Gesundheits-Apps - was man beachten sollte

Gesundheits-App mit Messwerten

Gesundheits-Apps - was man beachten sollte

  • Digitalisierung im Gesundheitswesen
  • Gesundheits-Apps werden immer beliebter
  • Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein zum richtigen Umgang damit

Mehr als 150 Experten haben sich am Mittwoch (06.11.2019) auf einer Fachtagung im Düsseldorfer Innenministerium zu den Folgen der Digitalisierung des Arbeitslebens auf die Gesundheit der Menschen ausgetauscht. Viele Arbeitnehmer steuern ihr persönliches Gesundheitsmanagement längst mit Hilfe von Gesundheits-Apps.

Antworten auf Fragen zum Umgang mit diesen Apps gab Bernhard Acke von der Stabstelle eHealth der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) dem WDR.

WDR: Welche Chancen bieten Gesundheits-Apps grundsätzlich?

KVNO: Gesundheits-Apps bieten viele Chancen, um die medizinische Versorgung zu erhalten oder sogar zu verbessern, nicht zuletzt in Bezug auf die demografischen Herausforderungen. Auch ältere, nicht mehr so mobile Patienten nutzen heute Smartphones und Tablets – diese können sie auch zur Information über Gesundheitsthemen oder zur Kontaktaufnahme mit Arzt und Praxis nutzen.

Gesundheit per App? Planet Wissen 22.10.2019 02:11 Min. Verfügbar bis 22.10.2024 ARD-alpha

WDR: Inwieweit lässt sich das Gesundheitsverhalten der Menschen durch Gesundheits-Apps verbessern?

KVNO: Ein gutes Beispiel ist das "Telemedizinische Lebensstil-Interventions-Programm (TeLIPro)“ für Typ-2-Diabetiker, ein Projekt der AOK Rheinland-Hamburg und der KV Nordrhein. Das ist ein digital unterstütztes, telefonisches Gesundheits-Coaching. Die speziell in den Bereichen Diabetes und Motivation ausgebildeten Gesundheits-Coaches legen mit den Patienten individuelle Ziele fest und begleiten sie über die Programmlaufzeit von zwölf Monaten. In den Gesprächen unterstützen die Coaches die Diabetes-Patienten dabei, ihr Ess- und Bewegungsverhalten dauerhaft zu verändern.

Diagnose: Erst Arzt oder App? Hier und heute 11.09.2019 11:55 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 WDR

WDR: Wie geht man am besten mit solchen Apps um?

KVNO: In den App-Stores gibt es viele Angebote, bei denen unklar ist, welcher Anbieter dahinter steht und wo der die Daten speichert. Apps sollten idealerweise in Absprache mit den behandelnden Ärzten ausgewählt und verwendet werden. Auch die Verbraucherzentralen oder das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen helfen.

WDR: Woran erkennt man eine gute App?

KVNO: Es fehlt bisher an einem einheitlichen Gütesiegel. Der Gesetzgeber hat das erkannt und schafft Abhilfe. Das Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG) beinhaltet die Einrichtung eines amtlichen Verzeichnisses für die zukünftig von den Krankenkassen bezahlten Apps.

WDR: Welche Gefahren gibt es bei der Benutzung?

KVNO: In vielen Fällen ist unklar, ob die hohen Anforderungen an den Datenschutz, die in Europa bestehen, auch eingehalten werden. Auch der medizinische Nutzen ist zumeist nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

WDR: Welche Bedeutung haben Gesundheits-Apps für die Arbeitswelt?

KVNO: Viele Unternehmen haben Gesundheitsprogramme für ihre Mitarbeiter, die durch Apps gefördert werden können, zum Beispiel Fitnesskurse und Motivationsprogramme. Gerade Büroarbeiter vergessen oft, zwischendurch mal aufzustehen und die Treppe statt des Aufzugs zu benutzen. Dort ist noch viel Luft nach oben.

Die Fragen stellte Frank Menke.

Stand: 06.11.2019, 19:03

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