Auch rund 1.000 Schüler in Köln folgten dem Aufruf von Fridays of Future

Fridays for Future: Tausende demonstrieren gegen Putin

Stand: 03.03.2022, 20:44 Uhr

Einige Tausend überwiegend junge Menschen haben am Donnerstag in mehreren NRW-Städten gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. Sie fordern, trotz Krise den Klimaschutz nicht zu vergessen.

Wie der Name schon sagt, finden die "Fridays for Future"-Demos gewöhnlich freitags statt. Doch der Ukraine-Krieg hat den Zeitplan verändert: Bereits am Donnerstag gingen in mehreren NRW-Städten tausende Schüler und Schülerinnen auf die Straße. Sie folgten damit einem Aufruf ukrainischer Klimaschützer, die zu weltweiten Protesten aufriefen, erklärten die Organisatoren.

Kundgebung in Köln mit rund 2.000 Jugendlichen

In Köln demonstrierten Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Heumarkt in der Innenstadt. Laut Polizei versammelten sich rund 2.000 Jugendliche. Alles sei friedlich gelaufen, so ein Polizeisprecher.

"Putin to Den Haag" forderten Jugendliche bei einer "Fridays-for-Future"-Demo in Köln

Auf einem Transparent forderten Teilnehmer sinngemäß, dass wegen des Angriffs auf die Ukraine der russische Staatspräsidenten Wladimir Putin als Kriegsverbrecher vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden müsse: "Putin to Den Haag", hieß es.

Schüler des Konrad-Gymnasiums Wesel bei ihrem Sternmarsch zur zentralen Kundgebung aller fünf weiterführenden Schulen Wesels für Frieden in der Ukraine

Unabhängig vom Aufruf von "Fridays for Future" forderten in Wesel nach Angaben der Polizei rund 2.000 Schüler und Schülerinnen auf einer Kundgebung Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Auf Plakaten hieß es dort unter anderem "Stop Putin" oder "Krieg ist keine Lösung".

Demonstration gegen den Ukraine-Krieg in Essen

In Essen kamen laut Polizei einige Dutzend Teilnehmer zu einer Kundgebung zusammen. In Soest versammelten sich rund 150 Menschen, darunter auch Mitglieder der "Fridays for Future"-Bewegung, zu einer Mahnwache und brachten ihr Mitgefühl für die Menschen in der Ukraine zum Ausdruck.

Fridays for Future protestiert in Hamburg gegen Ukraine-Krieg

20.000 protestieren in Hamburg

Protestaktionen wurden aus anderen Bundesländern gemeldet: In Hamburg kamen rund 20.000 Teilnehmer zusammen, in Berlin laut Polizei rund 5.000.

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Klimaschützer in der Zwickmühle

Demonstranten in Wesel halten Schilder mit den Farben der ukrainischen Flagge in die Luft

Protest in Wesel

Die jungen Demonstranten verurteilen einerseits den russischen Angriffskrieg mitten in Europa. Gleichzeitig können sie nicht akzeptieren, dass angesichts der neuen Situation sich die so dringende Energiewende weiter verzögert. Doch selbst Klimaminister Robert Habeck (Grüne) sieht aktuell keine Möglichkeit, an den Ausstiegplänen für Kohle und Atomkraft festzuhalten.

Habeck sagte am Mittwoch im Deutschlandfunk: "Kurzfristig kann es sein, dass wir vorsichtshalber, um vorbereitet zu sein für das Schlimmste, Kohlekraftwerke in der Reserve halten müssen, vielleicht sogar laufen lassen." Auch die Bundesnetzagentur betonte, Versorgungssicherheit habe jetzt Priorität. Die Behörde könnte nun entscheiden, dass Braunkohle-Kraftwerke über den geplanten Zeitraum hinaus am Netz bleiben werden.

Deutsche Abhängigkeit von russischer Energie

Archivbild: Luisa Neubauer hält ein Schild "Stop the War" auf einer Friedensdemonstration gegen den Ukrainekrieg (27.02.2022)

Luisa Neubauer

"Fridays for Future"-Sprecherin Luisa Neubauer ist sich des Problems bewusst. Die Tatsache, dass 50 Prozent der deutschen Energie-Importe von Russland abhingen, mache die Regierung "wahnsinnig erpressbar", erklärte Neubauer im WDR. Ihr Fazit: "Unterm Strich finanzieren wir diesen Krieg mit - mit unseren Stromrechnungen."

100 Milliarden für die Bundeswehr. Und für das Klima?

Die Pläne, Laufzeiten für Kohlemeiler zu verlängern, um unabhängiger von russischem Gas zu werden, sieht "Fridays for Future" kritisch. Die Intensivierung fossiler Energien könne nicht die Antwort sein, wenn "nebenbei" die Klimakrise weiter eskaliere, sagte Neubauer. "Wenn der politische Wille da ist, die Bundeswehr mit 100 Milliarden Euro aufzurüsten, wo ist der Wille, die Energiesysteme aufzurüsten?" Regenerative Energien könnten nicht nur die Klimakatastrophe verhindern. Sie seien zudem "die friedlichsten und demokratischsten Energien".

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