Mann ballt Faust, im Hintergrund hockt eine Frau auf dem Boden

Häusliche Gewalt in Nordrhein-Westfalen nimmt zu

Stand: 17.03.2022, 12:21 Uhr

2021 sind in NRW mehr Fälle häuslicher Gewalt erfasst worden als im Jahr zuvor. Das meldet das Landeskriminalamt. Ein Anstieg, der mit Corona zu tun hat, aber nicht nur.

Von Britta Kuck

Im vergangenen Jahr haben die Fälle von häuslicher Gewalt, die der Polizei bekannt geworden sind, um 5,5 Prozent zugenommen im Vergleich zu 2020. Insgesamt seien 30.759 Fälle erfasst worden, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Lagebild des Landeskriminalamts (LKA). Knapp 70 Prozent der Betroffenen seien Frauen.

Dunkelziffer deutlich höher

Die Fallzahlen sind allerdings nur bedingt aussagekräftig, denn sie erfassen nur die Fälle, die auch wirklich der Polizei gemeldet wurden. Die Dunkelziffer sei viel höher, sagt Beatrice Tappmeier, die Leiterin des Frauenhauses in Bielefeld. Das bestätigt auch Marion Steffens von der Beratungsstelle und dem Frauenhaus "Gesine Intervention" im Ennepe-Ruhr-Kreis.

"Häusliche Gewalt entsteht meistens über Jahre", so Steffens. Es sei ein schleichender Prozess, sind sich die Leiterinnen beider Einrichtungen einig. Allerdings gebe es durchaus auch Fälle von Männern, die erst während der Lockdown-Zeiten in der Pandemie gewalttätig wurden, berichtet Steffens. Sie berät nicht nur Opfer von Gewalt, sondern spricht auch mit gewalttätigen Männern. Im vergangenen Jahr haben etwa 40 Männer das Beratungsangebot von "Gesine Intervention" wahrgenommen.

Frauenhäuser und Beratungsangebote für Opfer von Gewalt

Für viele betroffene Frauen sind Beratungsstellen und Frauenhäuser die erste Anlaufstelle. Das Frauenhaus Bielefeld hat elf Plätze für Betroffene und deren Kinder; außerdem bietet in Bielefeld das Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt (AWO) weitere 20 Plätze. So sei die Stadt mit 31 Unterbringungsmöglichkeiten für Frauen, die häuslicher Gewalt entkommen wollen, gut aufgestellt, sagt Beatrice Tappmeier. Die Plätze seien auch alle belegt.

Eine der Bewohnerinnen ist Amira* (Name von der Redaktion geändert). Sie war mit ihrem Ehemann und den drei Kindern von Syrien nach Deutschland geflüchtet. Ihr Partner sei schon in der Heimat gewalttätig gewesen, in neuer Umgebung in Deutschland wurde es offenbar schlimmer. Deshalb flüchtete Amira mit ihren Kindern noch einmal - diesmal vor ihrem Mann - ins Frauenhaus Bielefeld. Das war vor etwa neun Monaten. Mittlerweile hat sie mit der Hilfe von Beatrice Tappmeier eine eigene Wohnung gefunden und will sich ein neues Leben aufbauen.

Land NRW unterstützt Beratung und Unterbringung von Frauen

Im landesweiten Schnitt verbringen Frauen in der Regel drei bis sechs Monate in einem Frauenhaus. Die Einrichtungen werden vom Land NRW finanziell gefördert. Im vergangenen Jahr hat das Land etwa 30 Millionen Euro für Schutz- und Beratungsangebote für Frauen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen