53 Frauen Opfer von versuchtem Mord oder Totschlag

53 Frauen Opfer von versuchtem Mord oder Totschlag

Von Karin Bensch und Giselle Ucar

  • Frauen zwischen 30 und 40 Jahren häufig betroffen
  • Täter sind meist die Ehemänner
  • Nur wenige Plätze in Frauenhäusern frei

53 Frauen wurde im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen Opfer eines versuchten Mordes oder Totschlags innerhalb einer Partnerschaft. In den meisten Fällen waren die Täter die Ehemänner. Vergleichsweise wenige waren Ex-Partner.

16 Frauen starben im vergangenen Jahr in NRW an den Folgen von häuslicher Gewalt. Das steht im aktuellen Jahresbericht "Partnerschaftsgewalt" des Landeskriminalamtes. Die Dunkelziffer dürfte aber sehr viel höher liegen. Denn hier werden nur Fälle registriert, die an die Öffentlichkeit kamen, zum Beispiel durch eine Anzeige.

Frauen zwischen 30 und 40 Jahren am meisten betroffen

Besonders häufig betroffen sind demnach Frauen zwischen 30 und 40 Jahren. Sie wurden im vergangenen Jahr in NRW am meisten Opfer von Körperverletzung, Bedrohung, Stalking, Nötigung und Freiheitsberaubung. Direkt gefolgt von Frauen zwischen 40 und 50 Jahren und zwischen 25 und 30 Jahren. Deutlich jüngere und deutlich ältere Frauen werden danach seltener Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich laut dem Bericht des Landeskriminalamtes vor allem um Ehemänner zwischen 30 und 60 Jahren.

Frauenhäuser sind oft voll belegt

In Nordrhein-Westfalen gibt es 64 Frauenhäuser, die von der Landesregierung gefördert werden. Die meisten befinden sich im Ruhrgebiet und im Rheinland. Die allermeisten Frauenhäuser sind aktuell voll belegt und können niemanden mehr aufnehmen. Einige wenige freie Plätze für Frauen mit und ohne Kinder gibt es derzeit vor allem im Münsterland, in Ostwestfalen und im Raum Aachen. Am 25.11. wird jedes Jahr der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen.

Neue Finanzierung von Frauenhäusern gefordert

Auch, wenn das zuständige Ministerium bereits in Ansätzen weitere Förderungen für Platz- und Personalausbau bewilligt hat, fordert die Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW (LAG) vor allem eine andere Art der Finanzierung. Denn: Das Land kommt hauptsächlich für Personal- und Sachkosten bei den Frauenhäusern auf. Für Miete und Lebensunterhalt der Hilfe suchenden Frauen ist das Jobcenter zuständig. Das führt dazu, dass viele Frauen, die keine Sozialleistungen beziehen können (z.B. Frauen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus), von Frauenhäusern ausgeschlossen werden.

Die LAG und die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser fordern daher, eine "einzelfall-unabhängige, pauschale und bedarfsgerechte Frauenhausfinanzierung, die den Interessen der von Gewalt betroffenen Frauen und ihrer Kinder entspricht".


Opferschutz und Prävention Frau tv 21.11.2019 08:22 Min. UT Verfügbar bis 21.11.2020 WDR Von Tina Srowig, Klaus Kuderer

Stand: 25.11.2019, 20:50

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