Geburtshilfe in NRW: Lange Fahrt bis zum Kreißsaal

Geburtshilfe in NRW: Lange Fahrt bis zum Kreißsaal WDR aktuell 12.04.2019 01:47 Min. Verfügbar bis 12.04.2020 WDR

Geburtshilfe in NRW: Lange Fahrt bis zum Kreißsaal

Von Karin Bensch

  • Zahl der Geburtsstationen in NRW sinkt
  • Hebammenverband findet längere Anfahrtszeiten unzumutbar
  • Forderung nach mehr Investitionen

In Nordrhein-Westfalen gab es Anfang der 90er Jahre noch rund 290 Geburtsabteilungen in Krankenhäusern. Übrig geblieben sind weniger als die Hälfte, nur noch 142 für das ganze Land.

Nach WDR-Recherchen gab es auch in jüngerer Zeit zahlreiche Schließungen: Seit 2015 wurden 17 Geburtsstationen in NRW dicht gemacht. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie das Sauerland.

Schwangere müssen weitere Fahrten in Kauf nehmen

Zum Beispiel Janique Schwingenheuer. Sie hat ihren Sohn Eddy vor einigen Wochen zur Welt gebracht - im Kreißsaal des Krankenhauses Maria Hilf in Warstein. Doch der ist mittlerweile geschlossen, der Weg zum nächsten Krankenhaus mit Geburtsstation deutlich weiter. "Das ist ein wahnsinniger Umweg, den man dann fahren muss, weil es im Umkreis gar nicht mehr so viele Geburtshilfen gibt", erzählt sie.

Das zahlreiche Geburtsstationen schließen, ist erstaunlich, da die Zahlen der Neugeborenen seit Jahren steigt. 2017 waren es gut 20 Prozent mehr als 2011.

Die Gründe für die Schließungen sind andere: Zum Beispiel hohe Kosten und Personalmangel. Beispiel Emmerich-Rees. Für das Willibrord-Spital hat sich die Geburtshilfe nicht mehr gerechnet. "Emmerich hat zirka 450 Geburten. Im Minimum sagt man aber heute müssen 650 bis 700 Geburten erreicht werden, um eine geburtshilfliche Klinik wirtschaftlich betreiben zu können", sagt Klinik-Geschäftsführer Johannes Hartmann.

Gesundheitsministerium sieht keine Unterversorgung

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium sieht trotz des kleiner werdenden Angebots die flächendeckende Versorgung nicht in Gefahr. Dies sei nur dann der Fall, wenn in dünn besiedelten Gebieten Pkw-Fahrten von mehr als 40 Minuten notwendig seien.

Gesundheitsminister Karl Laumann im Interview:

Laumann: "Sehr gute geburtliche Versorgung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.04.2019 05:41 Min. Verfügbar bis 11.04.2020 WDR 5

Download

Eine Einschätzung, die der Hebammenverband NRW nicht teilen kann. "Wenn man die Eltern fragt, dann klingt das ganz anders", sagt Verbandsvorsitzende Barbara Blomeier. Durch viel Verkehr, Staus und Baustellen auf Straßen und Autobahnen komme man häufig nicht mit 40 Minuten hin. Deutlich längere Fahrzeiten seien Schwangeren kurz vor der Geburt nicht zumutbar, kritisiert sie.

Forderung nach mehr Investitionen des Landes

Der Hebammenverband NRW fordert daher, dass für die Geburtshilfe mehr Geld investiert wird. Der Krankenhausplan, eine Vorgabe für die Kliniken, müsse überarbeitet werden und die Geburtsstationen personell besser besetzt werden. Der Plan müsse so aufgestellt sein, dass tatsächlich jede geburtshilfliche Abteilung in 40 Minuten Fahrtzeit erreichbar sei. Das könnte vor allem Frauen auf dem Land helfen.

Stand: 12.04.2019, 06:00

Aktuelle TV-Sendungen