Lehrer zu "Fridays for Future"-Demos

Schüler demonstrieren

Lehrer zu "Fridays for Future"-Demos

  • Weitere Klima-Proteste am Freitag (22.03.2019)
  • Wuppertaler Lehrer Arne Ulbricht begrüßt Engagement von Schülern
  • Schüler sollten Verhalten der Eltern mehr in Frage stellen

Arne Ulbricht ist als Lehrer und Autor tätig. Er unterrichtet an einer Gesamtschule in Wuppertal Französisch und Geschichte und hat mehrere Bücher zum Thema Schule geschrieben.

WDR: Finden Sie es gut, dass die Schüler auf die Straße gehen?

Arne Ulbricht

Arne Ulbricht unterrichtet an einer Wuppertaler Gesamtschule

Arne Ulbricht: Ich finde es absolut richtig, dass die Schüler politisch agieren. Das hat man vorher auch schon beobachten können – mit dem Aufkommen der AfD und der sogenannten Flüchtlingskrise. Jetzt erleben wir es gerade wieder. Das finde ich grundsätzlich toll.

WDR: Dennoch sind Sie nicht ganz einverstanden mit den Klimastreiks.

Ulbricht: Als ersten Coup finde ich es total gut, dass sie entschieden haben, zu streiken. Dadurch haben sie eine große mediale Aufmerksamkeit bekommen. Man sollte jetzt aber dazu übergehen, die Demos außerhalb der Schulzeit zu organisieren.

Greta Thunbergs NRW-Geschwister Westpol 17.02.2019 UT DGS Verfügbar bis 17.02.2020 WDR

Zum Beispiel am Montagnachmittag, so wie bei den Montags-Demos in der ehemaligen DDR. Man würde damit nochmal ein ganz anderes Signal senden und vor allem würden viele Erwachsene mitmarschieren.

WDR: Die Schüler sagen, man würde viel mehr über die Schulpflicht diskutieren als über die eigentlichen Forderungen.

Ulbricht: Dieses Argument wäre hinfällig, wenn man nicht mehr während der Schulzeit demonstrieren würde. Abgesehen davon machen es sich viele Politiker sehr einfach – indem sie den Schülern vorwerfen, nur schwänzen zu wollen.

Klimahelden in NRW – was jeder tun kann Quarks 19.03.2019 45:04 Min. UT DGS Verfügbar bis 19.03.2024 WDR Von Katharina Adick, Reinhart Brüning, Kerstin Gründer, Daniel Haase, Sonja Kolonko, Falko Risi

WDR: Wie erleben Sie persönlich die Schüler in Sachen Einsatz fürs Klima?

Ulbricht: Das Problem ist, dass einigen Schülern das Klima ziemlich egal ist. Die lassen sich überall hinfahren und kämen nicht auf die Idee, ihren Eltern zu sagen: Das ist nicht gut fürs Klima. Es gibt einige, die damit angeben, in welche Skigebiete sie fahren und fliegen nach Mallorca oder von Düsseldorf nach Paris. Das, finde ich, hat dann auch etwas Unehrliches.

WDR: Spielen da nicht die Eltern eine große Rolle?

Ulbricht: Ja, mein Lieblingsthema sind die Elterntaxis. Ich hole meine Kinder immer zu Fuß ab oder mit dem Bus. Da stehen die Autos dann schon Schlange. Die Kinder sollten ihren Eltern ruhig kritische Fragen stellen - zum Beispiel: Papa, warum haben wir einen SUV? Dieses Auto wird inzwischen in Deutschland am öftesten verkauft.

WDR: Und die Rolle der Politik?

Ulbricht: Ich habe den Eindruck, dass es momentan vor allem darum geht, Fahrverbote zu verhindern. Man will die autofahrenden Wähler nicht vergrätzen – die sind viel wichtiger als das Klima. Da verstehe ich die große Wut einiger Schüler. Ich bin auch wütend darauf.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 22.03.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

11 Kommentare

  • 11 Holliday 23.03.2019, 10:22 Uhr

    Hallo André, wenn ich deine Kommentare hier lese, habe ich den Eindruck, dass du dich für ein ganz besonders schlaues Köpfchen hältst. Meinst du ernsthaft deine Mitmenschen sind alle vollkommen ahnungslos und blöde? Die haben vermutlich alle deutlich mehr Lebenserfahrung. - Denk mal drüber nach!

  • 10 Alter Schwede o. Voltaire 22.03.2019, 17:45 Uhr

    Hat Greta Thunberg ,Auslöser dieser Demonstrationen, wohl letzte Tage auch schon wieder das Ende dieser Demos eingeleitet? Ausgerechnet Atomkraft als Lösung des CO2 Problems in BRD zur Sprache zu bringen, klingt eher nach schwedischer Lobbyarbeit hinter und mit ihr, denn als Vorbild Grüner Politik? Sollten nicht auch die Kids, die ihr so willig folgen, in den nächsten Wochen in den Schulen, Freitags vielleicht, über Framing und "Eigenen Willen" aufgeklärt werden?

  • 9 RGGK 22.03.2019, 17:39 Uhr

    Ich habe in Wuppertal nachher die Schüler am Hals, die H. Ulbricht unterrichtet hat, und die leider erschreckend wenig Kenntnisse aus der Schule mitbringen. . Ich würde H. Ulbricht dringend empfehlen guten Unterricht zu machen, anstatt Schüler für seine vermutlich linke Einstellung einzuspannen.

