Hält das neue Tabak-Werbeverbot wirklich vom Rauchen ab?

Ein Werbeplakat für Zigaretten von Winston

Hält das neue Tabak-Werbeverbot wirklich vom Rauchen ab?

Von Jörn Seidel

  • Bundestag verschärft Werbeverbot für Tabakwaren
  • Tabakkonsum seit den Neunzigern stark zurückgegangen
  • Deutlich mehr Konsum bei elektrischen Tabakerhitzern
  • Was Werbeverbote nützen: Fragen und Antworten

So genussvoll Rauchen für viele auch ist - jedes Jahr sterben an den Folgen des Tabakkonsums nach Ansicht der Bundesregierung weit mehr als Hunderttausend Menschen. Vor diesem Hintergrund hat der Bundestag am Donnerstag (02.07.2020) ein neues Tabak-Werbeverbot beschlossen. Was nützt es? Drei Fragen und Antworten:

Geht der Tabakkonsum in Deutschland zurück?

Ja, seit Anfang der Neunzigerjahre ist der Tabakkonsum in Deutschland laut Robert-Koch-Institut um etwa ein Drittel gesunken. Den größten Anteil daran hat der Zigaretten-Verbrauch - er ging um etwa die Hälfte zurück.

Für die übrigen Tabakwaren gilt das nicht: Hier stieg der Verbrauch sogar deutlich an - beim Feinschnitt laut Statistischem Bundesamt um mehr als die Hälfte. Der Absatz von Zigarren und Zigarillos verdoppelte sich - und jener für Pfeifen, Wasserpfeifen und elektrische Tabakerhitzer verdreifachte sich.

Vor allem Jugendliche konsumieren weniger Tabakwaren: Laut einer am Mittwoch (01.07.2020) veröffentlichten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rauchen von ihnen gegenwärtig 7,2 Prozent. Mehr als vier Fünftel haben noch nie an einer Zigarette gezogen.

E-Zigaretten bleiben bei den Messungen des Tabakkonsums übrigens außen vor. Denn sie werden ohne Tabak mit E-Liquids betrieben - allerdings oft ebenfalls mit Nikotin. Der Umsatz in diesem Bereich hat sich laut Verband des E-Zigarettenhandels seit 2011 versechsfacht.

Welche Tabak-Werbeverbote gibt es - und welche kommen?

Der Gesetzgeber erließ schon einige Tabak-Verbote, zum Beispiel diese:

  • 1999: Sponsoring-Verbot für Rundfunk- und Fernsehsendungen
  • 2003: Größere Warnhinweise auf Zigarettenpackungen, z.B. "Rauchen ist tödlich"
  • 2004: Verbot von Zigaretten-Gratisproben
  • 2006: Verbot von Werbung in Printmedien, im Internet sowie im Kino vor 18 Uhr
Zigaretten und Werbeverbote 1991-2019 Statistik

Zigaretten und Werbeverbote 1991-2019

Nun hat der Bundestag diese Tabak-Werbeverbote beschlossen:

  • ab 2021: Verbot von Kino-Werbung bei jugendfreien Filmen
  • ab 2022: Außenwerbeverbot für herkömmliche Tabakprodukte, z.B. auf Plakatwänden und an Haltestellen
  • ab 2023: Außenwerbeverbot für Tabakerhitzer
  • ab 2024: Außenwerbeverbot für E-Zigaretten

Was nützt das Verbot von Tabak-Werbung?

Wer schon seit vielen Jahren raucht, der wird wohl auch ohne Werbung zur Zigarette greifen. Allerdings reagieren vor allem Jugendliche und junge Erwachsene auf Tabakaußenwerbung. Drei Viertel von ihnen nehmen diese wahr, so das Deutsche Krebszentrum mit Verweis auf Studien.

Demnach zeigt auch ein Ländervergleich: Dort, wo umfassende Verbote erlassen wurden, geht der Tabakkonsum stärker zurück als dort, wo es keine Werbeverbote gibt.

Allerdings dürften sich auch weitere Maßnahmen auf den Tabakkonsum auswirken: Aufklärungsprojekte, die Erhöhung der Tabaksteuer oder das Rauchverbot an zahlreichen öffentlichen Orten.

Die Tabakindustrie hält ein scharfes Werbeverbot für kontraproduktiv: Es verhindere, dass Raucher auf mutmaßlich risikoärmere Produkte wie E-Zigaretten hingewiesen werden können, so das Argument.

Übrigens: Auch über Verbote für Alkohol, Zucker und Fette haben die Gesundheitsminister der EU schon nachgedacht.

Stand: 03.07.2020, 16:21

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