Gesichtsscans für Werbung: Real beendet Tests

Gesichtsscans für Werbung: Real beendet Tests

  • Supermarktkette Real stoppt Tests mit Werbedisplays im Kassenbereich.
  • Grund sei die öffentliche Diskussion darüber.
  • Bielefelder Datenschützer hatten Strafanzeige gestellt.

In Real-Märkten sollen "mit sofortiger Wirkung" keine Kundengesichter mehr zur Werbeoptimierung gescannt werden. Das teilte die Einzelhandelskette am Dienstagabend (27.06.2017) in Mönchengladbach mit.

Seit Herbst 2016 waren im Kassenbereich von 41 Testmärkten mit Kameras die Blickkontakte der Kunden zu Werbebildschirmen erfasst worden. Ziel war es, den Kunden sofort auf sie zugeschnittene Spots zu präsentieren.

Kundennutzen nicht nachvollziehbar

Offenbar sieht der Konzern nun sein Image gefährdet: "Hintergrund dieser Entscheidung ist die in den vergangenen Tagen öffentlich geführte Diskussion", teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit. Dabei sei fälschlicherweise der Eindruck erweckt worden, es würden ohne Wissen der Kunden Daten erhoben.

Tatsächlich seien aber keine Persönlichkeitsmerkmale von Kunden gespeichert oder verarbeitet worden. Auch der gesetzliche Datenschutz sei nicht verletzt worden. Das habe ein Prüfbericht des Bayerischen Landesamtes für Datenaufsicht vom 9. Juni 2017 bestätigt.

Die Kundennutzung der Technik müsse - so Real - aber "jederzeit für Kunden nachvollziehbar" sein: "Das war im vorliegenden Fall nicht gewährleistet."

Tests in Postfilialen laufen weiter

Der Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage hatte nach eigenen Angaben am 16. Juni 2017 eine Strafanzeige gegen Real gestellt, da elementare Datenschutzrechte verletzt worden seien.

Bei der Deutschen Post - die ebenfalls in einigen Partnerfilialen dieTechnik ausprobiert und gegen die Digitalcourage ebenfalls Strafanzeige gestellt hat - laufen nach Aussage der Bielefelder Datenschützer die Tests weiter.

Stand: 28.06.2017, 08:29