  • 8 Willi Winzig 22.03.2019, 16:51 Uhr

    Hinweis für die demonstrierende Generation Smartphone / Internet: Allein für den Betrieb des Internets werden 4 Großkraftwerke a´750 MW benötigt, auch nachts und bei Windstille...

    Antworten (1)
    • André 22.03.2019, 18:41 Uhr

      Ja dann werf doch dein Smartphon weg ( sorry : bring es zum Sondermüll ) und trommele oder gib Rauchzeichen.

  • 7 Greta for Kernkraft 22.03.2019, 16:06 Uhr

    Schulfrei, ein gutes Gewissen und dann noch von der Internetgemeinde und den üblichen Berufsjugendlichen mit tosendem Beifall belohnt----und das alles für eine Stunde lang ein paar Pappschilder hochhalten! Wer wäre da nicht zu seiner Schulzeit mit dabei gewesen?!!! Und bald sind ja Osterferien, da geht es dann ganz ökologisch mit Mami und Papi (oder den Freunden) per Flugzeug nach Malle oder Barcelona oder mit dem Auto nach Österreich/Schweiz in die schneekanonenbeschneiten Abhänge zum Skifahren......auch die Demos machen dann Osterferien.

  • 6 Eugen 22.03.2019, 15:05 Uhr

    Man sollte nicht nur einseitig den Verkehr als Umweltsünder bezeichnen. Es gibt etwas, was jeder sofort tun könnte und was auch sofort wirkt: Keine Vernichtung und kein Wegwerfen von Lebensmitteln (zB. Butterbrote), Vermeidung von Plastikmüll durch Kaffeebecher, Plastikflaschen und Verpackungsmüll (Müsli-, Schokoriegel & Co.), ferner das sogenannte "Home Office" usw. Das Home Office habe ich selbst praktiziert und bin als Berufsverkehrspendler gut damit gefahren. Aber es gibt dabei noch viel Beton in Köpfen zu zerschlagen. Ferner Stillegung von Fleischfabriken und Vermeidung von Nitrat durch Gülle im Grundwasser. Man muss auch nicht mit dicken Autos zum Bäcker oder Briefkasten oder zur Kita fahren. Das Fahrrad tut es auch

    Antworten (1)
    • André 22.03.2019, 18:45 Uhr

      Über 50 % der Belastung werden durch Massentierhaltung verursacht. Wenn dann noch die Produktion von Erdbeeren, Avocados und anderen zur Unzeit produzierten Waren/Obst/Gemüsen eingestellt würde, wären wir noch weiter.

  • 5 Nadine 22.03.2019, 14:57 Uhr

    Sollten die Demos außerhalb der Schulzeit fallen, dann wird sich die Zahl der Demonstrierenden drastisch reduzieren, so viel ist sicher :-) Was tut man nicht alles, um schulfrei zu bekommen.

  • 4 Leser 22.03.2019, 14:28 Uhr

    Wo bleiben eigentlich die Plakate und das Zubehör nach der Veranstaltung?

  • 3 Max Otto 22.03.2019, 11:41 Uhr

    Wer eine politische Demo als Schulprojekt veranstaltet muss entlassen werden. Stellt euch vor, Björn Höcke hätte Schüler zur Demo in Chemnitz mitgenommen; er ist auch Lehrer. Nach Schulschluss hat jeder das Recht zu demonstrieren. Wenn es zum Thema im Unterricht passt, hat auch jeder Schüler das Recht seine Meinung dort zu äußeren. Auch Lehrer und Journalisten haben sicher eine Meinung. Bei ihrer Aufgabe sind sie aber zur Neutralität verpflichtet; das funktioniert bei beiden Berufsgruppen nicht mehr. Beim Schutz der Kinder vor Radikalen hat man an Linke, Rechte und religiöse Fanatiker gedacht, die Öko-Radikalen hat man übersehen und das ist jetzt die Konsequenz. Für soziale Gerechtigkeit geht kein Schüler auf die Straße; daher kann man die vielen befristet eingestellten Lehrer sehr bequem loswerden. Das Beamtenrecht kenne ich nicht so genau; daher kann ich nicht abschätzen, welche Folgen eine solche Pflichtverletzung haben kann.

    Antworten (1)
    • Bjoern 22.03.2019, 13:40 Uhr

      Bernd Höcke! nicht Björn :-)

  • 2 Helga 22.03.2019, 11:28 Uhr

    Herr Ulbricht hat völlig recht. Diese SUV´s braucht kein Mensch. Jeder sollte sein Verhalten und seinen Konsum mal hinterfragen und entsprechend handeln.

  • 1 Fred 22.03.2019, 11:27 Uhr

    Die Welt in der wir Leben besteht seit Milliarden von Jahren. Seit dieser Zeit gab es tausende von Klimaänderungen. Dies wird auch weiter so sein. Niemand hat der Gattung , welche sich als Mensch bezeichnet, eine Überlebensgarantie gegeben. Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten. Ungeachtet dessen sollte mit der Umwelt sorgsam umgegangen werden. Wer dies ernsthaft möchte, der sollte in der realen Welt (Landwirtschaft, produzierende Industrie) arbeiten und damit zeigen, dass er es besser kann. Alles andere ist Kasperletheater.

    Antworten (1)
    • André 22.03.2019, 18:47 Uhr

      .. sagt ein Kaspar.

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