Schulmilch-Report: Vorwürfe gegen das Land NRW

Schulmilch-Report: Vorwürfe gegen das Land NRW

  • Streit um Kakao im NRW-Schulmilchprogramm geht weiter
  • Foodwatch prangert Verflechtungen an
  • Marketingaktionen der Milchwirtschaft

In der Debatte um die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im NRW-Schulmilchprogramm hat Foodwatch die Landesregierung scharf kritisiert. Milchwirtschaft, Wissenschaftler und Politik seien seit Jahrzehnten miteinander verflochten, heißt es im sogenannten Schulmilch-Report. Diesen Bericht hat die Verbraucherorganisation am Mittwoch (10.10.2018) in Düsseldorf vorgestellt.

350.000 Euro für Werbung an Schulen

"Die Milchwirtschaft in NRW bekommt nicht nur den offiziellen Auftrag der Landesregierung, sondern auch noch Steuergelder, um Werbung für ihre Produkte direkt im Unterricht zu machen", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Das Land bezahle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft jährlich rund 350.000 Euro, um Unterrichtseinheiten und Lehrmaterialien zu gestalten.

Bis zu 90 Prozent gezuckerte Milchprodukte?

Tanks und Leitungen in einer Molkerei.

Milchproduktion in Großmolkereien

Die Gewinne der Schulmilchlieferanten sind laut Foodwatch abhängig von der Kakao-Auslieferung. Interne Protokolle von Treffen zwischen Landesumweltministerium und Milchwirtschaft weisen daraufhin, so Foodwatch, "dass zuletzt 80 bis 90 Prozent der an den Schulen verkauften Trinkpäckchen gezuckerte Milchprodukte waren".

Zuckergehalt "fast wie Fanta"

"Lieferanten wie Landliebe drohen mit einem Stopp der Schulmilchlieferung, wenn Kakao nicht länger gefördert wird", so Foodwatch. Der Zuckeranteil im Schulmilch-Kakao von Landliebe bewege sich "fast auf dem Niveau von Fanta". Friesland Campina, Produzent der "Landliebe"-Produkte, teilte auf WDR-Anfrage mit, dass Schulen und Kindergärten selbst entscheiden könnten, ob sie im Rahmen des Schulmilch-Programms auch Kakao oder ausschließlich pure Milch anbieten. Das Unternehmen habe außerdem stets den Fokus seiner Kampagnen in Schulen auf Milch gelegt - nicht auf Kakao.

Milchwirtschaft: "Reine Kampagne"

Aus Sicht der Landesvereinigung der Milchwirtschaft handelt es sich "bei den Aktivitäten von Foodwatch um eine reine Kampagne, die die Realität der Kinder im Schulalltag ausblendet". Ein Verbot von Kakao führe dazu, dass noch mehr Softdrinks den Schulhof eroberten. Kinder würden als Alternative eben nicht reine Milch trinken.

Schulmilchprogramm soll überprüft werden

Das Schulmilchprogramm soll nach dem Willen von Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) nach den Sommerferien überprüft werden. Bei der letzten Erhebung im vorletzten Schuljahr lag laut Ministerium der Anteil von Kakao und anderen Milchmischgetränken in Schulen bei 63 Prozent, auf Milch ohne Aromen entfielen 37 Prozent.

Süße und klebrige Getränke

WDR 2 Servicezeit | 31.08.2018 | 02:47 Min.

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Stand: 10.10.2018, 16:06

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