Wie oft kommt es zu Gefängnisausbrüchen in NRW?

Stacheldraht auf einer Mauer vor dem neuen "D-Flügel" der JVA in Bochum (Archivaufnahme vom 26.02.2009)

Wie oft kommt es zu Gefängnisausbrüchen in NRW?

Von Christian Wolf

  • Häftling ist aus der JVA Bochum geflüchtet
  • Möglicherweise keine zusätzliche Strafe für Ausbruch
  • Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ein Häftling ist aus der JVA Bochum geflüchtet. Die Polizei sucht nach dem Mann. Wie oft passieren solche Ausbrüche? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie oft gibt es Gefängnisausbrüche in NRW?

All zu häufig kommt das nicht vor. Das NRW-Justizministerium teilte auf WDR-Anfrage mit, dass es seit 2010 insgesamt zehn Ausbrüche gegeben hat. 2017 und 2018 habe es keinen einzigen Fall gegeben, 2014 hingegen drei. Damals entkamen unter anderem aus der JVA Schwerte zwei Häftlinge an einem Bettlaken über die Mauer.

Neben den Ausbrüchen aus den Gefängnissen nutzen Gefangene auch Überführungen zu Gerichten, Ausführungen oder Klinikaufenthalte, um zu türmen. Von Januar 2016 bis April 2018 waren das sieben Fälle in NRW.

Was tut die Polizei bei einem Ausbruch?

Zunächst wird vor Ort nach dem Geflüchteten gesucht. Im Bochumer Fall kamen ein Hubschrauber und Spürhunde zum Einsatz. Bleibt das erfolglos, setzt die Polizei auf die Mithilfe der Bevölkerung. Mit einer sogenannten Öffentlichkeitsfahndung wird nach der Person gesucht – inklusive Foto und vollem Namen. Dafür braucht es eine richterliche Genehmigung. Wenn der Geflüchtete gefasst wurde, dürfen Foto und Name nicht weiter verwendet werden.

Sind die Ausbrüche erfolgreich?

Nein, sie lohnen sich für die Gefangenen nicht. Laut dem Justizministerium konnten alle Geflohenen wieder gefasst werden. Mal ging es schneller und mal dauerte es etwas länger, bis sie wieder in Haft saßen.

Was für Strafen drohen bei einer Flucht?

Erst einmal keine. Denn der Ausbruch selbst ist nicht strafbar. Da die Gefängnistüren aber in den seltensten Fällen offen sind, können die Gefangenen meist nicht ohne eine Begleitstraftat flüchten. Wird beispielsweise körperliche Gewalt angewandt, geht es um Körperverletzung. Auch die Bestechung, Bedrohung oder Geiselnahme von Beamten kann juristische Konsequenzen haben.

Außerdem kann eine Flucht zur Folge haben, dass es keine frühzeitige Haftentlassung gibt – wie es nach zwei Dritteln der abzusitzenden Strafe häufig der Fall ist.

Stand: 16.08.2019, 15:23

Kommentare zum Thema

9 Kommentare

  • 9 Rudi 17.08.2019, 18:14 Uhr

    Pro Jahr durchlaufen ca, 2000 Inhaftierte die JVA Bochum. Seit der letzten Flucht 2013 macht das ca. 12.000 Gefangene - nix passiert. Eine sehr unsichere Gegend ? Im Gegenteil. Geflüchtete Gefangene bleiben nicht in der "Gegend", weil es überall von Polizei wimmelt und die Bereitschaftspolizei ist gleich nebenan.

  • 8 Manu 17.08.2019, 02:02 Uhr

    Es ist unglaublich wie fahrlässig und schlampig , hier mit der Sicherheit der Bevölkerung gespielt wird. Nächstes Jahr kommt dann noch Sotha, daß spezial Gefängnis für Sexual und Gewaltverbrecher. Als Anwohner kann man sich hier nicht mehr sicher fühlen.

    Antworten (1)
    • David 17.08.2019, 18:53 Uhr

      Das war kein Gefangener in Sicherheitsverwahrung sondern jemand mit vorbildlicher Führung, der in 2 Jahren (von einem vermutlich deutlich höheren Strafmaß) entlassen worden wäre. Die Haft war eine Strafmaßnahme, nicht primär Bevölkerungsschutz. Der wesentliche Unterschied zur Gefährdung bei einer regulären Entlassung ist daß dem Ausbrecher die institutionelle Unterstützung bei der Wiedereingliederung und die Möglichkeit einer angemeldeten Berufstätigkeit fehlen, was wesentlich dazu beiträgt, daß Ausbrecher typischerweise in absehbarer Zeit wieder aufgegriffen werden.

