Oberhausen feierte sein Gasometer

Gasometer Oberhausen

Oberhausen feierte sein Gasometer

  • Gasometer feierte zwei Jubiläen
  • 90-jähriges Bestehen und 25 Jahre Ausstellungsort
  • Mit mehr als 117 Metern Höhe größte Gasometer Europas

Gleich zwei Jubiläen hat der Gasometer Oberhausen am Wochenende (07./08.09.2019) gefeiert: 90 Jahre Bestehen als höchster Scheibengasbehälter Europas - und 25 Jahre Ausstellungshalle.

Jubiläumsfest im Gasometer Oberhausen

WDR 5 Morgenecho - Interview 07.09.2019 05:53 Min. Verfügbar bis 06.09.2020 WDR 5

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Auf dem Außenglände des Gasometers gab es viele Mitmachaktionen, Live-Musik sowie Präsentationen von WDR 5, dem Deutschem Alpenverein NRW und NABU NRW. Zusätzlich wurden Führungen im Gasometer durch die Ausstellung "Der Berg ruft!" angeboten.

90 Jahre Gasometer in Oberhausen Lokalzeit Ruhr 26.03.2019 03:17 Min. Verfügbar bis 26.03.2020 WDR Von Roland Winter

Seit 1994 Ausstellungshalle

Der 117,50 Meter hohe Gasometer wurde am 15. Mai 1929 in Betrieb genommen. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde er wieder aufgebaut und blieb bis 1988 in Betrieb. Danach wurde er beinahe abgerissen.

1994 wurde aus dem größten Gasbehälter Europas eine Ausstellungshalle. Viele Ausstellungen werden zum Publikumsrenner. Mal hing darin "der größte Mond auf Erden". Zweimal hat der berühmte US-Künstler Christo Ausstellungen gemacht: "Big Air Backage" und "The Wall".

Gasometer und das "Big Air Package"

Sie sehen im Folgenden Detailfotos aus dem interaktiven, Flash-basierten Webspecial "360° Gasometer und das 'Big Air Package'". Jedes der darin enthaltenen Panoramen enthält zusätzliche Fotos, Videos und Texte. In dieser Fotostrecke stellen wir eine Auswahl davon in einer barrierearmen HTML-Version zur Verfügung. Wir empfehlen aber, wenn möglich, zum Webspecial zu wechseln. Der dafür notwendige Link findet sich am Ende dieser Fotostrecke.

Gasometer mit Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal im Vordergrund

Von außen ist der Gasometer ein riesiger metallischer Zylinder, der hochkant an der schnurgerade verlaufenden Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal liegt. Zusammen sind es gewaltige geometrische Landmarken in Oberhausen. Innen wirkt der Gasometer fast sakral und gleicht einer Kathedrale. Der ehemals größte Gasspeicher Europas lässt sich durchaus mit dem Kölner Dom vergleichen. Ein Turm würde fast vollständig in dem Stahlkoloss verschwinden. Der Gasometer ist heute einer der größten Ausstellungsräume in Europa und fast nirgendwo hat raumgreifende Kunst so viel Platz.

Von außen ist der Gasometer ein riesiger metallischer Zylinder, der hochkant an der schnurgerade verlaufenden Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal liegt. Zusammen sind es gewaltige geometrische Landmarken in Oberhausen. Innen wirkt der Gasometer fast sakral und gleicht einer Kathedrale. Der ehemals größte Gasspeicher Europas lässt sich durchaus mit dem Kölner Dom vergleichen. Ein Turm würde fast vollständig in dem Stahlkoloss verschwinden. Der Gasometer ist heute einer der größten Ausstellungsräume in Europa und fast nirgendwo hat raumgreifende Kunst so viel Platz.

Aus der Luft sieht man erst, wie tief greifend der Mensch mit seinen Bauwerken die Landschaft rund um den Gasometer geprägt hat. Die kanalisierte Emscher fließt neben dem Rhein-Herne-Kanal. Ein Geflecht von Straßen- und Bahnbrücken überspannt die Gewässer. Nicht nur aus der Luft weithin sichtbar ist der Gasometer.

Ein Feuerwerk beleuchtete 2010 bei der Nacht der Industriekultur "ExtraSchicht" den Gasometer in Oberhausen.

1993 begannen auf dem ehemaligen Werksgelände der Thyssen AG in Oberhausen die Bauarbeiten für den Stadtteil "Neue Mitte", bekannt durch das Einkaufszentrum Centro. Der Gasometer blieb als weithin sichtbares Wahrzeichen erhalten.

Der Gasometer im Jahr 1981 - vor seiner Verwandlung in einen Ausstellungsraum - von der A42 an der Ausfahrt Osterfeld fotografiert.

Industriekletterer montierten 2006 ein Megaplakat an der Außenwand des Gasometers. Das Bild mit den nackten Männern war mit 2.000 Quadratmetern größer als ein Eishockey-Spielfeld.

