Nach Tod von Robert Enke: Was hat sich verändert?

Robert Enke.

Nach Tod von Robert Enke: Was hat sich verändert?

Von Nina Giaramita

  • Suizid von Robert Enke jährt sich zum zehnten Mal
  • Sportpsychologische Betreuung in Nachwuchsleistungszentren Pflicht
  • Zusätzlich Zentren für Seelische Gesundheit im Sport

Fast 30 Jahre arbeitet Roland Virkus nun schon für den Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach. Erst als Trainer, dann als Nachwuchsdirektor hat der 50-Jährige etliche Fußballer auf dem Weg zur Profi-Karriere begleitet - und hat dabei auch bittere Sportler-Momente miterlebt.

Psychologische Hilfe spielte dabei lange Zeit keine besonders große Rolle. Kurz nach dem Tod von Robert Enke wurde für den Gladbach-Nachwuchs jedoch ein Psychologe angestellt. "Man fängt immer erst dann an, wenn etwas passiert", so Roland Virkus.

Psychologen vorgeschrieben

Inzwischen schreibt der DFB mindestens einen psychologischen Mitarbeiter in den Nachwuchsleistungszentren der 1. und 2. Liga vor. "Was die im Detail machen sollen, ist nicht im Detail festgelegt", sagt Karl-Heinrich Dittmar, medizinischer Direktor von Bayer 04 Leverkusen.

"Eins ist klar", sagt Dittmar: "Das, was Spieler und Psychologe untereinander besprechen, darf nicht zum Trainer gehen." Trotzdem rät Psychiater Karsten Henkel, langjähriger Leiter der sportpsychiatrischen Sprechstunde der Uniklinik Aachen, sich als Spieler eine unabhängige Stelle zu suchen.

Aufklärung über Mythen

Inzwischen gibt es eine Reihe von ambulanten Therapeuten, die sich "mit den Besonderheiten des Sports auskennen". Zudem wurden nach dem Suizid von Robert Enke Zentren für Seelische Gesundheit im Sport gegründet - unter anderem in Aachen und Münster.

Die Fachleute müssen oft einige Mythen ausräumen. "Die Verschreibung von Antidepressiva wirkt sich zum Beispiel nicht auf die Leistung auf dem Platz aus", so Henkel. "Man kann problemlos weiter spielen."

Depression als Image-Problem

Die größte Schwierigkeit scheint jedoch weiter zu sein, eine Depression nicht als Ausdruck von Schwäche zu sehen. "Eine solche Krankheit steht eben ganz im Gegensatz zu dem Image vom strahlenden Sportler, der mental immer gut drauf ist", so Marion Sulprizio.

Die Sportpsychologin leitet die Initiative "Mental Gestärkt" an der Kölner Sporthochschule. Seit der Gründung 2011 haben sich rund 400 Betroffene an Sulprizio und ihre Kollegen gewandt - nicht nur Fußballer, auch Sportler aus anderen Bereichen.

Ähnliche Probleme im Frauenfußball

"Insgesamt muss man weiter daran arbeiten, dass der Gang zum Psychologen bei psychischen Problemen zur Normalität wird", sagt Sulprizio. Das wünscht sich auch Mediziner Karl-Heinrich Dittmar für den "testosteronbestimmten Fußball". "Im übrigen", sagt er, "gilt die Schwierigkeit, Schwächen zuzugeben, genauso für den Frauenfußball."

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Frau am Schreibtisch mit Computermonitor

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Stand: 09.11.2019, 07:00

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