Fünf Jahre Mindestlohn: Fluch oder Segen?

Kleine Figuren stehen an Münzhaufen - Symbolbild für Mindestlohn

Fünf Jahre Mindestlohn: Fluch oder Segen?

  • Vor fünf Jahren: Bundestag beschließt Einführung des gesetzlichen Mindestlohns
  • Noch immer laufen Debatten über Pro und Contra
  • Interview mit WDR-Wirtschaftsexperte Frank Christian Starke

Am 3. Juli 2014 hat der Deutsche Bundestag den Mindestlohn beschlossen. Inzwischen liegt er bei 9,19 Euro pro Stunde. Während die Gewerkschaften das Jubiläum feiern, warnen Wirtschaftsvertreter vor einer Erhöhung auf zwölf Euro.

Fünf Jahre Mindestlohn. Ein Erfolgsmodell?

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.07.2019 05:30 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 WDR 5

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Fünf Jahre Mindestlohn - ist das ein Grund zu feiern? Wir fragen Frank Christian Starke aus der WDR-Wirtschaftsredaktion.

Frank Christian Starke

Frank Christian Starkes Themen in der WDR-Wirtschaftsredaktion sind die Arbeitswelt und die Sozialpolitik. Der Redakteur beschäftigt sich mit den Hartz-Gesetzen, immer wieder mit Tarifrunden, Streiks und Schlichtungen. Fünf Jahre hat er auch von Berlin aus darüber berichtet, als WDR-Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio.

WDR: Die einen prophezeiten vor fünf Jahren den Untergang der deutschen Wirtschaft, die anderen erhofften das Ende der Ausbeutung. Wer hat Recht behalten?

Frank Christian Starke: Reihenweise haben sich die Experten mit negativen Prognosen regelrecht überholt: 250.000, 450.000 bis hin zu einer Million Arbeitsplätze sollten verloren gehen. Und aus heutiger Sicht kann man nur sagen: weit gefehlt. Verloren gegangen sind einige geringfügige Arbeitsplätze - rund die Hälfte davon wurden aber in volle Stellen umgewandelt. Insgesamt sind heute deutlich mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als vor fünf Jahren.

Fünf Jahre Mindestlohn - Erfolgsmodell mit Macken

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 26.06.2019 05:01 Min. Verfügbar bis 25.06.2020 WDR 5

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WDR: Welche Auswirkungen hatte der Mindestlohn insbesondere in NRW?

Starke: Ein Jahr nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde zog die NRW-Landesregierung eine positive Bilanz: Mindestens 500.000 Beschäftigte in NRW profitieren davon und verdienen mehr als vorher. Es gab keinen flächendeckenden Preisanstieg. Die Unternehmen haben wieder reingeholt, was sie mehr zahlen mussten: durch bessere Produktivität, eine Verdichtung der Arbeit teilweise, teils auch sicherlich durch kürzere Arbeitszeiten und auch durch niedrigere Gewinne.

WDR: Ist der Mindestlohn zu hoch oder zu niedrig?

Starke: Das ist eine Frage, wo man politisch steht. Diejenigen, die ihn für hoch halten, benutzen ganz ähnliche Argumente, wie in der Zeit vor der Einführung: Die Konjunktur würde abgewürgt, es gingen Arbeitsplätze verloren. Die andere Seite plädiert für zwölf Euro. Es wird angeführt, dass der jetzige Mindestlohn nicht reiche, um als Vollzeitarbeitender in einer Großstadt die hohen Lebenshaltungskosten zu bestreiten, eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erzielen oder für Alleinerziehende gerade in den Ballungsräumen mit dem Geld auszukommen.

Das Interview führte Susanne Schnabel.

Stand: 03.07.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

9 Kommentare

  • 9 Bernd 03.07.2019, 20:22 Uhr

    Der Mindestlohn geht zu lasten der Menschen die fleißig gearbeitet und gespart haben. Auf dem Sparbuch gibt's keine Zinsen mehr, aber durch den Mindestlohn wird alles immer teurer. Und auch die Menschen, die einen guten Job haben leiden unter dem Mindestlohn, da schlecht qualifizierte Menschen bald genau so viel verdienen wie gut ausgebildete. Währen eine Fachkraft früher das doppelte bis dreifache hatte, wird der Abstand zwischen echter Leistung und politisch erzwungener Umverteilung immer geringer. Der Mindestlohn ist unsozial gegenüber Sparen und leistungsorientierten Menschen. Wer sich anstrengt wird bestraft, wer kein Bock zu Lernen hat wird belohnt. Sozialleistungen müssen außerdem an Bedingungen geknüpft werden, damit der Mißbrauch der Sozialsystem ein Ende findet. Wir arbeiten ja nur noch für die anderen und nicht mehr für uns selbst.

    Antworten (1)
    • linux 03.07.2019, 22:14 Uhr

      "Währen eine Fachkraft früher das doppelte bis dreifache hatte, wird der Abstand zwischen echter Leistung und politisch erzwungener Umverteilung immer geringer." Selten so einen Unfug gelesen, "doppelt bis das dreifache"das muss wohl in einem anderen Land gewesen sein, kann mich nicht erinnern das es bei uns im Betrieb diesen "Verdienst" gab.

