Steigende Gas- und Energiepreise: So sparen Sie Kosten

Abgase einer Gasheizung aus einem Schornstein in der ersten Morgensonne

Steigende Gas- und Energiepreise: So sparen Sie Kosten

Energie wird immer teurer. Grund dafür sind vor allem die steigenden Gaspreise auf dem Weltmarkt. Dazu kommt, dass die Kosten von Strom und Gas in Deutschland ohnehin schon steuerbedingt zugelegt hatten.

Die Energiepreise steigen und steigen – und werden nicht nur für Verbraucher zur wachsenden finanziellen Belastung. Auch auf politischer Ebene sorgen sie für drastische Maßnahmen. Frankreich beispielsweise will die Gaspreise ab April deckeln.

Anbieter, die das Gas deswegen unter dem Einkaufspreis abgeben müssen, sollen laut der Pläne staatliche Hilfen bekommen. Spanien fordert ein gemeinsames Vorgehen der EU – mit Erfolg.

Am Donnerstag und Freitag verhandeln die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten das Thema bei einem Gipfel. Wir beantworten aus aktuellem Anlass die wichtigsten Fragen zum Thema und geben Tipps, wie Sie Energie und Kosten sparen können.

Wieso steigen die Energie- und Gaspreise?

Der Hauptgrund dafür ist die Lage auf dem Weltmarkt. Vor allem die Einkaufspreise für Erdgas sind wegen der hohen Nachfrage nach der Corona-Krise und auch wegen relativ leerer Speicher stark gestiegen. Der Börsenpreis für Erdgas hat sich seit Anfang des Jahres verdreifacht.

Hinzu kommt noch eine Besonderheit in Deutschland, die ebenfalls mit der Corona-Pandemie zusammenhängt. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz für Strom und Gas auf 16 Prozent gesenkt. Seit Anfang des Jahres liegt er wieder bei den üblichen 19 Prozent. Im ersten Halbjahr mussten private Haushalte in Deutschland 4,7 Prozent mehr Geld für Strom und Gas bezahlen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Wenn jetzt der Gaspreis noch weiter in die Höhe geht, drohen den Verbrauchern noch größere Kosten.

Immerhin: Durch den hohen Börsenstrompreis sinkt die EEG-Umlage. In der Energie-Branche wird allerdings damit gerechnet, dass sich die Strompreise so nur stabilisieren - die Stromkosten aber unterm Strich nicht sinken.

Darf der Gas und Stromanbieter Mehrkosten einfach an den Verbraucher weitergeben?

Ja, dürfen sie. "Und meines Wissens gibt es auch keine gesetzlich festgelegte Grenze, wie stark die Anbieter die Preise für Gas oder Strom erhöhen dürfen", sagt Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale NRW. Je größer diese Preiserhöhung aber ausfalle, desto größer sei auch das Risiko des Anbieters, dass Kunden ihren Vertrag kündigen. Denn genau dazu haben diese dann das Recht.

"Wenn ein Strom- oder Gasanbieter während eines laufenden Vertrags die Preise erhöht, hat der Verbraucher automatisch ein Sonderkündigungsrecht", erklärt Zwingmann. Das heißt, Verbraucher können dann in der Zeit bis zum Inkrafttreten der neuen Preise jederzeit fristlos kündigen.

Das gilt allerdings nicht, wenn die Bundesregierung wie zum Jahreswechsel die Mehrwertsteuer wieder erhöht und dadurch der Bruttopreis steigt.

Wie kann ich Kosten sparen und meinen Strom- und Gasverbrauch senken?

Laut Zwingmann ist eine solche Kündigung sogar bei der aktuellen Lage sinnvoll. "Nicht alle Anbieter haben leere Gas-Speicher", sagt er. "Einige haben vielleicht vorgesorgt und können dadurch jetzt bessere Preise anbieten."

Eine andere Möglichkeit, Kosten zu sparen ist, den Energieverbrauch zu senken. Das geht laut Zwingmann schon mit kleinen alltäglichen Kniffen, die geringen Aufwand machen, dafür aber einen großen Effekt haben können:

Heizen

Einzelne Räume heizen: Luft bewegt sich. Das heißt, wenn man es sich im Wohnzimmer schön warm macht, im Schlafzimmer aber lieber kühl mag, sollte man die Tür schließen. "Sonst heizt man nicht nur die Räume, die man wärmer haben will, sondern die ganze Wohnung", sagt Zwingmann. Und das kostet Energie.

Zugluft stoppen: Zieht es in einem Raum, empfindet man ihn als kälter als er eigentlich ist – und dreht die Heizung wärmer, auch wenn es von der Temperatur her gar nicht nötig wäre. "In so einem Fall ist es sinnvoll, dass man guckt, ob alle Fenster richtig schließen, oder ob dort vielleicht ein Beschlag nachgestellt oder eine Dichtung ausgetauscht werden muss", sagt Zwingmann. Auch ein sogenannter Zugluftstopper, den man auf den Boden vor der Eingangstür legen kann, hilft.

Warmwasser

Sparduschköpfe und -armaturen: Schon kleine Anschaffungen können helfen, den Wasserverbrauch und damit auch die Kosten für dessen Erwärmung zu senken. Sparduschköpfe und sogenannte Perlatoren am Wasserhahn reduzieren die Menge Wasser, die hindurch fließt und damit auch den Warmwasserverbrauch.

Durchlauferhitzer überprüfen: In manchen Fällen lohnt es sich, einen alten Durchlauferhitzer zu ersetzen. Gerade wenn er noch hydraulisch funktioniert, lohnt sich der Umstieg auf ein elektrisches Modell.

Strom

Standby vermeiden: Mittlerweile verbrauchen wir nach Berechnungen der Verbraucherzentrale mehr als ein Viertel des Stroms (vorausgesetzt das Wasser wird nicht elektrisch erwärmt) für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Also Fernseher, Computer, Stereoanlagen, etc. Und auch wenn diese Geräte den meisten Strom verbrauchen, während sie angestellt sind, lohnt sich die Investition in Steckdosenleisten, die man abstellen kann. So wird kein Strom durch die Standby-Funktion verbraucht.

Nutzen und Energieeffizienz prüfen: Bei Haushaltsgeräten wie Kühlschrank oder Gefriertruhe geht das natürlich nicht. "Hier ist es aber sinnvoll, zu schauen, ob das Gerät eine angemessene Größe hat", sagt Zwingmann. Wer grundsätzlich nur ein bisschen Eis am Stiel und zwei Tiefkühlpizzen im Haus hat, braucht keine Gefriertruhe mit 350 Liter Volumen. Beim Kauf sollte hier, genau wie bei anderen Haushaltsgeräten wie Trockner, Spülmaschine oder Backofen auf die Energieeffizienzklasse geachtet werden.

Stand: 21.10.2021, 14:15

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