Nach Freispruch von CSD-Teilnehmer: Polizisten unter Gewaltverdacht

Das NRW Landgericht hat eine neue Strafkammer gegen Sexualstraftäter

Nach Freispruch von CSD-Teilnehmer: Polizisten unter Gewaltverdacht

Von Nina Magoley und Christina Zühlke

  • Emotionale Stimmung bei Freispruch am Kölner Landgericht
  • Schwuler Mann war wegen Widerstands gegen Polizeibeamte angeklagt
  • Offenbar hatten diese selber brutale Gewalt angewandt

Sichtlich berührt sprach der zuständige Richter am Kölner Landgericht den Angeklagten am Freitag (05.04.2019) frei. Als Vertreter eines Staates, den er "für den bestmöglichen" halte, schäme er sich nun für diesen. Er bat den Angeklagten nach dessen Freispruch um Entschuldigung.

Was war passiert? Beim Kölner CSD 2016 war der heute 28-jährige in einem Schnellrestaurant in einen Streit geraten. Die herbeigerufenen Polizeibeamten haben den schmächtigen jungen Mann laut Gericht brutal geschlagen und getreten, gefesselt und stundenlang auf der Polizeiwache festgehalten.

Vorwurf: Widerstand gegen Beamte

Später fand sich der Mann vor Gericht wieder: Beschuldigt wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung. Er habe Polizisten am Rande des CSD beleidigt und verletzt, so der Vorwurf. Das Amtsgericht konnte diesen Vorwürfen nicht folgen und sprach den Mann in erster Instanz frei. Schon damals sagte die Richterin, dass die Polizisten unangemessen reagiert hätten.

Die Staatsanwaltschaft allerdings legte Berufung gegen das Urteil ein. Der Prozess kam vor das Kölner Landgericht und endete am Freitag erneut mit dem Freispruch des Mannes - und Tränen der Betroffenheit im Gerichtssaal.

Dem ARD-Magazin Monitor, das den Fall von Anfang an verfolgt hat, sagte der ehemals Angeklagte nach dem Freispruch, er sei sehr erleichtert, dass nach drei quälenden Jahren nun endlich Gerechtigkeit herrsche. Dass der Richter während der Urteilsverkündung mehrmals um Fassung ringen musste, habe ihn "sehr berührt".

Polizistin hatte gegen Kollegen ausgesagt

Als wichtige Zeugin hatte unter anderem eine ehemalige Kommissaranwärterin ausgesagt, die bei dem Einsatz 2016 dabei war. Sie schilderte das brutale Vorgehen ihrer Kollegen, die den hageren jungen Mann mit einem sogenannten "Blendschlag" zu Boden gestreckt hätten und ihn wiederholt - auch noch gefesselt - geschlagen und getreten hätten.

Der Richter bezeichnete das als ebenso "unverhältnismäßig" wie den anschließenden Arrest und eine Blutentnahme, die weder von einem Staatsanwalt angeordnet noch von einem Richter genehmigt worden war.

Die Kommissaranwärterin war kurz nach dem Zwischenfall beim CSD durch ihr abschließendes Berufspraktikum gefallen. Sie klagte vor dem Verwaltungsgericht und bekam zwei Jahre später das Recht ihre Prüfung zu wiederholen. Mit Bestnoten bestanden ist sie nun als Kommissarin tätig.

Nun soll die Staatsanwaltschaft in der kommenden Woche entscheiden, ob gegen drei Kölner Polizeibeamte ermittelt werden muss, die sich nach Ansicht des vorsitzenden Richters wegen Körperverletzung im Amt schuldig gemacht haben. Ein gleich nach dem Vorfall 2016 eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen die Beamten war bereits nach kurzer Zeit eingestellt worden.

Stand: 07.04.2019, 16:00

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