  • 7 Insider 16.08.2019, 23:00 Uhr

    D Asbestsanierung in Türmen wird mal wieder als faule Ausrede benutzt, die Türme sind in den wenigsten Fällen besetzt. Die Internen Zustände verlangen nach ganz anderen Maßnahmen den fast jeder Bedienstete macht was er will nur nicht seinen Job. Das fängt damit an das die Computer stundenweise privat genutzt werden , und Stundenlang gezockt wird. Die Sportabteilung ist sowieso durch ihre Besetzung der Hammer des Herren und macht was sie will. Schade nur das die meisten Sachen nicht der Anstaltsleitung und den Ministerium bekannt sind, oder hat man vieleicht doch Kenntnis und unternimmt nichts weil es dann eine hohe Anzahl an Suspendierungen geben würde. Eines steht doch fest, es wird nirgendwo soviel gelogen und vertuscht wie bei der Justiz und das auf Kosten der Inhaftierten. Wenn die Öffentlichkeit wüßte was in unseren JVA`s abgeht würden sie die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Aber Beamte sind ja anscheint Heilig gesprochen und von der Strafverfolgung ausgeschlossen

  • 6 Atze 16.08.2019, 18:24 Uhr

    In den Medien wird gemeldet, dass die Türme in der JVA Bochum nicht besetzt waren, weil sie wegen Asbestbefall saniert werden. Zudem sei die Videoüberwachung für den Teil des Knastes in dem der Knacki über die Mauer ging, nicht aktiviert gewesen war. Weshalb sich ein Knacki gegen 19:30 Uhr noch außerhalb eines Hafthauses ohne Überwachung frei bewegen kann, bedarf der Klärung. Zu vermuten ist, dass sich der Ausbrecher in sein Heimatland absetzen wird.

  • 5 Mike geissler 16.08.2019, 18:14 Uhr

    Ich habe selbst viele Jahre in Bochum gesessen. Die Führung dieser Anstalt ist mit Worten nicht zu beschreiben und gehört möglichst schnell ersetzt. Die unzählbaren Missstände in der JVA überborden förmlich dadurch das die anstaltsleitung eine Mauer des Schweigens etabliert hat. Von schweren Straftaten im Amt bis zu massiven menschenrechtsverstössen ist alles dabei was in einer strafvollzugseinrichtung falsch laufen kann. Das deckeln dieser Sachen sorgt für eine von allmachtsfantasien getriebene anstaltsleitung. Wir sollten nicht fragen wie der Häftling, im übrigen ein guter Freund von mir, geflohen ist sondern was dazu geführt hat das die JVA Bochum erneut negative Schlagzeilen macht. Für Rückfragen mikegeisslercologne@gmx.com......

    Antworten (2)
    • Atze 17.08.2019, 08:48 Uhr

      Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

    • Atze 17.08.2019, 08:48 Uhr

      Mike schreibt von erheblichen Rechtsverstössen ( unzählbaren Missstände)in der JVA Bochum. Da hatte er doch etliche Möglichkeiten dies durch die zuständige Staatsanwaltschaft verfolgen zu lassen. Allein ein Schreiben an seinen Rechtsanwalt- der Brief geht verschlossen an diesen raus und unterliegt nicht der Postkontrolle- und die Staatsanwaltschaft würde tätig. Da hält dann auch niemand mehr über irgendeinen die Hand. Auch an das JM hätte Mike einen verschlossenen Brief rausgeben können oder an den Petitionsausschuß oder den Rechtsausschuß oder den Anstaltsbeirat oder an die EMK. Ich glaube, dass Mike nur angeben möchte, dass er den flüchtigen Knacki persönlich kennt. Wollte er dauerhaft etwas verändern, hätte er während seiner Haft zig Möglichkeiten der Beschwerde gehabt.

  • 4 linux 16.08.2019, 18:11 Uhr

    Und was haben die cDU und FDP getönt, wie es zu sPD und Grünen Zeiten geschah...https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article13897988/NRW-Justizminister-entschuldigt-sich-beim-Landtag.html

  • 3 ... 16.08.2019, 13:51 Uhr

    Hoffe der wird geschnappt und der macht nix schlimmes

  • 2 Monika B. 16.08.2019, 12:17 Uhr

    Es ist mir ziemlich egal wie häufig ein Ausbruch vorkommt. Jeder einzelne ist einer zuviel! Vermutlich gab es Helfer, denn alles andere wäre ein Wunder, oder?

  • 1 Marc Schimmeyer 16.08.2019, 11:47 Uhr

    In der JVA Bochum ist Tag der offenen Tür.....??

    Antworten (1)
    • PATRICK RUNGE 16.08.2019, 23:52 Uhr

      OFFENSICHTLICH

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