Flut.Geschichten: "Wir müssen nach vorne gucken - zurück geht nicht mehr!"

Flutgeschichten Frank Poschmann Hagen Hohenlimburg

Flut.Geschichten: "Wir müssen nach vorne gucken - zurück geht nicht mehr!"

In unseren "Flut.Geschichten" erzählen Betroffene der Flutkatastrophe 2021 ihre persönliche Geschichte. Sie schildern ihre Probleme und Gedanken, die nach dem Hochwasser entstanden sind.

Heute sind wir bei Frank Poschmann aus Hagen-Hohenlimburg. Er und seine Frau wollen ihre Rente in ihrem Traumgarten verbringen. Die Flut zwingt sie dazu, alles nochmal zu überdenken - sein Protokoll.

"Wenn man da hingefallen wäre, wäre man da nicht wieder raus gekommen." Frank Poschmann

"Das war eigentlich das, worauf wir unsere Zukunft spekuliert hatten. Und wir wollten eigentlich, dass das unser Refugium ist, unser gemeinsames Hobby, wo man sich auch zurückziehen kann. Ja, so ist es jetzt nun mal nicht gekommen...

Flutgeschichten Frank Poschmann Hagen Hohenlimburg

Die Straße ist plötzlich ein reißender Fluss. Unser gesamter Garten steht bis zum Gartentor unter Wasser und wir verstanden die Welt nicht mehr. Dann stand plötzlich unser Sohn mit seiner Freundin in der Tür und hat gesagt: "Ihr müsst unbedingt hier raus!" Meine Frau wollte nicht raus, die wollte das einfach - wie man manchmal so ist - nicht aufgeben. Nur rational gesehen wäre das Wahnsinn gewesen.

Dann hat mein Sohn uns einzeln an die Hand genommen und uns auf die andere Straßenseite geführt. Da mussten wir nur aufpassen, weil da irgendwelche Balken oder Bretter angeschwommen kamen, dass die einen nicht von hinten umhauen. Wenn man da hingefallen wäre, wäre man da nicht wieder raus gekommen, würde ich mal so sagen. Ich glaube, dass das die gefährlichste Situation war. "

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"Ich habe immer Bücher aufbewahrt. Und jetzt musste ich sie leider selbst wegwerfen." Frank Poschmann

"Ich bin nun mal ein Sammler - zum Bedauern meiner Frau. Aber die ist gar nicht so viel anders gestrickt. Als das Wasser gestiegen ist, hat man versucht, alles so hoch wie möglich zu legen. Zum Beispiel habe ich sehr viele Schallplatten. Dann habe ich aber eine ganze Reihe Bücher vergessen. Vorne aus dem Fenster sind Bücher raus geflogen und man sah immer nur diesen Bücherberg, der wuchs und wuchs und wuchs. Das mit anzusehen war ein Trauerspiel. Ich habe immer Bücher aufbewahrt. Das war mein persönlicher Kampf gegen Bücherverbrennung. Und jetzt musste ich sie leider selbst wegwerfen. Das hat mir in der Seele weh getan.

Flutgeschichten Frank Poschmann Hagen Hohenlimburg

Im Keller habe ich einige Weinflaschen gehabt. Das ging so an die 1.000 bis 1.500 Flaschen. Und da hatte ich dann auch Flutweine. Die waren alle verschlammt. Mit mehreren Freunden wurde jede einzelne Flasche gewaschen. Natürlich sind jetzt viele Etiketten ab, aber das macht dem Inhalt ja nichts. Die sind jetzt alle bei meinem Sohn im Keller und da liegen sie jetzt in Sicherheit. Hoffentlich alle im Trockenen."

"Ich möchte nicht über mehrere Jahre eine Übergangslösung haben." Frank Poschmann
Flutgeschichten Frank Poschmann Hagen Hohenlimburg

"Für uns war das ein Paradies, für die Kinder war das ein Paradies. Die hatten hier sämtliche Freiheiten. Deshalb ist mein Sohn auch so drauf erpicht und sagt: "Wir verkaufen das nicht! Ich kümmere mich drum, dass wir hier wieder was machen." Nur in welcher Form das stattfindet, dass muss er alleine entscheiden. Da möchte ich mich nicht mehr einmischen.

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Das wird eine Baustelle über mehrere Jahre sein. Und ich möchte nicht über mehrere Jahre eine Übergangslösung haben. Ich weiß nicht, wie lange wir noch gesund sind. Und wir werden uns hier so ein kleines Blockhaus hin bauen, ein kleines Chalet oder ein Gartenhaus. Und wir werden den Garten wieder aufbauen. Wir müssen nach vorne gucken. Zurück geht nicht mehr!"

Protokoll: Julius Schmidt

Stand: 06.10.2021, 06:00

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