Flut.Geschichten: "Wir kamen nicht mehr raus"

Flutgeschichten Altena Feuerwehr Mike Jabor

Flut.Geschichten: "Wir kamen nicht mehr raus"

In unseren "Flut.Geschichten" erzählen Betroffene der Flutkatastrophe 2021 ihre persönliche Geschichte. Sie schildern ihre Probleme und Gedanken, die nach dem Hochwasser entstanden sind.

Heute sind wir bei Feuerwehrmann Mike Jabor. Er ist 35 Jahre alt und seit 17 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Altena aktiv. Erst jetzt wurde ihm das Risiko seines Hobbys wirklich bewusst - sein Protokoll.

"Wir dachten uns, es wird schon nichts Wildes sein." Mike Jabor

"Der Augenblick, der in Erinnerung bleibt ist der, als die Leute im Dunkeln an ihren Haustüren standen, mit ihren Armen gewunken und gerufen haben: „Bitte helft uns!“ und wir konnten nichts tun und mussten die Leute da in ihrem Leid stehen lassen.

Die Alarmierung zum Unwetter kam in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli. Wir lagen natürlich alle im Bett und wurden zu einem ganz normalen Unwetter-Einsatz hier zur Feuerwehr gerufen. Wir hatten noch ein bisschen Spaß am Anfang unter Kameraden und dachten uns: ´Es wird schon nichts Wildes sein´. Aber dann kam ein Ereignis nach dem anderen..."

"Wir haben dann mit einer einfachen Bierbank die Fensterscheibe vom Fahrzeugtor eingeschlagen." Mike Jabor

"Die Fluten kamen den Berg herunter und rollten bei den Anwohnern durch die Haustür rein und hinten wieder raus. Das konnte man nicht glauben, auch nicht, wenn man es selbst gesehen hat. Man wusste auch nicht, wie es mit den Häusern aussieht, ob das alles noch sicher war. Deswegen war es auch die richtige Entscheidung, die Leute zu evakuieren - die wurden zu uns gebracht.

Flutgeschichten Altena Feuerwehr Mike Jabor

Wir haben uns dann dafür entschieden, dass wir drinnen bleiben. Währenddessen kam das Geröll die Straße runter und hat unser Tor zugeschüttet. Wir kamen nicht mehr raus. Aber bis dahin war alles gut, weil wir saßen ja immer noch im Trockenen.

Und dann sahen wir, wie es aus unseren Toiletten herauskam, das war ein kleiner Schock-Moment und es musste schnell gehen. Wir haben dann mit einer einfachen Bierbank die Fensterscheibe vom Fahrzeugtor eingeschlagen. Da stand das Wasser schon ziemlich hoch."

"Wir haben alle Familie zuhause, da macht man sich schon ganz andere Gedanken." Mike Jabor

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"Den Verlust des Kameraden aus dem anderen Löschzug hatten wir im Laufe des Tages gar nicht mitbekommen. Als wir das dann hörten, dass der Kamerad es nicht geschafft hat, stellt man ganz viel infrage.

Flutgeschichten Altena Feuerwehr Mike Jabor

Ob es einem wirklich so viel wert ist, weil wir es halt nur als Hobby tun, um anderen zu helfen - als Ehrenamt. Wir haben alle Familie zuhause und wenn man dann mitbekommt, dass es auch ganz anders laufen kann und dass man eventuell doch nicht heile nach Hause kommt, da macht man sich schon ganz andere Gedanken."

Protokoll: Julius Schmidt

Stand: 18.10.2021, 20:31

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