Integration: Minister will Sprachkurse nachbessern

Integration: Minister will Sprachkurse nachbessern

  • 600 Millionen Euro bundesweit für Flüchtlings-Sprachkurse
  • Kritikpunkt von Stamp: Kurse heterogen zusammengesetzt
  • Im Einzelfall mehr Zeit für Deutsch-Kurse gefordert

Zur Diskussion über Integrationskurse

Mehr als 600 Millionen Euro hat der Bund allein im vergangenen Jahr für Integrationskurse ausgegeben. Eine Stange Geld. Ziel dieser Sprachkurse soll das so genannte Sprachniveau B 1 sein. Dieser Abschluss gilt als Minimalvoraussetzung, um eine Arbeit aufnehmen zu können.

Nur die Hälfte besteht den Test

Der neue Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Joachim Stamp

Integrationsminister Stamp

Aber nur die Hälfte der Migranten und Flüchtlinge schafft den Test. Jetzt fordert NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) eine Qualitätsoffensive. Das Anforderungsniveau in den Kursen sei für viele Teilnehmer zu hoch, die Lernziele passten zu oft nicht zur Vorbildung der Migranten. Damit bestätigt Stamp Recherchen, über die der WDR am Mittwoch (10.10.2018) berichtete.

Ein weiterer Kritikpunkt des Ministers: Die Kurse sind völlig heterogen zusammengesetzt. 20-Jährige lernen zusammen mit über 60-Jährigen. Manche haben in der Heimat studiert, andere noch nie eine Schule besucht.

Akademiker zusammen mit Analphabeten

"Es kann nicht sein, dass man Analphabeten zusammen mit Akademikern unterrichtet.“ Da müssten sich die Dinge dringend verbessern. Das ist eine Kritik, die auch sehr häufig von Lehrkräften und Kursteilnehmern kommt.

Ursprünglich seien die Kurse für gut gebildete Migranten konzipiert worden, erklärt der Flüchtlingsrat NRW. Für arabisch sprechende Menschen seien sie deshalb oft zu schwer, auch weil der Anteil der Menschen ohne nennenswerte Vorbildung wachse.  Das führe zu Frustration bei Flüchtlingen und Migranten. Immer mehr brechen die Kurse frühzeitig ab.

Sprache als Schlüssel zur Integration - Deutschkurse für Flüchtlinge (30.09.2015)

WDR 5 Leonardo | 30.09.2015

Bessere Finanzierung, mehr Kontrolle

Stamp fordert vom Bund eine bessere Finanzierung der Kurse. Die Unterrichtsklassen müssten homogener zusammen gesetzt werden, im Einzelfall brauche es auch mehr Zeit, um Deutsch zu lernen. Im Gegenzug sollen die Kursanbieter die Teilnehmer stärker in die Pflicht nehmen, ihre Anwesenheit genauer überprüfen, den Lernstand regelmäßig überprüfen.

Hände mit Bleistift und Kugelschreiber vor Sprachkurs-Unterlagen

Minister: Mehr Zeit im Einzelfall

Und: Der Integrationsminister will mehr Menschen ermöglichen, an solchen Kursen teilzunehmen. Davon sollen vor allem Flüchtlinge profitieren, bei denen ein Bleiberecht noch nicht endgültig geklärt ist, die aber bis dahin wahrscheinlich länger in Deutschland bleiben werden.  

Hier ist Platz für Ihre Meinung.

Stand: 10.10.2018, 06:00

Kommentare zum Thema

10 Kommentare

  • 10 Daniel Fassbender 11.10.2018, 18:42 Uhr

    Schade, dass diese Erkenntnisse weder in den Schulen (Inklusion, Schulpflicht von Flüchtlingskindern) noch in der Erwachsenenbildung (Anerkennung von ausländischen Abschlüssen) angewendet werden.

  • 9 Monika Strauß-Rolke 11.10.2018, 08:03 Uhr

    Als langjährige Lehrkraft in Integrationskursen kann ich den Überlegungen von Herrn Stamp nur zustimmen, vor allem die Finanzierung muss sich verbessern, denn nach wie vor sind die Lehrkräfte in Integrationskursen nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sondern erhalten meist nur Honorare. Trotz staatlichem Auftrag entzieht sich der Staat seiner Aufgabe die Arbeitgeberanteile für die Lehrkräfte anteilig zu übernehmen. Es gibt keine Lohnfortzahlung bei Krankheit und im Urlaub, Altersarmut wegen mangelnder Rentenbeiträge ist vorprogrammiert. Deshalb haben wir das Bündnis DaF/ DaZ-Lehrkräfte gegründet, um uns für faire Arbeitsbedingungen auch in dieser Branche einzusetzen. Leider bleiben diese Umstände im Bericht unerwähnt.

  • 8 richard Lenz 10.10.2018, 22:25 Uhr

    Interessant, homogene Gruppen sind also effizienter. Das muss bei den Integrationskursen berücksichtigt werden. Die Schüler kann man jedoch mit behinderten und sprachdefizitären in einer Klasse kombinieren?? Und in der abendlichen Weiterbildung für 8.000 EUR sitzen auch Leute mit angerechneten und annerkannten Abschlüssen, für sie aber in jeder Stunde Grundlagen wiederholt werden müssen. Was lernen wir daraus? Schüler und Vollzeitangestellte sind schon lange nicht mehr im Fokus der alten Parteien!

