Warnung vor "Gaspreiswelle" für Haushalte im Herbst

Warnung vor "Gaspreiswelle" für Haushalte im Herbst

Fast jeder zweite heizt mit Erdgas - und muss sich auf steigende Preise einstellen. Verbraucherportale warnen vor einer "größeren Gaspreiswelle" im Herbst.

Der Sommer neigt sich dem Ende und in absehbarer Zeit sinken die Temperaturen. Dann heißt es zuhause wieder: Heizung an.

Laut einer Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft heizt fast jeder zweite Haushalt mit Erdgas - mit großem Abstand vor Öl, Flüssiggas, Holz, Kohl, Fernwärme und Strom. Erdgas wird als der Energieträger neben den Erneuerbaren gepriesen. Viele Eigentümer haben ihre Heizanlagen im vergangenen Jahrzehnt von Öl oder Strom auf Erdgas umgerüstet.

Preiserhöhungen bei Versorgern

Die Verbraucherportale Check24 und Verivox warnen vor einer "größeren Gaspreiswelle" im Herbst. Dutzende Versorger haben demnach bereits ihre Preise erhöht oder den Schritt angekündigt. Die Steigerungen lägen im Schnitt bei mehr als zehn Prozent.

Die Einkaufspreise für Erdgas sind wegen der hohen Nachfrage nach der Corona-Krise und auch wegen relativ leerer Speicher stark gestiegen. "Erdgas wird teurer im Moment, weil wir schon mit relativ leeren Speichern in das Frühjahr gegangen sind. Normalerweise reagiert eben Gazprom, also Russland, relativ flexibel auf zusätzliche Nachfrage. Aber in diesem Sommer und Herbst ist es so, dass Gazprom kein zusätzliches Gas liefern wollte", erklärt Dr. Steffen Bukold im WDR5-Morgenecho. Er ist Gründer und Leiter des Forschungs- und Beratungsbüros Energy Comment. Mit seinem Büro berät er unter anderem die Politik zu Fragen der Energieversorgung.

Der Börsenpreis für Gas liegt auf einem Allzeithoch von 44,03 Euro pro Megawattstunde. Binnen eines Jahres beträgt der Anstieg 451 Prozent.

Teurer Winter für Verbraucher?

Das spürt auch Peter Hansen. Quasi als Hobby verkauft der Rentner Gas an Privathaushalte. Weil er nicht viel Gewinn machen muss, kann er zum Wohl der Kunden oft günstiger sein als die großen Versorger.

Doch seit einigen Wochen geht das nicht mehr: "Die Preise sind so hoch und ich befürchte, dass viele Leute das nicht mehr bezahlen können. So teuer wird das. Es hat sich fast verdoppelt das Ganze", sagt Hansen, Vorstand der Energiegenossenschaft VorEifel eG.

Wie sich die Situation weiterentwickelt wird vor allem der Winter entscheiden. "Wenn wir einen milden Winter bekommen, dann würde dieser Spuk sehr schnell vorbei sein und die Preise würden sich auch wieder normalisieren", sagt Steffen Bukold. Sollte es aber ein langer und kalter Winter werden, würden die Preise hoch bleiben. Einige Verbraucher würden dann wahrscheinlich auf Erdgas verzichten. In anderen Ländern ist das bereits der Fall.

Krisentreffen in Großbritannien

In Großbritannien ist der Gaspreis um 250 Prozent gestiegen. "Da haben einige Düngemittelhersteller den Betrieb eingestellt, weil ihnen der Gaspreis zu hoch war", sagt Bukold. Am Montag berief die Regierung ein Krisentreffen ein. Auch Rumänien, Frankreich oder Spanien melden Rekordwerte. Vor allem Ärmere kommen hier an ihre Grenzen und zwingen die Regierung zum Handeln. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, die Gaspreise zu deckeln.

Gasanbieter Hansen wünscht sich, dass die Politik hierzulande ebenso eingreift, damit er seinen Kunden günstige Tarife anbieten kann. Bis dahin bleibt betroffenen Kunden nur, auf Vergleichsportalen zu prüfen, ob andere Gasversorger die Preise nicht ganz so heftig anheben wie der eigene.

Erdgas: "Politischer Druck durch höhere Preise"

WDR 5 Morgenecho - Interview 21.09.2021 05:53 Min. Verfügbar bis 21.09.2022 WDR 5


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Stand: 21.09.2021, 20:26

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