Dortmunder hilft im Flüchtlingscamp in Bosnien

Europaabgeordnete wollen Flüchtlingssituation in Bihac lösen 03:14 Min. Verfügbar bis 25.09.2020 Von Martin Wilger

Dortmunder hilft im Flüchtlingscamp in Bosnien

Von Martin Wilger

  • Rund 1.000 Menschen ins Camp geflohen
  • Schlechte humanitäre Zustände im Flüchtlingslager
  • Zu wenig Hilfe für die Geflüchteten

Am 14. Juni 2019 wurden die ersten Flüchtlinge aus der bosnischen Stadt Bihac auf eine zehn Kilometer entfernte ehemalige Müllhalde gebracht. Seitdem leben dort zwischen 600 bis 1200 Menschen auf engstem Raum.

Der Dortmunder Journalist Dirk Planert ist seit einigen Monaten zusammen mit einem Team einer Privatinitiative vor Ort, um ehrenamtlich Hilfe zu leisten und auf die schwierige Situation im Camp Vucjak aufmerksam zu machen.

Nur drei Helfer vor Ort

"Das rote Kreuz Bihac verteilt täglich zwei Mahlzeiten. Morgens eine Scheibe Brot mit einer Dose Fisch oder Aufstrich. Nachmittags eine Suppe oder Eintopf mit Brot. Diese Menge entspricht etwa einer Vorspeise in einen deutschen Restaurant", sagt Dirk Planert.

Flüchtlinge im bosnischen Camp Vucjak

Flüchtlinge im bosnischen Camp Vucjak

Vereinzelt konnte das Rote Kreuz Bihac Kleidung und Decken an die Flüchtlinge verteilen. Die Zelte seien ebenfalls vom roten Kreuz Bihac aufgebaut worden. Sie kämen aus der Türkei. Es seien etwa 60 gute Zelte, dazu mehrere kleinere, die aber nicht gegen Regen schützen können, so Planert.

Das Team der Privatinitiative kümmere sich um die gesamte medizinische Versorgung. "Das Kernteam besteht aus zwei jungen Männern und mir", berichtet der Dortmunder. Dazu gäbe es wechselnde medizinische Fachkräfte. Außerdem konnte das Team Taschenlampen, Kleidung, Schuhe, Decken, Schlafsäcke, Isomatten verteilen - dank einiger Spenden.

Fehlende Unterstützung von großen Hilfsorganisationen

Eine Verbesserung der Lage sei nicht in Sicht, beschreibt Planert die Situation. Alle großen Hilfsorganisationen weigerten sich in Vucjak zu arbeiten, weil es sich um ein illegal von den bosnischen Behörden errichtetes Camp handele, kritisiert der Dortmunder: "Die hygienischen Bedingungen im Camp seien menschenunwürdig. Es gebe nur acht Toiletten für alle Camp-Bewohner. Die Exkremente laufen 5 Meter hinter den Toiletten ins offene Feld".

EU-Abgeordnete wollen helfen

Großer gelber Wassertank mit der Aufschrift "Water is not for Drink"

Wassertank im Camp Vucjak

Immerhin: Drei EU-Abgeordnete haben sich vorgenommen zu helfen. Eine davon ist die Österreicherin Bettina Vollath. Sie hat das Lager besucht und sagt: "Die Zustände sind eine einzige Katastrophe." Sie ist froh, dass wenigstens Planert hilft. Vollath will dafür sorgen, dass die Stadt Bihac die nötigen finanziellen Mittel erhält, um die Flüchtlinge zu versorgen. Doch das muss schnell gehen.

Dirk Planert befürchtet, dass er und das Team auch den Winter im Camp verbringen müssen. "Sollte das der Fall sein, werde ich noch vorher Leichensäcke kaufen. Die werden wir dann brauchen. Krankenwagen kommen nicht dorthin. Wenn ich die Leichen dann ins Krankenhaus fahren muss, möchte ich sie wenigsten vorher "einpacken" können", so Dirk Planert.

Stand: 25.09.2019, 17:16

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