Geldwäsche mit Immobilien: Weiter Weg zur Transparenz

Geldscheine an der Wäscheleine

Geldwäsche mit Immobilien: Weiter Weg zur Transparenz

Von Wolfgang Landmesser

Noch nie wurden in Deutschland so viele Geldwäsche-Verdachtsfälle gemeldet. Aber die Dunkelziffer ist nach wie vor hoch - vor allem im Immobilienbereich.

Die Zahlen der Geldwäsche-Einheit des Zoll klingen erst mal nach einem kleinen Erfolg: Die Meldungen von Immobilienverkäufern, die den Einsatz von Schwarzgeld vermuten, hat zugenommen - um mehr als das Doppelte. Aber die absolute Zahl im Bericht der zuständigen Behörde Financial Intelligence Unit (FIU) ist trotzdem mickrig: nur 54 Immoblien-Fälle mit Geldwäsche-Verdacht stehen in der Liste.

Hohe Dunkelziffer bei illegalen Immobilienkäufen

Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches größer: 15 bis 30 Milliarden Euro Schwarzgeld wird in Deutschland pro Jahr in Immobilien investiert, schätzt die auf Korruption spezialisierte Nichtregierungsorganisation Transparency International.

Die FIU versucht zwar, die Immobilienverkäufer dazu bringen, Verdachtsfälle häufiger zu melden. Aber um das Grundproblem zu beseitigen, müsste die Politik anders ran gehen, ist Christoph Trautvetter überzeugt. "Es ist noch viel zu einfach in Deutschland, als Immobilienkäufer anonym zu bleiben", sagt der wissenschaftliche Referent beim Netzwerk Steuergerechtigkeit.

Studie: zahnloses Transparenzregister

Zwar gibt es seit 2017 ein so genanntes Transparenzregister. Theoretisch müssen sich dort alle Immobilienfirmen registrieren lassen; Deutschland war damit international einer der Vorreiter. Aber praktisch habe das Register kaum etwas bewirkt, weil es sich mühelos umgehen lasse.

In einer aktuellen Studie für die Rosa-Luxemburg-Stiftung haben Christoph Trautvetter und Co-Autor Markus Henn am Beispiel Berlin untersucht, ob sich die Personen hinter den dort aktiven Immobilienfirmen recherchieren lassen.

Bei fast einem Drittel der Unternehmen gelang es ihnen nicht. Wenn sich Immobilienfirmen im Handelsregister eintragen lassen, sind sie nach der deutschen Regelung unter Umständen von der Meldepflicht befreit. Weil die Behörden aber nicht ausreichend nachfassten, bleiben die wahren Geldwäsche-Akteure weiter anonym, kritisiert Christoph Trautvetter. "Das Transparenzregister ist eine super Idee, aber mangelhaft umgesetzt", so das Fazit des Geldwäsche-Experten.

Deutscher Immobilienmarkt anfällig für Geldwäsche

Aber steigen durch Geldwäsche-Käufe auch die Immobilienpreise in Deutschland? Anhaltspunkte dafür gibt es, meint Konrad Duffy, Referent für Finanzkriminalität bei der Bürgerbewegung Finanzwende. Deutschland sei jedenfalls besonders anfällig für illegale Immobiliengeschäfte. So gebe es immer wieder Warnungen von italienischen Ermittlern, dass die Mafia den deutschen Wohnungsmarkt massiv zur Geldwäsche nutze.

Weil konkrete Daten fehlen, gibt es für Deutschland aber keine Studien über die konkreten Folgen für die Immobilienpreise. Anhaltspunkte liefert ein Blick in die USA: Dort hatte die amerikanische Bundesregierung anonyme Immobilienkäufe vorrübergehend verboten, weil sie dahinter illegale Geschäfte vermutete – zum Bespiel in Miami. In der Folge brachen die Immobilienkäufe deutlich ein – und entsprechend auch die Preise.

Stand: 18.08.2020, 19:18

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