Geiselnehmer in JVA Münster schon vorher auffällig gewesen

Geiselnehmer in JVA Münster schon vorher auffällig gewesen

Nach einer tödlichen Geiselnahme in der JVA Münster ermittelt die Staatsanwaltschaft zu den Hintergründen. Der erschossene Häftling soll bereits zuvor Bedienstete bedroht haben.

Wie aus einem Bericht des Justizministers an den Rechtsausschuss des Landtags hervorgeht, unterlag der Häftling besonderen Sicherungsmaßnahmen. Demnach war der 40-Jährige in einer Zelle mit Doppeltür untergebracht. Das Öffnen und Betreten seines Haftraums war nur mit mindestens zwei Bediensteten erlaubt.

Geiselnehmer in JVA Münster schon vorher auffällig gewesen

WDR Studios NRW 19.10.2020 00:54 Min. Verfügbar bis 26.10.2020 WDR Online

Häftling nahm Auszubildende als Geisel

Dennoch gelang es dem Häftling am Freitagmorgen eine 29 Jahre alte Auszubildende in seine Gewalt zu bringen, als diese das Frühstück brachte. Laut dem Bericht schoss der Mann "blitzartig mit einem großen Schritt" nach vorne und nahm die Auszubildende in den Schwitzkasten. Er bedrohte sie mit einem aus einer Rasierklinge gefertigten gefährlichen Gegenstand und forderte einen Hubschrauber, um aus der JVA zu fliehen.

Er soll dann mit seiner Geisel durch den Zellentrakt geirrt sein, bis die Polizei eingriff. Sie war gegen 6.30 Uhr alarmiert worden. Der Polizei gelang es nach eigenen Angaben aber nicht, den 40-Jährigen von der Bedrohung abzubringen.

Flure mit vielen Türen und ein Treppenhaus

Kein Erfolg bei Kommunikationsversuchen

Psychisch unberechenbarer Eindruck

Bei den Verhandlungsversuchen bedrohte der Täter den Angaben zufolge immer wieder seine Geisel mit der Rasierklinge, auch im Bereich des Halses, und kündigte an, sie zu töten. Er machte dabei laut Polizei einen psychisch unberechenbaren Eindruck.

Zugriff durch Spezialkräfte

Aufgrund der lebensgefährlichen Situation für die Geisel erfolgte gegen 09.20 Uhr der Zugriff durch Spezialkräfte der Polizei. Dabei kam es zum Schusswaffengebrauch. Der Mann erlag noch vor Ort seinen Verletzungen.

Der Häftling hatte für einen Tritt gegen einen Polizisten im Gefängnis gesessen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster hatte der wohnungslose und alkoholkranke Mann 2019 auf dem Gelände einer Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster randaliert.

Bewährungsauflagen nicht eingehalten

Wegen des Trittes verurteilte ein Amtsgericht ihn zu einer Bewährungsstrafe. Weil er in dieser Zeit den Bewährungsauflagen nicht nachkam, musste er in Haft.

Der Mann war zuvor schon straffällig geworden. 2007 hatte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft versucht, seine Mutter mit einem Küchenmesser zu töten. Er wurde daraufhin zu einer mehrjährigen Haftstrafe und zur Unterbringung in einer Entzugsklinik verurteilt. Die Strafe verbüßte er nur teilweise, sie wurde dann zur Bewährung ausgesetzt.

Am 10. November wäre der Mann erneut aus der JVA entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt, wieso der Täter so kurz vor seiner Entlassung, eine Geisel nahm. Außerdem ist weiter unklar, wie er an seine Tatwaffe kam.

Stand: 19.10.2020, 14:29

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