Gastronomen klagen über bösartige Bewertungen im Web

Gastronomen klagen über bösartige Bewertungen im Web

Von Thomas Rosteck

  • Drohung mit negativen Internet-Bewertungen
  • Forderung nach Preisnachlass und Fern-Lieferung
  • Gekaufte Kommentare kein Gegenmittel
Kommentare (3)

Hüseyin Fidan ist seit 30 Jahren Gastronom in Siegen, so schnell wirft den Inhaber eines Pizza-Service und einer Gaststätte nichts aus der Bahn. Wenn aber wieder einmal jemand versucht, ihn mit einer schlechten oder gar üblen Bewertung im Internet zu erpressen, wird der 51-Jährige richtig sauer.

"Wenn ich den Leuten zum Beispiel erkläre, dass wir sie nicht beliefern können, weil sie viel zu weit weg wohnen, dann wird man beschimpft oder es heißt: Wenn Sie nicht liefern, schreibe ich Ihnen schlechte Bewertungen!"

TripAdvisor und Co. immer öfter als Druckmittel

Gastronom Mester und Jurist Martin an einem Tisch im Gespräch

Gastronom Mester (links), Jurist Martin

Lars Martin, Jurist und Geschäftsführer des Westfälischen Hotel- und Gaststättenverbandes in Hagen, sagt: "Die Zahl der vernichtenden Kritiken im Internet ist deutlich gestiegen. Es geht von sehr pauschalen Kritiken bis zur handfesten Beleidigung, in einigen Fällen haben wir Anzeige erstattet."

"Gern wird auch nach einer Feier versucht, den vereinbarten Preis zu drücken. Es werden Preisnachlässe gefordert, andernfalls hagele es miserable Bewertungen. Das ist richtige Erpressung!"

"Eine miese Bewertung macht zehn positive kaputt"

"Ich kann mit einer schlechten Kritik leben", betont Oliver Mester, Hotelier und Restaurantbesitzer in Lennestadt-Oedingen. "Vor allem dann, wenn sie mir die Möglichkeit gibt, einen Fehler wieder gut zu machen. Wenn aber jemand schreibt, ‚das Essen hat nicht geschmeckt‘ oder ‚das Personal ist das Geld nicht wert‘, was soll ich da machen?" Mester ärgert sich besonders über anonyme Kritiker. "Eine miese Bewertung macht zehn positive kaputt."

Gekauftes Lob keine Alternative

Findige Firmen kennen das Dilemma der Gastronomen und bieten positive Beurteilungen gegen Entgelt. Die guten Beurteilungen, so die in Hongkong ansässige Firma WeComBlue, seien nur "Notwehr" und insofern ein gerechtfertigtes Gegenmittel.

Das sieht Lars Martin anders. "Das kann kein Weg sein", betont er. Hüseyin Fidan und Oliver Mester stimmen ihm zu: "Wenn Du damit anfängst, kannst Du Deinen Laden bald dicht machen!"

Stand: 05.12.2018, 09:06

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Biggesee 07.12.2018, 03:43 Uhr

    Kommentare, die der neuen oder alten Rechtschreibung nicht entsprechen, ingnoriere ich generell. Dazu jene aller faulen Tastatur-Jongleuren, die die Shift-Taste nicht finden und generell Kleinschreibung nutzen. Dann auch noch jene, die zusammenhängend keinen Sinn ergeben, was nicht wenige sind. Summa summarum sind nur rund maximal 20% ehrliche und ernst gemeinte Kritiken/Kommentare. Alles andere sind Dummies oder Internet-Junkies, die nicht besseres zu tun haben als Müll zu posten.

  • 2 Alfredo 05.12.2018, 17:19 Uhr

    Oft genug sind die Kommentare dann aber in einem derartigen Wutrausch verfasst, dass man sie gut als solche erkennen kann. Teilweise erklären die Verfasser sogar, wie sie sich absolut daneben benommen oder unmögliches gefordert haben haben, stellen die völlig normale Reaktion darauf dann aber als überzogen und böswillig dar. Leider lesen viele Leute die Kommentare gar nicht erst, wenn die Gesamtbewertung nicht mindestens auf 4 Sterne kommt...

  • 1 Micha Schlag 05.12.2018, 14:36 Uhr

    Wer wäre denn im normalen Leben so blöd und würde sich auf die Bewertung einer völlig unbekannten Person verlassen? Leute, pfeift auf alle Portale und bildet Euch Eure eigene Meinung.

Aktuelle TV-Sendungen