Gepäck-Tracking: Wo sind meine Koffer?

Stand: 18.07.2022, 18:53 Uhr

An den Flughäfen läuft es derzeit alles andere als rund – häufiger als sonst gehen Gepäckstücke verloren. Wer seine Koffer und Taschen mit einem kleinen Tracker ausrüstet, weiß immer ganz genau, wo sie sind. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, wie das funktioniert.

Chaos an den Flughäfen: Beim Einchecken kann man nicht sicher sein, ob die Koffer am Zielflughafen auch ankommen. Häufiger als sonst werden derzeit Gepäckstücke gar nicht oder falsch verladen. Sie kommen zu spät oder am völlig falschen Flughafen an. Auskunft kann dann nur die – überlastete – Hotline der Airline geben, wenn überhaupt. Für jeden Reisenden eine unangenehme Horrorvorstellung, ganz besonders auf dem Hinflug.

Kleiner kreisrunder Standortmelder

Viele Menschen greifen deshalb zu einem Trick: Sie rüsten ihre Koffer und Taschen mit einem kleinen Tracker aus, der jederzeit Auskunft über den aktuellen Aufenthaltsort gibt. Am beliebtesten sind die "AirTags" genannten Mini-Gadgets von Apple: Nicht viel größer als ein 2-Euro-Stück, etwas dicker, lassen sie sich komfortabel am Gepäck befestigen – oder auch einfach im Gepäck versenken.

Mit Hilfe einer speziellen App im Smartphone ("Wo Ist"-Funktion) lassen sich die einzelnen Tracker dann aufspüren: Wo befinden sie sich gerade oder wann und wo konnten sie zum letzten Mal geortet werden?

Um die Tracker an Taschen zu befestigen, gibt es spezielle Riemen

Laut einer repräsentativen Umfrage des Branchenverband Bitkom haben zwei Drittel der Urlaubsreisenden in Deutschland prinzipiell Interesse an solchen digitalen Gepäck-Trackern – oder nutzen sie bereits. Ein Tracker kostet 35 EUR. Wer mehr davon kauft, kommt auf einen geringeren Preis. Die Handhabung ist einfach: AirTag im eigenen Apple-Konto registrieren – fertig. Die Batterie im Tracker hält gut und gerne zwei Jahre.

Immer wissen, wo die Koffer sind

Es ist kein eigener GPS-Empfänger verbaut: Die Tracker nutzen einen Trick, um ihre Position zu bestimmen. Sie nehmen per Bluetooth Kontakt mit Smartphones in der Nähe auf (so ähnlich wie bei der Corona-Warn-App) und erfahren so ihre aktuelle Position. Da fast überall auf der Welt heute Smartphones aktiv sind, ist die Chance hoch, dass rund um die Uhr die aktuelle Position ermittelt werden kann. Anderenfalls sieht der Nutzer die letzte gemeldete Position in der "Wo ist"-Funktion seines iPhone oder iPad.

Jeder einzelne Tracker kann registriert und dann getrackt werden

Das funktioniert erstaunlich gut – und in der Regel auf wenige Meter genau. Wer seinen Koffer mit einem Tracker ausrüstet, kann daher gut nachvollziehen, wo er sich gerade befindet. Auf der Flugstrecke selbst werden keine Signale abgesetzt (die Smartphones der Fluggäste sind dann im Flugbetrieb), aber spätestens, wenn der Koffer irgendwo ankommt, werden erste Lebenszeichen verschickt. Und schon ist in der interaktiven Karte zu sehen: Befindet sich der Koffer noch am Abflugort, ist er am richtigen Zielflughafen angekommen – oder befindet er sich möglicherweise auf Irrwegen?

Verloren gegangene Koffer wiedergefunden

Im Netz gibt es diverse Erfolgsgeschichten zu lesen, wie solche Tracker schon bei der Suche geholfen haben. Zum Beispiel das frisch vermählte britische Paar, das nach seiner Rückkehr aus den Flitterwochen seine drei Gepäckstücke vermisste. Die AirTags haben verraten: Die Airline hatte das Gepäck erst vergessen, dann kamen nur zwei bei dem Paar an. Die dritte Tasche ist in einem komplett anderen Haushalt in London gelandet. Es musste die Polizei eingeschaltet werden, um das Gepäckstück zu retten.

Darüber hinaus warnt einen die App, sollte man sein Hotel final verlassen – und eine Tasche zurückgelassen haben. Tracker wie die AirTags bieten gerade für Reisende eine Menge Vorteile an.

Missbrauch möglich: Stalking

Es gibt vergleichbare Tracker von anderen Herstellern, die allerdings weniger zuverlässig arbeiten: Um ihren aktuellen Aufenthaltsort übermitteln zu können, brauchen sie Kontakt zu einem Smartphone, auf dem die passende App installiert ist. Bei den AirTags reicht ein beliebiges Apple-Gerät in der Nähe. Bei den anderen Herstellern müsste es ein Smartphone sein, das dieselbe App enthält – die Chance ist wesentlich geringer.

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen zu solchen Trackern, denn sie können prinzipiell zum Stalking missbraucht werden: Wer einer fremden Person einen solchen Tracker unterjubelt, erfährt ja auch, wo sie sich befindet. Deshalb hat Apple verschiedene Mechanismen eingebaut, die ein solches Stalking verhindern sollen: AirTags geben zum Beispiel einen Laut von sich, damit man sie bemerkt.

Über den Autor

Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.

WDR-Digitalexperte Jörg Schieb

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.