Darum fallen NRW-Fahrschüler durch die Prüfung

Darum fallen NRW-Fahrschüler durch die Prüfung

  • Fahrschüler in NRW bestehen immer öfter Prüfungen nicht
  • Manche zocken - oder lernen nicht genug
  • Andere haben Angst zu versagen

"Der Prüfer konnte mich nicht leiden", "das hat mir mein Fahrlehrer nicht gesagt", "das habe ich noch nie geübt" - Fahrlehrer Ulf Imort aus Münster und Rainer Kiauka aus Gelsenkirchen hören ganz unterschiedliche Ausreden, weshalb ihre Schüler durch die Führerscheinprüfung rasseln.

"Hat mir keiner gesagt, dass ich da halten soll"

"Einmal hieß es: "Ich habe nur ein Mal nicht geguckt'", erzählt Fahrlehrer Ulf Imort. "Der Fahrschüler hat aber nicht erzählt, dass der Fahrlehrer eingreifen musste, um Schlimmeres zu verhindern."

Als ein Schüler in einem anderen Fall ein Stoppschild überfahren hat, war die Antwort: "Hat mir keiner gesagt, dass ich da halten soll."

NRW Fahrschüler aber besser als der Bundesschnitt

Die Durchfallquote bei der praktischen Führerscheinprüfung ist in NRW im vierten Jahr nacheinander gestiegen. Bei der Theorieprüfung fielen 2017 in Deutschland 39 Prozent der Anwärter durch, bei der praktischen Prüfung 32 Prozent.

NRW liegt unter dem Bundesdurchschnitt: 35 Prozent schafften die Theorie nicht und 28,9 Prozent nicht die Praxis.

Fahrschüler zocken und lernen nicht

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. "Bei der theoretischen Prüfung gibt es manche, die zocken", sagt Fahrlehrer Rainer Kiauka. Anstatt konsequent zu üben, lernen viele falsch und setzen nur auf das Kurzzeitgedächtnis.

Zittriger Fuß auf dem Gaspedal - Angst zu versagen

Frau hält Führerschein in der Hand

Für manche ist der Weg zum Führerschein länger

"Einige haben auch Probleme mit dem Nervenkostüm", erzählt Kiauka. "Die Angst zu versagen, ist größer geworden." Bei der praktischen Prüfung komme es auch vor, dass ein Fahrschüler wegen eines zittrigen Fußes falsch reagiert - das hat sein Kollege Imort schon erlebt.

Außerdem: "Oft werden Prüfungstermine um zwei Wochen verschoben, weil es zu wenige Prüfer gibt", kritisiert Kiauka. Das führe dazu, dass die Fahrschüler nicht mehr auf den Punkt fit seien. "Das ist, wie wenn ein Kuchen zu spät aus dem Ofen geholt wird."

Selbstständigkeit fördern

Aus Sicht von Fahrlehrer Imort haben bei den Fahrschülern auch Konzentrationsfähigkeit und Selbstdisziplin abgenommen. Seine Gegenmaßnahme: "Bei der Vorbereitung auf die Theorie lasse ich die Fahrschüler 20 Prüfungsbogen à 30 Fragen durcharbeiten, bevor sie zur Prüfung gehen."

Die Selbstständigkeit trainiert er zunächst mithilfe eines Fahrsimulators: "Der muss ohne Hilfe bedient werden." Auf der Straße lege er großen Wert auf das vorausschauende Fahren. "Wer rechtzeitig auf Dinge achtet, hat mehr Zeit zu reagieren."

Erstmal in den Fahrsimulator

Dieses Vorgehen ist offenbar erfolgreich. Nach Angaben von Fahrlehrer Imort bestehen nach seiner Methode 90 Prozent der Prüflinge die theoretische und 80 Prozent die praktische Prüfung.

Fahrschüler kämpfen mit Sprachbarrieren

WDR aktuell 13.02.2019 03:50 Min. Verfügbar bis 13.02.2020 WDR 2

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Stand: 13.02.2019, 12:46

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