Gastronomie am Limit: Cafés und Restaurants fehlt Personal

Gastronomie am Limit: Cafés und Restaurants fehlt Personal

Von Oliver Steuck

Cafés und Restaurants dürfen längst wieder öffnen dürfen. Doch die Lage bleibt auch Monate nach dem letzten Lockdown angespannt. Fachkräfte fehlen, Nerven liegen blank.

Gastronom Mark Brouwer vor seinem Café in Münster

"Es bringt ja auch nichts, die Leute zu verheizen", sagt Mark Brouwer, der in Münster drei Cafés betreibt. Inzwischen mit reduzierten Öffnungszeiten und in einem Café sogar mit einem zusätzlichen Ruhetag. Ihm fehlt das Personal. Mit 21 Festangestellten und 45 Aushilfen sei er in die Coronazeit gestartet. Aushilfen seien ihm nur elf geblieben. Und auch zwei Fachkräfte fehlten wegen Schwangerschaft und Krankheit. Ersatz sei kaum zu bekommen.

Jetzt setzt Brouwer auf die Uni. Das Wintersemester soll in Münster größtenteils wieder in Präsenz stattfinden. Jeder Studierende, der nun nach Münster zieht, ist auch eine potenzielle Aushilfe.

Gastronomie reduziert Öffnungszeiten

So wie ihm geht es vielen Gastronomen, sagt Renate Dölling vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Münsterland. Viele Fachkräfte und Aushilfen hätten sich während der langen Coronapause neu orientiert. Die Folge: Viele Betriebe haben ihre Öffnungszeiten verkürzt, schließen einzelne Tage ganz oder arbeiten nur noch mit Reservierungen, damit sie ihre Gästezahl mit dem verbliebenen Personal bewältigen können.

Das verärgert natürlich viele Gäste, die nun manchmal vor verschlossenen Türen stehen oder in halbvollen Restaurants keinen Tisch bekommen, weil sie nicht reserviert haben.

Dehoga: Klare Perspektive nötig

Die Gastrononie brauche von der Politik die klare Zusage, dass sie auch im Winter unabhängig von der Coronalage geöffnet bleiben darf, so Dehoga-NRW-Sprecher Thorsten Hellwig. Nur so könnten die Betriebe ihren potenziellen neuen Mitarbeiter auch eine Perspektive bieten. Und nur so könnten die verbliebenen Arbeitskräfte entlastet werden.

Man befinde sich gerade in einer sehr ungesunden Gemengelage, so Hellwig. Denn das wenige Personal müsse mit den Coronaauflagen ja auch noch zusätzliche Aufgaben erfüllen. Etwa das Kontrollieren der 3G-Regeln für Gäste in Innenräumen.

Zusatzaufgaben durch 3G-Kontrollen

Zwar würden die allermeisten Gäste die Coronaregeln mittragen, aber mit einigen wenigen müsse man am Eingang endlose Debatten über Tests und Impfstatus führen, sagt Cafébetreiber Mark Brouwer aus Münster. "Ein bis zwei Prozent der Gäste kosten 40 bis 50 Prozent der Substanz."

Umso nötiger sei es, den verbliebenen Mitarbeitern zwischendurch eine Auszeit zu gönnen, so Brouwer. Denn die bräuchten sie gerade dringend: um etwas mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen oder einfach nur Luft holen zu können.

Stand: 21.09.2021, 13:33

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