Wieder mehr Asylbewerber - die aktuelle Entwicklung im Überblick

Wieder mehr Asylbewerber - die aktuelle Entwicklung im Überblick

Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist in diesem Jahr wieder angestiegen. Die meisten Menschen kommen aus Syrien - viele auch aus Afghanistan. Die Zahlen auf einen Blick.

In Deutschland und der Europäischen Union haben wieder mehr Menschen Asyl beantragt. Im August seien in der EU rund 40 Prozent mehr Asylanträge gestellt worden als zur gleichen Zeit im Vorjahr, sagte die Chefin der europäischen Asylbehörde Easo, Nina Gregori, der Funke Mediengruppe.

Deutschland: Mehr als ein Drittel mehr Asylanträge

In Deutschland stieg die Zahl der Erstanträge auf Asyl um mehr als ein Drittel, so das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Bis Ende September nahm die Behörde 100.278 Erstanträge entgegen. Das sind 35,2 Prozent mehr als im Jahr 2020, das allerdings stark von der Corona-Pandemie, den geschlossenen Grenzen und der weitgehenden Einstellung des Flugverkehrs geprägt war.

In Nordrhein-Westfalen kommen von den Menschen, die in diesem Jahr einen Erstantrag gestellt haben, etwa 21.000 unter. Die Zahl berechnet sich nach dem "Königsteiner Schlüssel", der jährlich je nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl der Bundesländer ermittelt wird. Für NRW lag die Verteilungsquote zuletzt bei etwa 21 Prozent.

Die meisten Asylbewerber kommen aus Syrien und Afghanistan

Die meisten Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die erstmals in Deutschland Asyl-Schutz beantragten, kamen auch in diesem Jahr aus Syrien, Afghanistan und Irak. In Afghanistan haben im August die militant-islamistischen Taliban die Macht übernommen. Die Lage galt aber auch vorher schon als äußerst instabil.

Nur die wenigsten Asylbewerberinnen und Asylbewerber aus Afghanistan seien im August über die Luftbrücke nach Deutschland gekommen, so Migrationsforscher Gerald Knaus in der Aktuellen Stunde des WDR. Die meisten seien - über den Landweg - schon seit Jahren unterwegs.

Denn: "Es ist extrem schwierig für Afghanen, ihr Land zu verlassen. Es ist extrem schwierig für Afghanen, aus dem Iran in die Türkei zu kommen. Und es ist extrem schwierig, aus der Türkei nach Griechenland zu kommen", so Knaus.

Bis September hat das Bundesamt 15.045 Asyl-Erstanträge von Afghaninnen und Afghanen verzeichnet. In der Zeit der Europäischen Flüchtlingskrise waren es deutlich mehr - im Jahr 2016 mehr als 127.000.

Easo-Chefin: Aus Afghanistan könnten noch viele Menschen kommen

In der ganzen EU habe es seit August rund 10.000 Asylanträge von Afghaninnen und Afghanen gegeben, so die Easo-Chefin Gregori.

"Wir sehen bisher keine Bewegungen von Afghanen aus Afghanistan, die nach Europa kommen", betonte sie. Man beobachte aber die Situation in Afghanistans Nachbarländern sehr genau, wo derzeit Hunderttausende Schutz suchten. "Wir müssen uns auf eine schwere Situation der Migrationsbewegung aus Afghanistan nach Europa vorbereiten", mahnte Gregori.

Situation an Grenze zu Belarus "sehr ernst"

Vervielfacht hätten sich die Anträge in Litauen und Lettland durch Flüchtlinge, die über Belarus kämen. "Die Situation in den Ländern an der belarussischen Grenze ist sehr ernst", sagte die Chefin der EU-Asylbehörde den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte erklärt, er werde Flüchtlinge auf dem Weg in die EU nicht mehr aufhalten. Seither mehren sich Meldungen über versuchte Grenzübertritte von Belarus nach Polen und Litauen. Von dort werden die Menschen nach Erkenntnissen der Bundespolizei zum Teil von Schleusern nach Deutschland gebracht.

Stand: 17.10.2021, 20:28

Aktuelle TV-Sendungen