Soll man die Sicherheit am Flughafen verstaatlichen?

Soll man die Sicherheit am Flughafen verstaatlichen?

  • Kötter Security steigt vorzeitig aus Verträgen für Flughafenkontrollen in NRW aus
  • Gewerkschaft der Polizei will Aufgaben verstaatlichen
  • GdP-Vorstand Röder: "Sicherheit sollte dem Staat mehr wert sein"

Die Sicherheitskontrollen an den NRW-Flughäfen werden von privaten Unternehmen durchgeführt. Die Aufsicht in Düsseldorf und Köln/Bonn führt allerdings die Bundespolizei, in kleineren Flughäfen sind die Bezirksregierungen zuständig. Viele Akteure, die mit einer sensiblen Aufgabe betraut sind. Zu viele?

Tim Röder ist in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Vorstand der Bundespolizei in NRW.

WDR: Das Sicherheitsunternehmen Kötter, das an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn Fluggäste kontrolliert, steigt vorzeitig aus seinen Verträgen aus. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Tim Röder: Ich war sehr überrascht, als ich davon erfahren habe. Das macht mich zutiefst betroffen für die 1.100 Kötter-Arbeitnehmer in Düsseldorf.

WDR: An den NRW-Flughäfen gab es immer wieder Probleme mit Kötter Security. Können private Anbieter überhaupt zufriedenstellend für die Sicherheit an Flughäfen sorgen?

Tim Röder (Gewerkschaft der Polizei)

Tim Röder (Gewerkschaft der Polizei)

Röder: Das kann man so pauschal nicht sagen. Allerdings kritisieren wir seit Jahren, dass die derzeitige Sicherheitsstruktur an den deutschen Flughäfen eine große Anzahl an Risiken birgt. Aus unserer Sicht gehört diese hoch prägnante Aufgabe in staatliche Hände zurück. Ideal wäre eine Bundesanstalt des öffentlichen Rechts, die für die Flugsicherheit zuständig ist. Ich bin der Meinung, die Sicherheit sollte dem Staat generell mehr Wert sein. Ob Polizei, Feuerwehr oder andere – ein etwas höherer Einsatz für diese Kräfte wäre wünschenswert. 

WDR: Wo lägen die Vorteile einer solchen Verstaatlichung?

Röder: Momentan sieht es so aus, dass sehr viele Behörden auf unterschiedlichen Verantwortungsebenen an der Flughafensicherheit beteiligt sind. Eine Bundesanstalt könnte das alles bündeln, man hätte zum Beispiel die Einstellungen, Aus- und Fortbildungen in einer Hand. Ein weiterer Vorteil: Es entstünde ein klares Berufsbild des Luftsicherheitsassistenten, mit einer geregelten Ausbildung. Das fehlt derzeit.

WDR: Was ist mit den derzeit privat angestellten Sicherheitsmitarbeitern, wenn die Kontrollen wieder komplett in staatliche Hände gelegt würden?

Röder: Es ist denkbar, dass man in eine zukünftige Bundesanstalt Mitarbeiter integriert, die derzeit bei privaten Anbietern beschäftigt sind. Am Münchener Flughafen wird das beispielsweise schon gemacht.

 Das Interview führte Peter Neuhaus.

Flughafen Düsseldorf: Kötter gibt auf

00:19 Min. Verfügbar bis 29.10.2020

Stand: 29.10.2019, 13:18

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