Auch Angriffe auf Grundschullehrer in NRW nehmen zu

Učenici gadjaju nastavnicu loticama od papira

Auch Angriffe auf Grundschullehrer in NRW nehmen zu

Von Daniel Chur

  • Landeskriminalamt: Gewalttaten nehmen zu
  • Übergriffe oft sogar an Grundschulen
  • Schulen erarbeiten Konzepte
  • GEW fordert mehr Personal

"Ich höre noch die anderen Schüler rufen: Vorsicht! Und dann kam auch schon der Schlag in die Rippen." Eine Grundschullehrerin im Ruhrgebiet berichtet dem WDR am Freitag (13.09.2019), wie sie Gewalt im Klassenraum erlebt hat. Bereits zweimal sei ihr das passiert.

Die Lehrerin möchte anonym bleiben. Sie erzählt, dass sie eigentlich nur zwei aggressive Kinder auseinander bringen wollte. Dann richtete sich die Aggression eines der Achtjährigen gegen sie.

Neun Prozent mehr Gewalttaten

Von vielen solchen Situationen weiß die Lehrergewerkschaft GEW. Deren Vorsitzende Maike Finnern warnt zwar ausdrücklich vor Panikmache, aber sie fordert: "Das Problem muss ernst genommen werden. An den Schulen, bei den Schulaufsichtsbehörden und von der Landespolitik."

Laut dem Landeskriminalamt haben Gewalttaten an Lehrern zugenommen. 2018 stieg die Zahl der registrierten Fälle um fast 10 Prozent, auf 435. In der Statistik wird nicht gesagt, von wem die Gewalt jeweils ausging. Viele Taten gingen aber auf das Konto von Schülern.

Viele Probleme in Schulklassen

Was sind die Gründe? Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Pädagogen sagen aber, dass das Klima in Schulklassen schwieriger geworden ist - durch die Bewältigung von Inklusion, mehr traumatisierten geflüchteten Kindern, aber auch durch Kinder, die zuhause wenig Aufmerksamkeit bekommen.

"Ich sehe, was so manches Kind schon durchgemacht hat, oder was alles von außen auf das Kind einwirkt", so die Grundschullehrerin aus dem Ruhrgebiet. "Sie tun mir eigentlich leid."

Konsequenzen bis hin zu Anzeigen

Dennoch sei es nötig, dass nach solchen Gewalttaten bestimmte Maßnahmen greifen: Kind und Lehrkraft müssen sofort aus dem Unterricht geholt und die Eltern gerufen werden. Die Lehrkraft sollte zudem mit Schulpsychologen oder Kollegen über die Situation reden.

Und natürlich folgen auch rechtliche Schritte: Schulkonferenz, das Jugendamt wird verständigt, je nach Schwere des Falls kann die Lehrkraft auch Anzeige erstatten. Die hat für das Kind zwar keine rechtlichen Konsequenzen, jedoch wird so der Fall "aktenkundig".

Vernachlässigte Grundschulen Westpol 01.09.2019 UT DGS Verfügbar bis 01.09.2020 WDR

GEW fordert mehr Sensibilität

In vielen Fällen kommen die Lehrer kaum an die Eltern heran - oder müssen sich sogar noch gegen Vorwürfe der Eltern wehren, sie hätten sich in der Situation falsch verhalten.

Die GEW ist sich sicher: Schulen müssen besser auf solche Situationen vorbereitet werden. Durch Schulungen für Lehrer, durch konkrete Ablaufpläne, durch mehr Schulpsychologen und Sozialarbeiter - und auch durch eine stärkere Sensibilisierung der Schulaufsichtsbehörden für das Thema. Die fehle dort nämlich auch oft.

Stand: 13.09.2019, 10:34

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