Braunkohletagebau-Folgen noch lange spürbar

Braunkohletagebau Hambach

Braunkohletagebau-Folgen noch lange spürbar

Von Jürgen Döschner

  • Streit über die Folgekosten des Braunkohleabbaus
  • Braunkohleexperte: RWE-Rückstellungen "völlig unangemessen"
  • RWE: "Rückstellungen sicher und in der Höhe angemessen"

Die Braunkohle ist nicht nur wegen ihrer klimaschädlichen Wirkung in der Kritik. Die gigantischen Tagebaue sind auch beispiellose Eingriffe in Landschaft und Natur - mit Folgen, die nach Expertenmeinung weit über das Ende des Kohleabbaus hinausgehen.

Seit Jahren wird über die Dimension dieser Schäden und die möglichen Kosten gestritten. RWE hat rund 1,6 Milliarden Euro für die Wiedernutzbarmachung der Tagebaugebiete zurückgestellt. Doch es gibt Zweifel, ob diese Summe ausreicht und ob RWE sie in Zukunft überhaupt aufbringen kann.

Im Februar Antrag auf Akteneinsicht gestellt

Um mehr Klarheit in diese Debatte zu bringen, hatte der WDR im Februar 2017 einen Antrag bei der zuständigen Bergaufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Arnsberg, gestellt, um Einsicht zu bekommen in die dort unter Verschluss gehaltenen Dokumente zu den langfristigen Folgen des Tagebaus. Lange hatte sich RWE gegen die Offenlegung gesperrt, zuletzt sogar gerichtlich. Nun liegen die Dokumente vor.

Zu den wenigen konkreten und vergleichsweise neuen Angaben gehören diese zwei Zahlen: Die Schäden durch den Tagebau im Bereich der Wasserwirtschaft - zum Beispiel Austrocknung von Feuchtgebieten, Verunreinigung von Trinkwasservorräten, Absinken des Grundwasserspiegels - werden im Einzelfall noch bis zum Jahr 2350 zu spüren sein. Das sagt ein von RWE selbst in Auftrag gegebenes Gutachten, das die Bezirksregierung Arnsberg auf Antrag des WDR jetzt veröffentlicht hat. Die Summe, die RWE für die Beseitigung dieser Schäden zurückhält, beträgt nach Angaben des Unternehmens jedoch nur 165 Millionen Euro.

BUND: Betrag "völlig unangemessen"

Dirk Jansen, Braunkohleexperte des Umweltverbandes BUND, hält diesen Betrag für "völlig unangemessen". Das Beispiel bestätigt nach Auffassung von Jansen die grundsätzlichen Zweifel an den Angaben von RWE. Diese Zweifel beträfen nicht nur die Höhe der Rückstellungen; es sei auch unsicher, ob RWE diesen Verpflichtungen überhaupt nachkommen könne.

RWE bleibt bei seiner Darstellung

Das Essener Energieunternehmen RWE hingegen bleibt bei seiner Darstellung, wonach die Rückstellungen sicher und in der Höhe angemessen seien. Diese Auffassung teilt auch die Bezirksregierung. Dabei stützt sie diese Einschätzung unter anderem auf die Feststellung, dass Bund und Land an der Kohleverstromung bis 2050 festhalten. Ob das so bleibt, ist jedoch fraglich.

Schon die Debatte über eine mögliche "Jamaika-Koalition" und einen damit verbundenen vorzeitigen Kohleausstieg haben die Aktien der Braunkohleunternehmen kurz nach der Bundestagswahl auf Talfahrt geschickt.

Stand: 26.09.2017, 14:07