Flüsterasphalt - Wunderbelag mit Macken

Auf der A46 bei Wuppertal wird an der neuen Asphaltdecke gearbeitet

Flüsterasphalt - Wunderbelag mit Macken

Von Nina Magoley

  • Flüsterasphalt soll Lärmentstehung durch fahrende Autos mindern
  • Vielerorts Probleme in NRW
  • Straßen.NRW experimentiert an Alternative
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Auf den ersten Blick sieht die A52 bei Essen gut aus: Schon seit zwei Jahren liegt dort Flüsterasphalt. Und genauso lange dürfen Autofahrer dort nur Tempo 80 fahren- um den Asphalt zu schonen.

Dabei braucht Flüsterasphalt nach Angaben von Straßen.NRW eigentlich nur etwa acht Wochen Schonzeit. Dann soll der dünne Bitumenfilm, der sich anfangs auf der Oberfläche befindet, abgefahren sein und kann bei jedem Tempo befahren werden.

Im Fall der A52 aber habe sich die "Griffigkeit auf der Fahrbahn bisher nicht eingestellt", erklärt Straßen.NRW. Mindestens bis Ende des Jahres soll das Tempolimit weiter gelten.

Probleme auch auf anderen Autobahnen

Auch auf der A59 bei Duisburg macht der Asphalt Probleme. Schon nach vier Jahren bröckelt er. Um ihn zu erneuern, muss die Autobahn gesperrt werden. Auf der A40 bei Essen musste der Flüsterasphalt ebenfalls erneuert werden, ebenso auf der A3 bei Oberhausen.

Eigentlich soll Flüsterasphalt das Abrollgeräusch fahrender Autos reduzieren. Im Vergleich zu herkömmlichen Straßenbelägen enthält er deswegen einen größeren Anteil grober Gesteinskörner. Durch diese entstehen Hohlräume in der Fahrbahnoberfläche, die den Schall schlucken sollen.

Der Nachteil: Flüsterasphalt hält nur etwa zehn Jahre, eine normal asphaltierte Autobahn etwa 20. In NRW sind rund 80 Kilometer mit dem speziellen Belag beschichtet - hauptsächlich auf stark belasteten Strecken wie der A57 oder dem Kölner Ring.

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"Das Beste, was wir haben"

"Im Normalfall funktioniert dieses Material gut", sagt Christoph Dröge, Bautechniker bei Straßen.NRW. Beim Thema Lärmschutz sei es derzeit "das Beste, was wir haben". Allerdings ist die Verarbeitung anspruchsvoll: So müssten die Steine von guter Qualität sein, die Wetterverhältnisse beim Verlegen des Belags stimmen "und wir müssen mehrere tausend Tonnen Material heiß auf die Baustelle kriegen". Das mache die Bauweise fehleranfällig.

Dazu kommt laut Dröge ein weiteres Problem: Altert der Bitumen, der die Steine hält, zerfällt schnell die ganze Struktur, "sodass sich Schlaglöcher schnell vergrößern". Dennoch hält Dröge den Flüsteraphalt für zukunftsfähig. Immerhin halbiere er "gefühlt" den Verkehrslärm.

Dennoch experimentiere Straßen.NRW aktuell mit einem eigens patentierten Asphalt, der eine dichtere Zusammensetzung und bessere Bindemittelfähigkeiten habe. Mehr als 1.000 Quadratmeter Testfläche seien schon gelegt - so auf einigen Brücken und auf der A4 am südlichen Kölner Ring. Ob dieses Material etwas tauge, müsse man abwarten.

Flüsterasphalt Planet Wissen 03.06.2016 00:29 Min. Verfügbar bis 07.04.2021 SWR

Stand: 07.09.2019, 14:01

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2 Kommentare

  • 2 Roger Eichler 23.09.2019, 09:42 Uhr

    Wenn auf "Flüsterasphalt" nur Tempo 80 gefahren werden darf, dann hat er seinen Zweck schon mindestens teilweise erfüllt. Autos mit Tempo 80 lärmen deutlich weniger als solche mit Tempo 120 plus. Der Begriff "Flüsterasphalt" ist trotzdem arg beschönigend. Da wird bestimmt nicht "geflüstert" sondern im besten Falle "weniger laut gebrüllt". Der beste Lärmschutz ist immer noch: Weniger Autoverkehr plus Tempolimit.

  • 1 Franz Josef Hauke 06.09.2019, 17:24 Uhr

    Der Flüsterasphalt ist technisch in der Praxis nicht möglich. Theoretisch unter Laborbedingungen, beeinflußt er die Schallquelle rollende Rad. In der Praxis verhindern die Umweltbedingungen wie Regen, Wind, Sonne sowie unterschiedliche Beanspruchung der Fahrbahnen eine Lärmminderung. Ferner besteht der Lärm einer Autobahn zu 60% aus Luftschall, was die Aufgabe des Flüsterasphalt, besonders für den Preis und das Versprechen der Mischwerke nicht rechtfertigt. Weiterhin haben Toleranzen in den Mischwerken, Transport und Einbau des Materials sehr großen Einfluss auf das Ergebnis. Um die Aufgabe zu erfüllen, muss die Einbauzeit, Sperrung der Fahrbahnen, Aushaertezeiten ohne Belastung etc vervierfacht werden. Nicht realitätsnah...... Lange hat es keiner gemerkt...

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