Schunkeln, schimpfen, schreien - XXL-Demos fürs Klima

#NeustartKlima: Globaler Aktionstag "Fridays for Future" Aktuelle Stunde 29.11.2019 UT Verfügbar bis 06.12.2019 WDR Von Claudia Weber

Schunkeln, schimpfen, schreien - XXL-Demos fürs Klima

Von Susanne Schnabel

  • Am Freitag fand der vierte globale Klimastreik statt
  • Fridays-for-Future-Demos für Klimagerechtigkeit in NRW
  • Kölsche Bands unterstützten die Aktionen

In NRW haben am Freitag (29.11.2019) zehntausende Menschen in vielen Städten mit Plakaten, Aktionen und lautstarken Slogans für das Klima demonstriert. Vor dem Düsseldorfer Landtag forderten die Aktivisten von der Politik mehr Einsatz für den Klimaschutz. "Tempolimit 130 - gut fürs Klima" oder "Klima-Mogelpaket" war auf Plakaten zu lesen.

In Köln haben Bands wie Brings oder Bläck Fööss die Aktionen der Umweltaktivisten unterstützt und die Demonstranten bei ihrem Auftritt zum Schunkeln animiert. Unbekannte hatten kurz vor Beginn der Proteste mehrere Kölner Schulgebäude-Fassaden mit Graffitis besprüht und Eingangstüren blockiert.

Auch in Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Essen, Münster, Recklinghausen oder Wuppertal haben zigtausende Menschen demonstriert.

Fridays for Future - Bilder aus NRW

Fridays for Future in Köln

Die größte Demo in NRW findet in Köln statt. Die angepeilte Teilnehmerzahl von 20.000 kann laut Polizei aber nicht erreicht werden.

Die größte Demo in NRW findet in Köln statt. Die angepeilte Teilnehmerzahl von 20.000 kann laut Polizei aber nicht erreicht werden.

Musiker von Kölschbands wie Brings, Höhner, Bläck Fööss und Cat Ballou unterstützen die Aktivisten und treten auf.

In Düsseldorf versammeln sich die Demonstrierende vor dem Landtag und verlangen lautstark von der Politik mehr Einsatz für den Klimaschutz.

Auf der Düsseldorfer Luxusmeile Kö verdrängen die Aktivisten die "Black-Friday"-Einkäufer - wenngleich auch nur kurzzeitig.

Von Recklinghausen, Datteln, Waltrop, Castrop-Rauxel und Oer-Erkenschwick aus sind Teilnehmer mit Bussen zum Kraftwerk Datteln 4 gefahren, um zu demonstrieren. Vor dem Kraftwerk gibt es eine halbstündige Kundgebung mit etwa 300 Teilnehmern.

In Dortmund zieht ein bunter Demozug mit rund 6.000 Teilnehmern quer durch die Stadt. "Wir machen Stimmung fürs Klima", sagt Sprecher Julius Obhues. "Alle Generationen sind vertreten."

Etwa 7.500 Menschen gehen in Münster auf die Straße. Dort haben auch viele Eltern - Parents for Future - zum Protest aufgerufen. Es sei keine Zeit mehr zu verlieren auch in den Städten, die für 80 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich seien, betonen die Teilnehmer.

Rieke Spündel aus Münster macht als "Elefant" auf das große und schwere Thema Klimawandel aufmerksam.

Die Polizei schätzt die Anzahl der Teilnehmer in Bielefeld auf rund 2.000. Die Aktivisten treffen sich zunächst auf dem Kesselbrink und ziehen dann durch die Innenstadt. 360 sind mit dem Rad unterwegs.

In Soest versammeln sich mehr als 200 Menschen an der Stadthalle. Mit dabei sind zum Beispiel Jugendgruppen, Vereine und kirchliche Organisationen.

Am Viehofer Platz in Essen halten Wissenschaftler Reden, bevor der Demonstrationszug mit knapp 4.000 Teilnehmern startet. Mit dabei sind Studierende, Eltern, Betriebe und viele Schülergruppen.

In Aachen gibt es viele Einzelaktionen. Los geht es um 12 Uhr mit einer "Ladenparade" durch die Adalbertstraße. Danach gibt es laut Veranstalter einen Demonstrationszug mit rund 2.000 Teilnehmern durch die City.

Zu dem startet in Aachen eine Protest-Fahrradtour und die Artists for Future servieren "Klimahäppchen". Am Abend gibt es eine Tanzdemo.

In Wuppertal-Elberfeld laufen rund 1.500 Teilnehmer über die Hauptverkehrsstraße B7. Dann geht es weiter zu einer Kundgebung.

Eine der vielleicht kleinsten Demos im Land gibt es in Wermelskirchen. Ohne viel Werbung vorab, wie die Organisatoren sagen, sind rund 60 Demonstranten gekommen. Darunter auch die Kinder einer Kita.

Guter Zeitpunkt für die Demonstationen

Fridays-for-Future (FFF)-Sprecher Quang Paasch

Fridays-for-Future-Sprecher Quang Paasch

Der Zeitpunkt für die vierte große Klima-Demonstration passte an diesem Freitag besonders gut: Der Bundesrat hatte am Morgen wichtige Teile des Klimapakets der Bundesregierung vorerst gestoppt und am kommenden Montag (02.12.2019) startet die UN-Klimakonferenz in Madrid. "Deutschland wird dort mit leeren Händen dastehen", sagte Quang Paasch, ein Sprecher von Fridays for Future (FfF).

"Das Klimapaket der Bundesregierung ist angesichts der weltweiten Herausforderungen durch die bereits begonnene Klimakatastrophe Pillepalle und eine Bankrotterklärung", so Quang. "Wir brauchen in der Klimapolitik einen kompletten Neustart."

"Fridays for Future" landesweit WDR aktuell 29.11.2019 Verfügbar bis 06.12.2019 WDR Von Renate Streit

Zahlreiche Organisationen ... for Future

Pädagogen, Parents, Grandparents, Scientists, Feminists, Entrepreneurs und sogar Yoga for Future – sie alle unterstützen die Jugendlichen.

"All diese '... for Future' nehmen wir dankend an", sagte Paasch. "Das zeigt, wie vielfältig die Bewegung ist. Besonders freuen wir uns über die Unterstützung der Wissenschaftler."

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"Sorge vor Rechtsaußen ist größer als vor dem Klimawandel"

In einem Statement von Scientists for Future heißt es über die Ideen der FfF- Bewegung: "Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei Weitem nicht aus."

Professor Volker Quaschning von Scientists for Future

Professor Volker Quaschning von Scientists for Future

Volker Quaschning, Berliner Professor für Regenerative Energiesysteme und Mitbegründer von Scientists for Future, kritisiert die Politiker, die offenbar Angst hätten, noch mehr Wähler an die AfD zu verlieren: "Die Sorge vor Rechtsaußen ist größer als vor dem Klimawandel."

Stand: 29.11.2019, 16:50

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