Friedhöfe werden für die Kirche zu teuer

Viele Friedhöfe rechnen sich für die Kirchengemeinden nicht mehr

Friedhöfe werden für die Kirche zu teuer

Von Marion Feldkamp

  • Friedhöfe sind vielen Kirchen zu teuer geworden
  • Weniger Erdbestattungen, mehr Urnengräber
  • Zahl der Bestattungen wird weiter zurückgehen

Die Kosten für Friedhöfe laufen in NRW aus dem Ruder. Allein über Gebühren können viele Kirchengemeinden die Ausgaben nicht mehr decken. Hauptgrund für die Defizite in den Friedhofs-Haushalten: Die veränderte Bestattungskultur. Es gibt immer mehr Urnenbestattungen, während die Zahl der Erdbegräbnisse abnimmt.

Die Gebühren für eine Grabstelle werden unter anderem nach ihrer Größe berechnet. Und da ein Urnengrab deutlich günstiger ist als eine Bestattung im Erdgrab, sinken die Einnahmen. Die freien Flächen, die angesichts dieses Trends entstehen, müssen aber weiterhin gepflegt werden.

Im gesamten Bistum Münster schreibt von den rund 230 Friedhöfen inzwischen etwa die Hälfte rote Zahlen. Die Kirchengemeinden in Ostbevern, Milte und Freckenhorst haben ihre Friedhöfe komplett an die Kommunen abgegeben.

Das Bistum greift den Kirchengemeinden bei der Friedhofs-Unterhaltung finanziell nicht unter die Arme. Die Budgets müssen komplett aus den Grabstätten-Gebühren gedeckt werden. Und wenn hier dauerhaft eine Lücke klafft, wenden sich die Kirchen an die Stadt oder Gemeinde.

Städte übernehmen Friedhöfe

Möglich ist dann, dass die Kommune zunächst einen Zuschuss zahlt. Wenn dieser langfristig nicht ausreicht, kann eine Stadt die Friedhöfe auch komplett übernehmen. Denn grundsätzlich müssen die Städte und Gemeinden Friedhöfe vorhalten. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Dominique Hopfenzitz geht von weiter sinkenden Bestattungs-Zahlen aus

Dominique Hopfenzitz: Weiter sinkende Bestattungs-Zahlen

"Die finanzielle Schieflage wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen", sagt Dominique Hopfenzitz, Anwalt aus der Rechtsabteilung des Bistums Münster. Wegen des demografischen Wandels werde die Zahl der Bestattungen um mindestens ein Viertel, wenn nicht gar ein Drittel einbrechen.

Bistümer Köln und Paderborn weniger stark betroffen

In den Bistümern Köln und Paderborn ist die Lage nicht so angespannt. Dort gibt es in den Kirchengemeinden Freiwillige, die zum Beispiel die Grünpflege übernehmen. Die Höhe der Gebühren wird von jeder Kirchengemeinde selbst festgelegt.

Einen generellen Trend zur Aufgabe von Friedhofs-Trägerschaften stellt das Bistum Paderborn noch nicht fest. Aber: Vieles sei im kirchlichen Bereich nur durch das Engagement von Ehrenamtlichen möglich, sagt ein Bistums-Sprecher. Aber auch diese Spielräume würden zunehmend kleiner.

Bei der evangelische Kirche in Westfalen sind bislang zwei der 321 Friedhöfe an die Kommunen abgegeben worden. Dies habe aber keine Konsequenzen für die Gemeindemitglieder. Begräbnisse und Trauerfeiern gebe es dort weiterhin, so Sprecher Andread Duderstedt.

Stand: 15.02.2019, 06:30

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