Bäume in Not: bislang zu wenig Regen

Ein paar vereinzelte Fichten stehen in einem Waldstück auf trockenem Boden

Bäume in Not: bislang zu wenig Regen

Von Annika Franck

  • Deutlich weniger Regen als im langjährigen Mittel
  • Wärme und Trockenheit setzen Bäumen zu
  • Trotz Regen der letzten Tage ist Boden zu trocken

Ja, es hat in den vergangenen Tagen viel geregnet. Wer aber beim Waldspaziergang mit einem Spaten einige Zentimeter in die Erde sticht, sieht: Nur die oberen Zentimeter Boden sind wirklich feucht. Darunter herrscht Trockenheit. Denn insgesamt hat es in den vergangenen Monaten in NRW deutlich weniger geregnet als im langjährigen Mittel.

Vorläufige Schätzungen und Hochrechnungen der WDR-Wetterexperten zeigen, dass die Niederschläge zum Beispiel am Niederrhein bis Ende Mai nur 15 Prozent des langjährigen Mittels betrugen. Insgesamt also war der Frühling deutlich zu trocken. Und das hat Folgen für den Wald in NRW.

Trockenstress bei den Bäumen

Dass die aktuellen Daten keine reine Momentaufnahme sind, zeigt ein Blick in den Waldzustandsbericht 2019: Demnach weist nur etwa jeder fünfte Baum in NRW keine Schäden auf. Neben Stürmen und Schädlingen ist es vor allem die Trockenheit, die den Bäumen zu schaffen macht. Trockenstress nennen Wissenschaftler diesen Zustand.

Den Kronen gehen die Blätter aus

Wie groß der Trockenstress eines Baumes ist, zeigt der Zustand Baumkronen. 81 Prozent der Bäume in NRW leiden an Kronenverlichtung: Die Blätter und Nadeln werden braun, kleiner, weniger. Der Baum wächst nicht mehr so gut. "Die Kronenverlichtung ist ein Anzeiger für die gesamte Vitalität eines Baumes", sagt Andreas Marx vom Dürremonitor am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Vor allem der Zustand der Fichten sei "erschreckend schlecht", weiß auch Bertram Leder vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

Schäden an den Bäumen in NRW

In NRWs Wäldern gibt es vier so genannte Hauptbaumarten. Alle Arten weisen erhebliche Kronenschäden auf.

Fichten: 30 Prozent Anteil in NRWs Wäldern, 42 Prozent Schäden

Buchen: 19 Prozent Anteil, 82 Prozent Schäden

Eichen: 17 Prozent Anteil, 88 Prozent Schäden

Kiefern: 8 Prozent Anteil, 82 Prozent Schäden

Bei Dürre haben die Bäume zu wenig Feuchtigkeit, um Photosynthese zu betreiben. Photosynthese ist entscheidend für Wachstum und Überleben der Bäume. "Durch die Dürre 2018/19 hat wahrscheinlich auch das Feinwurzelsystem etwa der Buchen gelitten", erklärt Leder. Daher können die Bäume weniger oder kein Wasser aufnehmen. Dieser Trockenstress schwächt das Wachstum der Bäume und macht sie eher angreifbar für Schadinsekten und Pilze.

Wenn der Baum eine Embolie bekommt

Wenn bei Wärme und Trockenheit viel Wasser aus den Blättern verdunstet und gleichzeitig im Boden zu wenig Feuchtigkeit ist, um den Baum zu versorgen, können sich außerdem in den Leitgefäßen des Baumes Luftbläschen bilden – so genannte Embolien. Die können zum Tod des Baumes führen.

Trotz des Regens gibt es daher keinen Grund zur Entwarnung, betonen Marx und Leder. Insgesamt seien im Durchschnitt nur die obersten zehn Zentimeter des Waldbodens feucht, sagt Leder. "Im Norden und Osten NRWs sieht es im Oberboden ganz gut aus", fügt Andreas Marx hinzu.

Aber das reicht nicht. Bei Starkregenfällen fließt das Wasser meist oberirdisch ab. In die tieferen Schichten – dort, wo die Wurzeln der Bäume sind – kommt das Wasser nicht. Dazu bräuchte es mehrere Wochen dauerhaften Landregen. Das ist nicht immer schön für Spaziergänger im Wald. Für die Bäume und den Boden aber lebensnotwendig.

Hitze und Dürre: Wie wir uns dem Klimawandel anpassen Quarks Folge 22 24.09.2019 44:35 Min. UT DGS Verfügbar bis 24.09.2024 WDR

Stand: 19.06.2020, 06:00

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