  • 8 Blome 03.07.2019, 18:27 Uhr

    Mir bringt der Mindestlohn nichts. Sobald ich aus der Gleitzone komme, zahle ich recht hohe Sozialabgaben. Wir haben als Familie leider einen schlechten Start. Mein Partner hat aus einer vorausgegangen Beziehung zwei Kinder und wir haben zusammen 3 Kinder. Wir arbeiten beide und haben schon allein durch Unterhaltsforderungen sehr wenig Geld zur Verfügung. Wir sind leider auf einem Hartz IV -Niveau. Es ist schade für unsere Familie. Wir sind bemüht und gehen beide arbeiten und es reicht nicht. Der Mindestlohn bringt nichts. Steuern und Sozialabgaben fallen ja hoch aus und Familien sind in diesem System uninteressant. Keiner hilft. Meine Kinder sind weniger wert als die Kinder von alleinerziehenden Menschen. Sehr schade. Urlaub ist gar nicht möglich. Sparen müssen wir, wenn etwas übrig bleibt für unsere Autos.

  • 7 Anonym 03.07.2019, 17:12 Uhr

    Dann sollte man auch mal drüber nachdenken,dass die Stunden bei einem Minijob auch mal mit angehoben werden müssen.

  • 6 Günter 03.07.2019, 13:57 Uhr

    Also aus meiner Sicht hat sich der Mindestlohn bewährt. Er ist zwar zu niedrig aber er hat die Spirale nach unten gestoppt. Und das Geld wird auch von den Angestellten erwirtschaftet. Sogar mehr als das. Die von den Arbeitgebern befürchteten Anstiege der Arbeitslosenzahlen hat es nicht gegeben. War ja auch ganz klar nur ein rein taktisches Manöver. Darum sage ich Leistung muss sich wieder lohnen darum muss der Mindestlohn ein bisschen schneller steigen.

    Antworten (1)
    • Brigitte 03.07.2019, 14:35 Uhr

      Ich denke genau das Gleiche! Gut erkannt! Die Ausbeutung muß ein Ende haben! Der Mindestlohn ist viel zu gering!

  • 5 einfachmachen 03.07.2019, 13:35 Uhr

    wir müssen verstärkt über die einführung des grundeinkommens nachdenken. das grundeinkommen für alle wird die kreativen köpfe unter uns zu bestleistungen motivieren, die ängstlichen unter uns aus der höhle locken und die wirklich hilflosen unterstützen. es braucht eine mutige neue politik, denn das alte rentensystem hat längst ausgedient, das wissen wir alle.

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    • Anonym 03.07.2019, 14:42 Uhr

      Richtig, ein neues Zeitalter braucht neue Lösungen! Die Gesellschaft muß an positive Veränderungen `ran! Die Mutlosen sollen sich mal trauen!

  • 4 Ralf Binder 03.07.2019, 12:51 Uhr

    Die Sozialausgaben des Staates sind explodiert. Steuern sind nicht für Lohnzahlungen der Unternehmer gedacht. Ungesteuerte Zuwanderung belastet auch das Sozialsystem, gesteuerte Zuwanderung ist fast ausschließlich Lohndumping (Fachkräfteeinwanderungsgesetz). Weltoffenheit für Zuwanderung ist Brandbeschleuniger aber nicht Ursache. Man kann aber auch ohne Ausland und Ausländer die Löhne drücken. Tarifflucht der Arbeitgeber ist ein Mittel, die Umwandlung von tarifgebundenen Vollzeitstellen in Leiharbeit und Minijobs ein anderes. Weltoffenheit für ungeregelte Märkte sind sind die Ursache für das Ende der Sozialen Marktwirtschaft durch Rot-Grün unter Schröder. Unternehmer haben vollkommen Recht, wenn sie auf die EU-Wettbewerbsfähigkeit hinweisen. Bei gewaltigen Unterschieden im Lohnniveau braucht man „Schröders besten Niedriglohnsektor“ mit Altersarmut in einem gemeinsamen EU-Markt ohne Zoll. Es funktioniert so kein auskömmlicher Mindestlohn, deshalb bin ich auch für die Auflösung der EU.

  • 3 Rheinländer 03.07.2019, 11:07 Uhr

    Der Mindestlohn ist eine Farce. Wer soll davon würdevoll leben, allein bei den Mietpreisen samt Nebenkosten? Urlaub ist gar nicht dran zu denken. Und das schlimmste: allesamt werden in der Rente noch ärmer sein. Im einem der reichsten Länder der EU schon ein Armutszeugnis. Zudem muss auch jedem klar sein: wer wenig Geld verdient, kann nicht viel konsumieren und hält die Wirtschaft so schon mal nicht am laufen.

  • 2 Harald B. 03.07.2019, 11:04 Uhr

    Andererseits muss man von einem Arbeitslohn auch leben können. Vor allem, wenn man Vollzeit arbeitet. Das hat nichts mit Wohltätigkeit zu tun, sondern das man für getane Arbeit einen angemessenen Lohn erwarten darf. Dumpinglöhne sind asozial. Besonders, wenn Konzerne darauf zurückgreifen, die hohe Gewinne einfahren.

  • 1 Claire 03.07.2019, 10:12 Uhr

    Ich finde, es wird zu wenig darüber nachgedacht, dass das Geld erst mal verdient werden muss. Verteilen ist immer schön einfach. Klar sollte man vom Gehalt leben können, aber wir sind nicht bei der Karitas.

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    • linux 03.07.2019, 15:33 Uhr

      "Klar sollte man vom Gehalt leben können, aber wir sind nicht bei der Karitas." Dumm nur das viele ihren eigenen Lohn über Steuern mit Finanzieren, dank Politik und gute Lobby Verbindungen.

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