Münster will "Sea-Watch"-Flüchtlingen helfen

Italienische Polizisten die neben sitzenden Migranten stehen, nachdem sie von dem Rettungschiff Sea-Watch 3 in Lampedusa von Bord gingen.

Münster will "Sea-Watch"-Flüchtlingen helfen

  • Rettungsschiff "Sea-Watch 3" legt in Lampedusa an
  • Münsters Oberbürgermeister erneuert Hilfsangebot
  • Familie will drei Bootsflüchtlinge aufnehmen

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" hat nach mehr als zwei Wochen auf offener See am Samstag (29.06.2019) mit 40 Flüchtlingen an Bord im Hafen der italienischen Insel Lampedusa angelegt.

"Aus humanitären Gründen muss gehandelt werden"

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.06.2019 05:27 Min. Verfügbar bis 26.06.2020 WDR 5

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Am Morgen durften die Menschen das Schiff verlassen. Im politischen Tauziehen um die Migranten will die Stadt Münster helfen. Das hat Oberbürgermeister Markus Lewe bekräftigt.

Familie will drei Bootsflüchtlinge aufnehmen

Lewe erneuerte bereits am Freitag (28.06.2019) das Angebot, drei der 42 Flüchtlinge in Münster aufnehmen zu wollen. Vor wenigen Tagen habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits einen entsprechenden Brief geschrieben.

Angesichts der großen Not der Menschen auf dem Schiff "kann man nicht länger hinwegsehen", sagte Lewe dem WDR. "Aus humanitären Gründen muss gehandelt werden."

Nach Angaben von Lewe wird der Vorstoß der Stadt von vielen Münsteranern befürwortet. Eine Familie hat sich jetzt konkret bei der Stadt gemeldet und möchte drei Flüchtlinge bei sich wohnen lassen.

Auch andere NRW-Städte wollen helfen

Nicht nur Münster, auch verschiedene andere NRW-Städte haben ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge von der "Sea-Watch 3" aufzunehmen. So haben die Oberbürgermeister von Dortmund, Düsseldorf, Köln und Wetter Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, Kontakt mit den italienischen Behörden aufzunehmen und diese über die Aufnahmebereitschaft der Städte zu informieren.

Ein Migrant der von dem Rettungsschiff Sea-Watch 3 in Lampedusa von Bord geht. Um ihn herum stehen mehrere Polizisten.

Ein Migrant verlässt das Rettungschiff

Bevor die Geflüchteten in deutschen Kommunen aufgenommen werden können, müssen sich allerdings erst Italien, Deutschland und die EU über die Formalitäten einigen. Auf der "Sea-Watch 3" war man über die Angebote aus Deutschland informiert, sagte am Donnerstag (27.06.2019) WDR-Reporterin Nadia Kailouli, die sich auf dem Schiff befand.

Allerdings müssten als ersten Schritt die italienischen Behörden entsprechende Anträge stellen. Dies sei bislang noch nicht passiert, so Kailouli.

Kapitänin verhaftet

Carola Rackete in Lampedusa von der Polizei festgenommen

Kapitänin Carola Rackete

Kurz nachdem das Schiff in Lampedusa angelegt hatte, nahm die italienische Polizei nach Angaben eines Sea-Watch-Sprechers die Kapitänin des Schiffs, Carola Rackete, fest. Gegen sie ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft. Der Deutschen wird unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen. Kirchentagspräsident Hans Leyendecker solidarisierte sich am Samstag mit Rackete und nannte die Festnahme eine "Schande für Europa".

Das Schiff hatte am 12. Juni 2019 insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen an Land gebracht worden.

Stand: 29.06.2019, 09:00

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