegen, weil sie fürchten müssten, am Ende selbst als Versager dazustehen, die ihre Klasse nicht im Griff haben.

Lehrerverband verlangt Statistiken

Daher verlangt der VBE, dass künftig auch in NRW öffentliche Statistiken zur Gewalt gegen Lehrkräfte geführt werden. In anderen Bundesländern passiert das bereits. Außerdem müsse das Land noch mehr Geld in die Prävention investieren. "Das beste Mittel der Gewalt entgegenzutreten, ist Konflikten zu begegnen, bevor sie entstehen", forderte Stefan Behlau, VBE-Landesvorsitzender, am Mittwoch gegenüber dem WDR.

Zwar habe Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) reagiert und zum Beispiel die Schaffung von 54 neuen Stellen für die Gewaltprävention angekündigt, sagt Behlau. Aber bei rund 5.700 Schulen in NRW sei die Wirkung überschaubar.

Ministerium investiert in Prävention

Nach Ministeriumsangaben werden zum neuen Schuljahr insgesamt 764 landeseigene Stellen für Schulsozialarbeit bereitstehen. Unterstützung gebe es auch bei der Düsseldorfer Landespräventionsstelle gegen Gewalt und Cybergewalt an Schulen.

Am Freitag (17.05.2019) will die Ministerin außerdem einen lange vorbereiteten Aktionsplan zum Thema Gewaltprävention in Schulen vorstellen.

Stand: 15.05.2019, 12:11

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