Zum zweiten Mal nutzt der Aktionskünstler den Gasometer in Oberhausen für eine seiner ausgefallenen Ideen. Der gewaltige freie Innenraum scheint es Christo besonders angetan zu haben. Nach dem schwergewichtigen Werk "The Wall" 1999 ist es 2013 etwas besonders leichtes: ein großes Luftpaket, das "Big Air Package". Die Skulptur gleicht einem gigantischen, sanft schimmernden, begehbaren Ballon, der von Seilen an der Decke gehalten wird. Wie bei früheren Aktionen, etwa der Verhüllung des Reichstags in Berlin, rechnen die Veranstalter wieder mit einem Besucheransturm.

Die Skizze des "Big Air Package" verdeutlichte die Dimension des Projekts von Christo schon vor dem Aufbau.

Die Mitarbeiterin einer Ballonfabrik in Lübeck nähte im November 2012 die Stoffbahnen für die Hülle zusammen.

Beim Aufbau des "Big Air Package" im Gasometer waren vor allem die Fähigkeiten der Industriekletterer gefragt. Sie mussten aufpassen, dass die dünne Hülle nicht aufplatzte oder irgendwo am Metall aufriss. Der Schussakkord, dem drei Jahre penibler Planung vorausgingen. Christo hatte kurz nach dem Tod seiner Frau Jeanne-Claude die ersten Zeichnungen angefertigt.

Vor seiner Renaissance als Ausstellungskathedrale des Ruhrgebiets war der Gasometer knapp 60 Jahre lang ein Speicher für Gas. Zwischen 1927 und 1929 wurde er als Teil des Hüttenwerks Gute-Hoffnungs-Hütte gebaut. Im Gasometer wurde das Gas aus der Produktion der Eisenhütte zwischengespeichert, um die Öfen der benachbarten Kokerei Osterfeld kontinuierlich zu befeuern. Vor dem Bau des Gasometers musste Öl in der Kokerei verbrannt werden, wenn der Betrieb in den Hochöfen stockte und kein Gas entstand. Umgekehrt wurde das Gas nutzlos abgefackelt, wenn die Kokerei keinen Bedarf hatte. Deshalb rechnete sich der Betrieb des Gasometers bereits nach einem Jahr, wobei der Bau mehr als eine Million Reichsmark gekostet hatte.

Statt ihn nach seiner industriellen Nutzung abzureißen, wurde der Gasspeicher Anfang der 1990er Jahre als Teil der Internationalen Bau-Ausstellung (IBA) Emscher Park umgebaut. Viereinhalb Meter über dem Boden wurde die vorher bewegliche Gasdruckscheibe als zweite Ausstellungsebene fixiert. Sie sorgte durch ihr Gewicht früher für einen konstanten Druck des Gases im Behälter. Ein Panoramaaufzug fährt die Besucher zum Dach in 117 Meter Höhe, wo durch die Laterne, der früheren Belüftung, Tageslicht in den Gasometer fällt.

Rings um die ehemalige Gasdruckscheibe des Gasometers wurde ein Steg gebaut, der über eine breite Treppe zu erreichen ist. So wirkt die Scheibe wie eine große Manege.

Beim Blick nach oben offenbart sich die sakral anmutende Schönheit des Gasometers. Wenn nur durch die sogenannte Laterne Tageslicht fällt, verstärkt sich diese Wirkung noch.

Nur etwas für schwindelfreie Menschen ist der Blick vom Umlauf unter der Decke nach unten. Wer sich das nicht traut, kann aber auch die filigrane Dachkonstruktion aus Stahlträgern bewundern.

"Feuer und Flamme" hieß 1994 die erste im Gasometer gezeigte Ausstellung. Zum Abschluss der Internationalen Bauausstellung Emscher Park zeigte das Künstlerpaar Christo und Jean-Claude 1999 sein Raumprojekt "The Wall". Aus 13.000 bunten Ölfässern ließen sie die 26 Meter hohe Wand quer durch den Gasometer bauen. Seitdem haben zahlreiche Künstler, den imposanten Ausstellungsraum genutzt. Viele Ausstellungen wären wohl an keinen anderen Ort zu realisieren gewesen.

Das Kunstobjekt "Mineralflaschen" war eines von 56 Stücken, die zwischen Herbst 2001 und Frühjahr 2002 in der Ausstellung "Blaues Gold" präsentiert wurden. Im Kontrast zum Thema Wasser wurde der Boden in eine Wüstenlandschaft verwandelt.

Mittelpunkt der Ausstellung "Blaues Gold" war ein 50 Meter hoher, in blaues Licht gehüllter Kegel.

"Der größte Mond auf Erden", titelten die Macher 2009 zur Eröffnung der Ausstellung "Sternstunden - Wunder des Sonnensystems". Der originalgetreu nachgebildete Erdtrabant hatte einen Durchmesser von 25 Metern. Anlass der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) organisierten Schau war das internationale Jahr der Astronomie.

Ein Zuschauer sah sich 2009 den Nachbau der Sonne in der Ausstellung an.

Ein Nachbau des Planeten Saturn. Neben den Planeten wurden in der Ausstellung auch moderne und historische Instrumente der Astronomie gezeigt.

Die 43 Meter hohe Nachbildung eines Urwaldbaumes war Mittelpunkt der Ausstellung "Magische Orte - Natur- und Kulturmonumente der Welt". In der Schau waren 2011 auch Bilder und Fundstücke von 90 Welterbestätten der Unesco zu sehen.

Stand: 08.09.2019, 21:08

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