Flut-Opfer trifft Retter: "Ohne Sie würde ich hier nicht stehen!"

Flut-Opfer trifft Retter: "Ohne Sie würde ich hier nicht stehen!"

Erika Steding wäre beim Hochwasser in Ahrweiler ertrunken, wenn Nikolaus Joannidis ihr nicht das Leben gerettet hätte. Nach einer zweimonatigen Suche - auch im WDR-Fernsehen - hat sie ihn gefunden.

Erika Steding ist nervös, als sie, einen gelben Blumenstrauß - Rosen und Sonnenblumen - und eine Packung Pralinen unter den Arm geklemmt, durch die Innenstadt von Ahrweiler in Rheinland-Pfalz läuft. Endlich trifft sie ihn: Den Mann, der ihr vor knapp zwei Monaten beim Hochwasser in der Stadt das Leben gerettet hat.

„Ich freu mich so, diesen Menschen zu sehen. Ich bin ganz aufgeregt", erzählt die blonde Dame in dem luftigen Sommerkleid der WDR-Reporterin, die sie begleitet. "Ich weiß auch gar nicht, was ich sagen werde oder was ich sagen kann, weil da gibt’s ja eigentlich keine Worte zu.“

Erika Steding und Nikolaus Joannidis umarmen sich sofort

Dann sieht sie Nikolaus Joannidis, der 37-Jährige wartet mit einem breiten Lächeln. Sie geht auf ihn zu und die beiden umarmen sich sofort, intuitiv, drücken sich fest.

"Ohne sie in der Nacht würde ich hier nicht stehen. Ich hätte es nicht geschafft da hoch", sagt Erika Steding dann zu ihm, ihre Stimme zittert. Auch Nikolaus Joannidis ist ergriffen, sagt, jeder hätte wie er gehandelt. "Nein, nein!", widerspricht Erika Steding.

Erika Steding trifft ihren Lebensretter Nikolaus Joannidis

Erika Steding wollte ihren Retter Nikolaus Joannidis unbedingt wiederfinden.

Er brachte sie durch die Wassermassen bis nach Hause

Die Flut am 15.7 in Ahrweiler

Erika Steding war mit ihrer Geschichte auch im WDR-Fernsehen: Am 15. Juli bringt sie ihr Auto wegen des heftigen Regens in Sicherheit - als sie zu Fuß zurück nach Hause will, geht ihr das Wasser schon fast bis zur Hüfte. Dazu gibt es eine extreme Strömung. Erika Steding verliert ihre Schuhe, krallt sich an einer Mauer fest. Allein kommt sie hier nicht weg. Sie schreit um Hilfe.

Zum Glück ist Nikolaus Joannidis in der Nähe. Er zögert keine Sekunde, stemmt sich durch die Wassermassen hindurch zu ihr hinüber. Dann nimmt er sie an die Hand und hilft ihr nach Hause. Zwischendurch schützt er sie mit seinem Körper vor dem Wasser und den Gegenständen, die damit durch die Stadt geschwemmt werden. An der Haustür sagt sie "danke", dann ist er auch schon verschwunden.

Erika Steding sucht ihren Retter bei Facebook

"Wenn dieser junge Mann mir nicht geholfen hätte, ich hätte die Kraft nicht gehabt. Ich wäre ertrunken, ich wäre da nicht mehr weggekommen", sagt Erika Steding. Nach dem Schock wird ihr klar: Sie muss ihren Retter unbedingt finden. Deshalb schreibt sie einen Aufruf bei Facebook und hofft, dass sie Glück hat: "Ich schulde ihm mein Leben und möchte mich bei ihm bedanken." Auch der WDR berichtet im Fernsehen und bei Facebook.

... und findet ihn mit Hilfe von Kawkab Hasan

Erika Steding hat Glück: Der Aufruf wird Tausende Male geteilt. Und dann schreibt ihr eine Frau - Kawkab Hasan. Auch sie ist an diesem Tag von Nikolaus Joannidis gerettet worden - acht Menschen hat er insgesamt geholfen - und Kawkab Hasan weiß, wer er ist.

So wurde dieses Treffen möglich. Und es wird nicht das letzte sein: Nikolaus Joannidis ist gerade zum fünften Mal Vater geworden. Seine Familie sucht eine größere Wohnung oder ein Haus in Ahrweiler. Für Erika Steding ist klar: Sie will ihm dabei helfen.

Stand: 07.09.2021, 20:23

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