  • 7 Beate 10.10.2018, 21:55 Uhr

    Dass hier als Normalfall dargestellt wird, dass Akademiker mit Analphabeten unterrichtet werden, ist nach meiner praktischen Erfahrung schlicht Unsinn. Seit Jahren gibt es ein breites Angebot von Kursen mit Alphabetisierung. Richtig ist, dass die Teilnehmer der Alphabetisierungskurse deutlich mehr Zeit brauchen, um die deutsche Sprache zu erlernen und sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Richtig ist auch, dass hierfür mehr Mittel benötigt werden. Die Konzepte hierfür gibt es, genau wie viele überaus qualifizierte und engagierte Lehrkräfte, bereits seit Jahren. Es ist mir daher unverständlich, wie eine solche Meinung nicht nur journalistisch unkommentiert übernommen wird, sondern sogar angeblich eigene Recherchen bestätigt.

  • 6 Elmo 10.10.2018, 18:00 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 5 Anonym 10.10.2018, 16:14 Uhr

    Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich dies auch ins Bildungsministerium und die Bezirksregierungen verbreitete. In Schulen läuft es ebenso chaotisch. Die gebildeten, leistungsfähigen Schüler können nicht ausreichend gefördert werden, Schüler mut IQ Werten unter 70 sollen in gymnasiale Klassen integriert und alphabetisiert werden. Frust auf allen Seiten ist vorprogrammiert. Nach zwei Jahren soll dem Regelunterricht gefolgt werden. Schulplätze sind nicht ausreichend vorhanden.

  • 4 Andrea Ludwigs-Spalink 10.10.2018, 14:02 Uhr

    Als Lehrerin in einem Alphabetisierungs-Integrationskurs in NRW kann ich nur bestätigen, dass B1 ein viel zu hohes Niveau für Menschen bedeutet, die in ihrem Heimatland nicht zu lernen gelernt haben, nicht mal auf Arabisch schreiben können und selten oder nie eine Schule besucht haben. Dazu ist Deutsch eine zu schwere Sprache und die Zeit im Alpha-Kurs ist zu kurz. Außerdem verkennt das Bamf die Situation der Lernenden, die oft andere Probleme haben als die richtigen Akkusativ-Endungen beim Adjektiv... Muss ein syrischer oder irakischer Migrant wirklich die Worte "Reservierungsbestätigung" und "Sehenswürdigkeit" (Kursbuch A2) verstehen und vor allem: aussprechen können? Und das größte Problem ist: Sie haben außerhalb des Sprachkurses kaum Kontakt zu Deutschen und damit zur deutschen Sprache. Nur wer Deutsch sprechende Kinder in der Schule hat, hat eine Chance, mit ihnen seine Sprachkenntnisse zu verbessern.

    Antworten (1)
    • Symaer 10.10.2018, 22:52 Uhr

      Ich bin mit Ihnen einverstanden. Ich bin auch Kursleiterin in einem Alphabetisierungs- und Integrationskurs in NRW. Dazu möchte ich sagen, dass die Anzahhl der Teilnehmer (25) an einem Integrationskurs, um eine Fremdsprache zu lernen ist es ein bisschen zu viel. Es ist schwierig, alle Teilnehmer in Bezug auf Aussprache, Ausdruck, Lesen, Hausaufgaben usw. zu korrigieren/verbessern. Andererseits ist es kompliziert, andere Aktivitäten, wie Spiele oder Gruppenarbeit zu verwenden, da im Einzelfall die Unterrichtsräume sehr klein und unbequem sind. Darüber hinaus haben wir kein Video Bin oder Internet, um Videos und / oder Filme zu zeigen.

  • 3 René Göhde 10.10.2018, 12:50 Uhr

    Hallo mittlerweile verdienen sich pensonierte Beamte eine goldene Nase damit. Es gibt genug arbeitslose Lehrer die das machen können.

    Antworten (1)
    • Onka 11.10.2018, 07:29 Uhr

      Na, klar. Der pensionierte Lehrer, der finanziell abgesichert da steht, nimm schon wieder das Brot dem arbeitslosen Lehrer. Es gibt genug Lehrer in der Bildung, die qualifizierter als die o.g. Gruppe sind, nehmen an allen Weiterbildungskursen teil, lernen Fremdsprachen wie z. B. Arabisch, helfen sogar den KT bei Behördengängen etc, etc... Wozu brauchen wir die Pensionäre....?!

  • 2 Friehelm Zinker 10.10.2018, 12:48 Uhr

    Guten Tag, es sollte nicht jeder diesen Kurs abhalten dürfen. Nur "richtige" Deutsch-Lehrer sollten das machen und keine Chemie-Lehrer, die einen Schnellkurs abgelegt haben.

  • 1 Susanne Krämer 10.10.2018, 12:46 Uhr

    Es sollten nur Menschen mit einem Studienfach in Deutsch diese Kurse abhalten.

    Antworten (1)
    • Onka 11.10.2018, 07:30 Uhr

      Nein

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